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Blindheit - Wie lebt man da?

Stand: 04.01.2010


Glühbirne als Röntgenaufnahme © Getty Images
Wenn im Treppenhaus plötzlich das Licht ausgeht, erschrecken die meisten und suchen schnell den Lichtschalter. Im Dunkeln weitergehen, ohne etwas zu sehen? Lieber nicht.

Blinde - Sehende

In Deutschland leben 155.000 Menschen, die nie etwas sehen können. Sie sind blind. Manche von Geburt an, manche haben als Kinder, manche als Erwachsene eine Krankheit bekommen, durch die sie nichts mehr sehen können.

Trotzdem machen Blinde fast alles, was Sehende auch machen. Sie gehen zur Schule, sind selber Lehrer, sind Vater oder Mutter von Kindern, sind Sportler - nur selber Auto fahren, das geht nicht.


Schon gewusst?
Um zu erkennen, welche Farbe ein Pulli oder die Socken haben, gibt es für blinde Menschen Farberkennungsgeräte, etwa so groß wie ein Handy. Die halten sie auf ein Kleidungsstück und ein Sprachcomputer sagt dann, welche Farbe es ist. Praktisch!
Gut gespitzte Ohren

Ein blinder Mensch hat ein viel besser trainiertes Gehör als einer, der sehen kann. Klar, er kann sich ja viel besser auf Geräusche konzentrieren. Ein Blinder hört ganz genau, wie weit jemand weg ist, der mit ihm spricht. Sogar ob du ihn anschaust, während du sprichst, oder ob du beim Sprechen an ihm vorbeischaust, kann er hören.

Fühlen und Riechen

Auch auf Gerüche achten Blinde viel mehr, denn sie helfen, Dinge und Wege zu finden. Eine Bäckerei duftet ganz anders als ein Schuhladen. Und die Finger helfen auch, zu sehen: Beim Saft einschenken einfach oben am Rand einen Finger leicht ins Glas ragen lassen, schon ist klar, wann das Glas voll ist. Mal ausprobieren!


Willi bei einer Augenärztin © BR
Mit Spezialgeräten können Augenärzte unsere Augen untersuchen.
Willi beim Training mit dem Blindenstab © BR
Mit dem Blindenstab zu gehen, muss jeder erst lernen.
Familie Schemm auf ihrem Tandem © BR
Fahrradfahren ist auch blind kein Problem: auf dem Tandem!
 

Blind in der Stadt

Einem Blinden helfen
Auf jeden Fall immer zuerst etwas sagen: "Entschuldigung, darf ich ihnen helfen?" zum Beispiel. Er kann dich ja nicht sehen. Dann kannst du deinen Arm anbieten und so eingehakt kommt ihr prima zusammen zur gesuchten Bushaltestelle, dem Taxistand oder dem Briefkasten.
Mit ihrem weißen Blindenstab können Blinde sogar den Boden hören, auf dem sie gehen:

Gehwegplatten machen ein anderes Geräusch als Straßenasphalt oder Sand. Und wenn sie mit dem Stab über den Boden vor ihren Füßen streichen, fühlen sie den Untergrund auch. So kann man sogar blind durch eine Stadt gehen. Aber man braucht eine große Portion Mut!


Willi mit Gerda beim Blindenstabtraining © BR
Willi hat auch eine Sendung über das Blindsein gemacht. Dafür hat er mit einer Augenmaske und einem Blindenstab ausprobiert, wie es sich anfühlt, als Blinder seinen Weg zu finden.

Für Willi war das ganz schön schwierig und ungewohnt!


Anja Mösing und Simone Wichert

 
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