Ohren - Echte Wunderwerke, II

Satellitenschüssel (c) Getty Images
Was hat ein Ohr mit einer Satellitenschüssel zu tun?
Unsere Ohren arbeiten wie kleine Satellitenschüsseln. Selbst wenn wir schlafen, sind sie im Einsatz. Wie ein Trichter fängt die Ohrmuschel die Geräusche, besser gesagt ihre Schallwellen, auf. Das Trommelfell erfasst Geräusche von außen als Schallwellen und gibt sie in das Innere des Ohres weiter. Eine Kette aus winzigen Gehörknöchelchen mit den Namen Hammer, Amboss und Steigbügel leitet die Wellen zur nächsten Station.

Die hat nichts mit Werkzeugen zu tun, sondern eher mit der Tierwelt: Sie heißt Hörschnecke – und das nicht, weil sie besonders langsam arbeitet, sondern weil sie aussieht wie ein Miniaturschneckenhaus in Erbsengröße. In dem Schneckenhaus ist Flüssigkeit, die mit den Schallwellen ins Schwappen gerät. Und in der Flüssigkeit bewegen sich die feinen Hörhärchen wie die Ähren auf einem Kornfeld. Die Härchen leiten das Signal ans Gehirn weiter – und erst dann ist das Gehörte wirklich bei uns angekommen.

Quietschende Kreide erzeugt einen Sturm

Feuerwerk (c) Getty Images
Bei angenehmen Geräuschen bewegen sich die Sinneshärchen in der Hörschnecke, als ob ein leichter Wind über ein Kornfeld streicht. Laute Geräusche – wie ein Knall an Silvester oder eine quietschende Kreide an der Tafel – können diese Hörhärchen verletzen. Wenn sie umknicken, abreißen oder auch nur anschwellen, kann das einen Gehörschaden verursachen – so wie ein Sturm ein Kornfeld verwüsten kann. Ein sehr lauter kurzer Knall, wie ein direkt neben dem Ohr explodierender Feuerwerkskörper, kann das Trommelfell zum Platzen bringen. Aber auch der Besuch eines Rockkonzerts oder pausenlose laute Musikberieselung über die kleinen Ohrstöpsel des MP3-Players können das Ohr für immer kaputt machen.

Abgeknickte Härchen

Wenn es im Ohr stürmt, verkleben die Sinneshärchen. Diese Taubheit kann wieder verschwinden, wenn man den Ohren eine echte Ruhepause gönnt. Bei einem Orkan knicken die Härchen – wie die Halme auf dem Feld – einfach ab, brechen oder fallen für immer aus. Damit fehlen dem Ohr die vorderen Haarzellen und es kann vor allem hohe und leise Töne nicht mehr hören: der Beginn einer Schwerhörigkeit. Bei Stress oder Überforderung rächt sich das Ohr mit quälenden Pfeif- und Rauschtönen. Diese Warnung sollte man sehr ernst nehmen. Schlimm wird es, wenn das Klingeln im Ohr nicht wieder verschwindet. Dann sollte man schleunigst zum Arzt.

Schutz für die Ohren

Schumacher mit Ohrenstöpsel (c) dpa
Auch Profi-Rennfahrer Schumacher braucht Ohrenstöpsel gegen den Krach.
Wenn man weiß, dass es für längere Zeit laut wird, sollte man die Ohren schützen. Auf einem lauten Konzert zum Beispiel kann man sich Ohrstöpsel aus einer Art Schaumstoff ins Ohr stecken, die die Schallwellen filtern. Damit knallen sie nicht mehr so heftig auf das Trommelfell und für alle anderen Beteiligten dahinter wird's nicht so stressig.

Und was kann man sonst noch tun?

Gute Ohren brauchen auch gutes Essen. Für den Stoffwechsel im Ohr benötigt der Körper Mineralien und Vitamine, deshalb gilt – wie für die anderen Organe auch: Obst und Gemüse tun gut! Außerdem ist das Gehör anfällig für Stress. Ohrensausen zum Beispiel kann auch durch zu viel Ärger oder Streit entstehen, oder wenn man eben "viel um die Ohren" hat. Also: Immer schön ruhig bleiben – und zwar nicht nur in der Lautstärke!

Und wenn das Gehör nicht richtig funktioniert?

Früher haben Schwerhörige ein sogenanntes Hörrohr in ihre Ohrmuschel gesteckt, um die Schallwellen besser einzufangen, ein langes, kelchförmiges Rohr. Wenn du deine Hände trichterförmig vor das Ohr hältst, kannst du ausprobieren, wie das klingt. Heute gibt es Minicomputer in Hörgeräten, die verschiedenste Gehörprobleme lindern können.

Katrin Stadler

 
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