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musiklexikon
 

Stimmung - Von mitteltönig bis wohltemperiert

Stand: 02.02.2014


Klavierstimmer Ernst Kochsiek (c) dpa
Erst wenn Klavierstimmer Ernst Kochsiek mit der Arbeit fertig ist, beginnt das Konzert!
Wenn man in der Musik von Temperatur spricht, dann geht es nicht um warm oder kalt, sondern um verschiedene Stimmungs-Systeme. Heute ist bei Tasteninstrumenten die Oktave in zwölf gleichgroße Halbton-Schritte unterteilt. Das war nicht immer so.

Früher konnte ein Orgel- oder Cembalobauer sein Instrument nur mit Hilfe seines Gehörs stimmen. Elektronische Stimmgeräte gab es noch nicht. Dabei half man sich mit reinen Intervallen. Ein Intervall ist dann rein, wenn es so sauber klingt, dass es "nicht mehr flirrt" – oder wie der Fachmann sagt: "nicht mehr schwebt". Oktaven sind immer rein. An zweiter Stelle kommen die Quinten. Bis heute werden z.B. Geigen in reinen Quinten gestimmt.

Ein kleiner "Rechenfehler" wird ein hörbares Problem

Denkmal für Phytagoras (c) dpa
Denkmal für den antiken Gelehrten Phytagoras.
Im Mittelalter hat man das auch mit Orgel gemacht. Denn in der mittelalterlichen Musik war die Quinte ein ganz besonders wichtiges Intervall. Sie musste rein sein - beim Singen genauso wie auf den Begleitinstrumenten. Also hat man die Orgeln nach reinen Quinten aufwärts gestimmt. Vom C erst das G, dann D, A, E, usw.

Wenn man das zwölfmal macht, kommt man - rein rechnerisch - wieder beim C raus und hat dabei alle Halbtöne durchwandert. Der griechische Gelehrte Pythagoras hat das schon in der Antike berechnet. Deshalb nennt man diese Temperatur pythagoreische Stimmung.

Klick den Pfeil und wandere mit zwölf Quinten durch sieben Oktaven!

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Nun gibt es aber ein Problem: Die zwölf Quinten von C nach C sind größer als die sieben Oktaven, die denselben Weg zurücklegen. Man landet also nicht genau auf demselben C, sondern knapp daneben. Diesen minimalen Unterschied nennt man pythagoreisches Komma. Die letzte Quinte musste man also zu klein machen, damit man nicht zwei verschiedene C hat.
Diese Quinte nannte man Wolfsquinte, weil sie so schrecklich klingt. Man konnte sie beim Spielen nicht verwenden.

So hört sich die "Wolfsquinte" an!

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Das hat zur Folge, dass man einige Tonarten auf der Orgel verwenden konnte und andere nicht. Das war aber nicht so schlimm, denn die mittelalterliche Musik hat sich auf wenige Tonarten und Grundtöne beschränkt.

Statt Quinten werden Terzen ausprobiert ...

In der Renaissance gewann das Intervall der Terz große Bedeutung. Dur und Moll entwickelten sich und für Dur- und Moll-Akkorde braucht man eine Terz als mittleren Ton. Nun waren die Terzen der pythagoreischen Stimmung aber sehr unsauber. Eine neue Temperatur wurde entwickelt: die mitteltönige Stimmung. Dabei werden alle Terzen rein gestimmt. Mit diesen reinen Terzen klingen die damals wichtigen Tonarten C-Dur, G-Dur, F-Dur und D-Dur wundervoll strahlend und blitzblank sauber.

So hört sich das Präludium in C aus dem "Wohltemperierten Klavier" von J.S. Bach auf einem "mitteltönig" gestimmten Cembalo an!

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Es gab aber immer noch das Problem, dass das Stimmen nicht aufging. Tonarten, die mehr als drei Vorzeichen haben, konnte man nicht verwenden. Sie klangen scheußlich falsch, denn das mitteltönige System ist nur für C-Dur und seine Nachbartonarten gemacht. Und weil das so war, hat man um einige Tonarten – z.B. Fis-Dur – einen großen Bogen gemacht. So klingt Johann Sebastian Bachs "Präludium in Fis-Dur" auf einem mitteltönig gestimmten Cembalo:

Klick den Pfeil und hör mal rein!

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Die Lösung: Ein Kompromiss!

Für die Komponisten der Barockzeit war das sehr unbefriedigend, denn sie wollten immer kunstvoller komponieren und alle Tonarten gleichberechtigt verwenden können. Der Organist und Musiktheoretiker Andreas Werckmeister tüftelte lange an diesem Problem. Er rechnete viel, denn bei dem Problem der Stimmungen geht es viel um Mathematik. Und er fand eine Lösung: Statt nur eine Quinte zu haben, die völlig verstimmt ist – die "Wolfsquinte" – verteilte er das pythagoräische Komma auf vier Quinten. Werckmeister machte aus einer sehr verstimmten Quinte einfach mehrere Quinten, die ein bisschen verstimmt sind. So wurden endlich alle Tonarten spielbar!

So wird aus der Wolfsquinte eine reine Quinte!

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Johann Sebastian Bach (c) dpa
Johann Sebastian Bach komponierte vor lauter Begeisterung gleich durch alle Tonarten.
Der Auftraggeber von Andreas Werckmeister war der Lübecker Organist und Komponist Dietrich Buxtehude. Der junge Johann Sebastian Bach war längere Zeit bei Buxtehude zu Gast, um sich von ihm unterrichten zu lassen und lernte bei ihm das neue System von Werckmeister kennen. Bach war begeistert! Er war der erste Komponist, der eine Sammlung von Stücken schrieb, die durch alle Tonarten geht: zwölf Präludien und Fugen in allen Dur-Tonarten und zwölf in Moll. Diese Sammlung sollte ein Lehrwerk sein, mit dem junge Musiker lernen sollten, mit allen Tonarten umzugehen. Zu Ehren Andreas Werckmeisters nannte Bach diese Sammlung: "Das wohltemperierte Klavier". Diese Sammlung von Präludien und Fugen ist sehr berühmt und bis heute beliebt. Durch Bachs "Wohltemperiertes Klavier" setzte sich die neue Art, Tasteninstrumente zu stimmen, durch und wurde Werkmeister III oder wohltemperierte Stimmung genannt. Auf ihr klingt Johann Sebastian Bachs Fis-Dur-Präludium richtig gut:

Klick den Pfeil und hör dir an, wie es klingt!

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Moderne Gleichberechtigung

Werckmeisters Stimmung entspricht noch nicht ganz unserer heutigen. Seine Idee, das pythagoreische Komma zu verteilen, wurde weiterentwickelt. Im 19. Jahrhundert verteilte man es schließlich gleichmäßig auf alle zwölf Halbtöne. Seither sind wirklich alle Tonarten komplett gleichberechtigt. Diese Stimmung nennt man gleichstufig oder gleichschwebend. Der Preis, den wir dafür heute zahlen, ist hoch: Wir haben keine reinen Tonarten mehr und außer der Oktave sind uns auf Tasteninstrumenten auch keine wirklich reinen Intervalle mehr geblieben. Alle schweben – und zwar gleich stark. Daher der Name. Wir haben uns zwar längst daran gewöhnt, aber wenn man es genau nimmt, sind alle Tonarten auf dem modernen Klavier unsauber. Aber nur ein kleines bisschen ...


Thomas Schäfer

 
  Wichtiger Grundbegriff: Was ist ein Intervall?
  Kammerton a - Sorgt für die richtige Stimmung


 
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