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Kerzen - So kommt das Wachs auf den Docht

Stand: 29.11.2010


Mädchen pustet Kerzen auf Geburtstagskuchen aus (c) Image Source
Gelingt es dir alle Kerzen auf deinem Geburtstagskuchen "in einem Atemzug" auszublasen?! Kerzen brennen bei uns am Geburtstag, im Advent oder an Weihnachen – oder auch einfach nur, wenn es draußen dunkel ist. Wenn wir Kerzen anzünden ist es sofort ein bisschen feierlich. Kerzen sind einfach etwas ganz Besonderes – schon allein, weil immer ein Erwachsener in der Nähe sein sollte, wenn du sie anzündest ...

Mehr als ein Drittel aller Kerzen werden in der Vorweihnachtszeit verkauft: Da läuft die Produktion in einer Wachszieherei, so nennt man die Fabrik, in der massenhaft Kerzen gemacht werden, schon Monate vorher auf Hochtouren. Zum Beispiel bei Hans Albertshauser aus Königsbrunn bei Augsburg. Bei ihm kann eine Maschine in einer Stunde 1.000 Kerzen herstellen. Bei richtig dünnen Kerzen sind es manchmal sogar mehr.

Eine 100 Meter lange Kerze

Wachszieher Hans Albertshauser an seiner Maschine (c) BR/Wienand)
Meterlange Kerzen: Der Wachszieher Hans Albertshauser an seiner Maschine.
Die Maschine, mit der man Kerzen herstellt, besteht vor allem aus zwei großen Walzen. Insgesamt ist sie doppelt so hoch wie ein Mensch und etwas länger als ein normales Zimmer. Die beiden Walzen drehen sich ganz langsam. Um die Walzen ist der Docht gewickelt – aber kein normaler Docht, wie du ihn kennst. Der Docht ist 100 Meter lang. Und am Ende wird aus ihm eine 100 Meter lange Kerze.

Zwischen den beiden Walzen ist eine Wanne mit heißem, flüssigem Wachs. Die Walzen ziehen den langen Docht durch diese Wachs-Wanne. Der Docht saugt sich mit Wachs voll und läuft weiter an die Luft. Er wird nun mehrmals um die Walzen gezogen, ohne ins Wachs einzutauchen. Dabei kühlt das Wachs aus.

Maschine zur Kerzenherstellung (c) BR/Wienand
Oben laufen die halb fertigen Kerzen, unten ist das flüssige Wachs.
Anschließend läuft der Docht wieder durch die heiße Wachs-Wanne und die nächste Schicht entsteht. Wieder auskühlen, wieder durch die Wanne, wieder auskühlen, wieder durch die Wanne ... So wird die Wachsschicht um den Docht immer dicker. In weniger als einer Stunde wird aus dem kahlen Docht eine 100 Meter lange Kerze, die dicker ist als ein Finger.

Zerschneiden und anspitzen

Aufgewickelt auf die Walze sieht diese Kerze allerdings eher aus wie ein weißer Gartenschlauch. So passt sie in keinen Kerzenständer. Deshalb teilt eine andere Maschine die lange Kerze in viele kleine Stücke.

Noch versteckt sich der Docht unter der Wachsschicht in der Kerze. Aber so kann ja niemand die Kerze anzünden. Deshalb spitzt die Schneidemaschine die kleinen Kerzen auch noch an. Das funktioniert wie bei einem Bleistiftspitzer. Nur dass bei der Kerze keine Bleistiftmine, sondern der Docht zum Vorschein kommt.

Schon gewusst?
Mädchen am Adventskranz (c) dpa Ein Docht ist keine einfache Schnur. Ein Docht wird aus vielen dünnen Baumwollfäden gewebt oder geflochten. In den vielen kleinen Fäden kann das flüssige Wachs nach oben steigen und in der Flamme verbrennen. Heute sind Dochte so geflochten, dass sie sich leicht zur Seite neigen. So kann die Dochtspitze immer am Rand der Flamme verbrennen. Der Docht schrumpft dadurch mit der Kerze.


Zum Abschluss noch mal untertauchen

Wie Glocken sind die Kerzen zum Tauchen aufgehängt. Klick die Lupe um alles genau zu sehen!
Danach bekommt die Kerze noch eine letzte Wachsschicht. Die macht die Kerze schön glatt und noch ein bisschen härter. Man kann diese letzte Schicht aber auch nutzen, um aus den weißen Kerzen zum Beispiel schöne rote Kerzen für den Adventskranz zu machen.

Dazu hält man die Kerzen am Docht fest und taucht sie in einen großen Bottich mit flüssigem, buntem Wachs. Wenn man sie wieder hochzieht, ist sie rot, gelb, blau oder grün – je nachdem, welche Farbe das Wachs in der Schüssel hatte. Dann muss sie nur noch trocknen und fertig ist die Kerze.

Andere Formen – andere Methoden

Richtig dicke Kerzen, also solche, die armdick oder noch dicker werden sollen, werden anders hergestellt. Es würde viel zu lange dauern, sie zu "ziehen". Hans Albertshauser nutzt für solche Kerzen eine andere Methode: Er presst sie aus vielen kleinen Wachsplättchen zusammen. Dafür hat er auch wieder eine Maschine.

Und dreieckige, runde oder Schneemann-Kerzen? Die lassen sich nicht ziehen oder pressen, die muss er gießen. Dann wird aus einem Wachszieher eben ein Wachsgießer, der heißes Wachs in spezielle Formen füllt. Danach muss Hans Albertshauser lange warten, bis das Wachs kühl und fest ist. Dann kann er die fertige Kerze aus der Form lösen.


Judith Wienand


 
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