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Tischsitten - Früher und heute

Stand: 21.04.2011


Stell dir vor, du isst gerade zu Abend, piekst mit deiner Gabel in die Nudeln und willst sie dir in den Mund schieben, während dein Tischnachbar lautstark furzt ... Wie findest du das? – Was heute fast undenkbar ist, war vor vierhundert Jahren ganz selbstverständlich: "Was rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmecket?" – Rülpsen, furzen, lautstark schmatzen, so zeigten die Menschen damals, dass es ihnen schmeckte.

Brot statt Teller

Scheibe Brot (c) Photoalto
Da hat doch schon jemand an seinem Teller geknabbert ...!
Bürgerliche Menschen kannten damals noch keine Porzellanteller. Sie benutzten trockenes Brot als Unterlage für Fleisch und Saucen. Zu guter Letzt wurde dann der Teller – also die Brotscheibe – aufgegessen. Wofür wir heute Besteck nehmen, nahmen die Menschen früher einfach ihre Finger. Die Gabel kannte man zwar schon und nutzte sie in der Küche, um beispielsweise Fleisch festzuhalten, beim Essen wurde sie nicht benutzt. Denn sie wurde von der Kirche als Symbol des Teufels bezeichnet.

Nur Suppen konnten nicht mit Fingern gegessen werden! Eine Schale, aus der alle gemeinsam schlürften, wurde von Gast zu Gast weitergereicht. Damit dabei nicht Krankheiten wie Pest und Cholera übertragen wurden, wurde sehr viel Alkohol getrunken. Das empfahlen damals sogar Ärzte!

Festmahl beim König

Aus diesem Hahn kann man trinken ...
Getrunken wurde in vornehmen Gesellschaften aus sogenannten Trinkpokalen. Die waren am Königshofe aus Silber oder Gold angefertigt und hatten die Form eines Tieres. Diesem Tier – oft ein Hirsch, Pferd oder Löwe – konnte der Kopf abgenommen werden. Dann wurde Wein eingefüllt und die Menschen prosteten sich zu. Diese Trinkgefäße zeigten den Reichtum ihrer Besitzer. Je mehr solcher "Becher" jemand hatte, umso reicher war er. Hier wurden Teller und Bestecke aus Silber oder sogar Gold benutzt. Die Sitzordnung zeigte damals, wie einflussreich jemand war: Wer ganz nah am Salzfass oder an anderen Gewürzen sitzen durfte, hatte die meiste Macht. Denn Gewürze waren sehr kostbar und teuer.

Tischzuchten als Regelwerk

In Schriften – sogenannten "Tischzuchten" – erfahren wir, wie die Menschen sich damals am Tisch benahmen. Immer wieder gab es Zeitzeugen, die sich über die Umgangsformen der Menschen aufregten und Regeln aufstellen wollten, wie man sich bei Tisch zu verhalten habe. So heißt es zum Beispiel bei Erasmus von Rotterdam (circa 1465-1536): "Rücke nicht bei Tische hin und her, dass es aussieht, als wolltest du gerade einen fahren lassen." Und weiter rät der niederländische Philosoph, nicht zu schmatzen, das Tischtuch nicht als Serviette zu benutzen und noch viel mehr sittsames Verhalten. Diese Tischzuchten interessierten die Menschen aber kaum. Die Regeln, die darin gefordert werden, ähneln den heutigen Umgangsformen.

Moderne Tischsitten

Wenn wir mit dem Essen anfangen, haben wir die Hände gewaschen, warten, bis alle am Tisch sitzen und wünschen uns "guten Appetit". Es gibt eine genaue Vorstellung davon, wie wir Besteck halten und benutzen, dass die Hände auf dem Tisch sind – nicht aber die Ellenbogen. Aufrecht sitzen, nicht mit vollem Mund reden – all das sind Regeln, die das gemeinsame Essen angenehmer machen sollen. Und falls doch jemandem zu Tisch aus Versehen mal ein Furz entfleuchen sollte, überhören wir ihn aus Höflichkeit einfach ...

Drei Tipps für perfekte Tischmanieren
Eigentlich denkt man, es ist immer höflich, "Guten Appetit" zu wünschen. Zu Hause am eigenen Tisch ist das auch so, aber sonst eher nicht. Denn derjenige, der einen "Guten Appetit" wünscht, der sagt damit zwischen den Zeilen auch immer: "Lasst es euch schmecken! Jetzt fangen wir mit dem Essen an!" Und das sollte eigentlich immer nur dem Gastgeber überlassen sein. Wer also zu Gast ist, sollte sich also lieber für die Einladung bedanken und hinterher – falls es stimmt – sagen, dass das Essen gut geschmeckt hat.

Ein Lieblingsessen von vielen Menschen sind Spaghetti mit Tomaten- oder Bolognese-Sauce. Doch wie isst man Spaghetti am stilvollsten? Spaghetti mit dem Messer klein zu schneiden, ist eine kleine Benimmregel-Sünde. Lieber sollte man Spaghetti mit der Gabel auf einen Löffel aufwickeln – wer es schafft, am besten sogar nur mit der Gabel. Ein Tipp dafür: Die Gabel nicht in die Mitte des Spaghetti-Berg stecken, sondern lieber die Spaghetti am Tellerrand aufwickeln, weil die Spaghetti dort nicht mit so vielen anderen verheddert und verklebt sind. Und lieber viele kleine Portionen auf die Gabel laden, damit die Spaghetti auch gut in den Mund passen und nicht zu sehr raushängen.

Oft stellt sich auch die Frage: Wohin mit dem Besteck? Wer während des Essens eine kleine Pause machen will, sollte Messer und Gabel ruhig aus der Hand legen. Allerdings in einer bestimmten Art: Messer und Gabel gehören immer auf den Teller und sollen die Tischdecke auch nicht mit dem Griff berühren. Sie bilden auf dem Teller eine Art spitzes Hausdach. Wer fertig mit dem Essen ist, legt das Besteck ebenfalls auf den Teller. Allerdings nicht mehr so, dass sie ein Hausdach bilden, sondern in der "Zwanzig nach vier"-Stellung. Also so, wie die Zeiger auf einer Uhr um zwanzig Minuten nach vier stehen.


Kristina Richter und Mischa Drautz

 
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