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Vietnamesisches Wasserpuppentheater
Eine Bühne aus Wasser? Das gibt’s doch gar nicht!! Gibt's doch, aber nur in Vietnam. Und zwar schon seit fast 1.000 Jahren. "Mua roi nuoc" heißt Wasserpuppentheater auf Vietnamesisch. Die Bühne besteht aus einem großen mit Wasser gefüllten Becken. Früher fanden die Aufführungen im Dorfteich oder einem See statt. Heute gibt es Theaterhäuser mit Wasserbeckenbühnen, wie das Kim Dong Theater in Hanoi. Die Puppenspieler stehen – bis zu den Hüften im Wasser – hinter einem Bambusvorhang. Der reicht bis knapp unter die Wasseroberfläche.
An vier Meter langen Bambusstangen schieben die Puppenspieler die Puppen scheinbar unsichtbar unter der Wasseroberfläche hin und her. Die Puppen ragen an Stäben aus dem Wasser heraus. Sie sind aus leichtem Holz geschnitzt und farbig lackiert. Manchmal sind mehrere Puppen an einer Stange befestigt. So können die Spieler bis zu sechs Puppen auf einmal bewegen. Neben der Bühne sitzt das Orchester. Auf traditionellen vietnamesischen Instrumenten begleiten sie die Szenen. Die Musiker sprechen auch die Stimmen der Puppen. Bei Wasserpuppentheateraufführungen wird nicht ein Theaterstück gespielt, sondern viele kleine Szenen. Die Geschichten stammen von vietnamesischen Märchen oder aus dem Alltag: Kinder spielen Ball im Wasser, Fischer fangen Fische, Bauern hüten Enten oder pflanzen Reis, der dann wie von Zauberhand aus dem Wasser wächst.
Auch tanzende Drachen und verzauberte Schildkröten treten auf. Die Drachen können sogar Feuer speien und Wasser spucken. Deshalb sollte man sich beim Wasserpuppentheater nie in erste Reihe setzen. Da wird man nämlich gern von den Wasser speienden Drachen nass gespritzt. Olga-Louise Dommel |
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