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musiklexikon
 

Applaus - Warum klatschen wir?

Stand: 14.03.2010


Händeklatschen (c) Getty Images
Bravo! Wenn wir übers Klatschen reden, sollte der erste Beifall unseren Füssen gelten! Schließlich verdanken wir es ihnen, dass wir überhaupt in die Hände klatschen können. Erst seit wir Menschen aufrecht gehen – also seit ungefähr 3,5 Millionen Jahren – können wir auch klatschen!
Nach einem klassischen Konzert bei dem die Zuhörer ewig still sitzen müssen, ist es oft eine Wohltat endlich wieder ein bisschen aktiv zu werden und zu klatschen! Das Konzert hat uns gefallen und wir applaudieren dem Dirigenten und den Musikern. Das Klatschen ist der Lohn für die Musiker. Das Klatschen ist dabei nur der Ersatz für etwas viel persönlicheres: Statt den Musikern die Hand zu schütteln oder dem Dirigenten auf die Schulter zu klopfen, weil sie ihre Sache gut gemacht haben, klatschen wir in die Hände.

Strenge Regeln

Schon die Römer in der Antike hatten eine genau festgelegte Applausordnung: Zunächst wedelten sie mit den Zipfel der Toga, bei etwas mehr Begeisterung schnippten sie mit den Fingern – und wenn sie völlig aus dem Häuschen waren, dann klatschen sie in die hohlen Hände. Auch heute gibt es im Konzertsaal noch bestimmte Regeln. So ist es heute nicht mehr üblich, zwischen den Sätzen einer Symphonie zu klatschen. Das war zur Zeit Beethovens noch ganz anders. In der Oper darf direkt nach einer Arie geklatscht werden. Hier darf man sogar laut "Bravo" rufen. Als unfein gilt es immer nur, nach einem klassischen Konzert vor lauter Begeisterung auf den Fingern zu pfeifen. Auch wenn der Dirigent die Bühne betritt, klatschen die Leute – höflich – Beifall. Hier ist der Applaus so eine Art "Willkommensgruss".

Klatschen schafft Gemeinschaft!

Dirigent Lorin Maazel nimmt Applaus entgegen (c) dpa
Auch wenn Dirigent Lorin Maazel so streng schaut: Er freut sich über den Applaus am Ende des Konzerts!
Das gemeinsame Klatschen am Ende eines Konzerts verwandelt übrigens auch das Publikum. Schon die Urzeitmenschen entdeckten sehr bald ihre Hände als erstes einfaches "Musikinstrument": Bevor man gegen einen anderen Stamm in den Krieg zog, klatschten und tanzten die Krieger. Dadurch verschmolzen sie zu einer Einheit. Gemeinsames Klatschen verbindet. Etwas Ähnliches passiert noch heute im Theater oder in der Oper: Nach einer besonders schönen Vorstellung applaudiert das Publikum plötzlich im gleichen Rhythmus. In ihrer Begeisterung springen die Leute manchmal sogar von ihren Plätzen auf und klatschen im Stehen weiter – "standing ovations" nennt man das. Einer zieht den anderen mit. Beifall kann eine ganz schöne Macht haben.

"Wer den besten Witz erzählt, bekommt am meisten Beifall."

Schon gewusst?
Den Weltrekord im Dauerklatschen hält ein Inder namens V. Jeyaraman aus Tamil Nadu. Er hat – laut Guinness-Buch der Rekorde – 58 Stunden und neun Minuten lang pausenlos applaudiert. Dabei hat er mindestens 160-mal pro Minute die Hände zusammengeschlagen und zwar so laut, dass es noch in 110 Meter Entfernung zu hören war. Den längsten Publikums- Applaus gab es angeblich 1988 in Berlin: Nach einer Aufführung der Oper „Liebestrank“ von Gaetano Donizetti klatschten die Leute dem italienischen Startenor Luciano Pavarotti 67 Minuten lang Beifall.
Noch heute werden manche Wettbewerbe entschieden, indem man misst, wie laut das Publikum Beifall klatscht. In den Zeitungen steht auch, ob bei der Premiere einer Oper applaudiert oder gebuht wurde. Beifall entscheidet also über Erfolg oder Misserfolg. Das nutzten noch vor 300 Jahren einige Leute in Frankreich schamlos aus: Manche Pariser Theater heuerten "Berufs-Klatscher" an. Sie bekamen Geld dafür, dass sie während und nach der Vorstellung klatschten. Diese Leute hießen "Claqueure". Es gab "Lacher", "Weiner", "Johler" und "Zugaben-Schreier". Die Claqueure sollten die anderen Theaterbesucher mit ihrer vorgespielten Stimmung mitreißen. Je nach Wunsch der Schauspieler oder Sänger bereiteten sie ihre Einsätze und Klatschstellen ganz genau in den Proben vor. Für eine Zugabe, die ein Claqueur durchsetzen konnte, bekam er am meisten Geld. Etwas Vergleichbares gibt es (leider) heute immer noch: Bei manchen Fernsehserien läuft auch ein Band mit Lachern mit – und soll die Zuschauer anstecken.

Klatschverbot

Klatschende Hände (c) Digital Vision
Pfeifen, Klatschen, Johlen: bei einem klassischen Konzert undenkbar - für Arnold Schönberg ein Graus!
Nicht zu allen Zeiten war das Klatschen so beliebt. Der österreichische Komponist Arnold Schönberg hielt zum Beispiel nicht viel davon. Allerdings aus einem ganz bestimmten Grund: Bei einem Konzert in Wien 1913, das Schönberg dirigierte, war das Publikum dermaßen außer Rand und Band geraten, dass das Konzert mittendrin abgebrochen werden musste. Die Konzertbesucher waren so entsetzt von der Neuen Musik, dass sie mit Buh-Rufen die Aufführung komplett störten. Das Konzert nennt man heute deswegen auch noch "Watschenkonzert".
Das ausgebuhte Konzert blieb auch dem österreichischen Komponisten Arnold Schönberg noch lange in Erinnerung. Er gründete daraufhin einen Verein. Dessen Mitglieder trafen sich regelmäßig zu Konzerten, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Das Besondere an diesen Konzerten war: Es durfte nicht applaudiert werden.

Klatschen ist Kunst!

Schon gewusst?
Meistens kann man am Klatschen erkennen, ob jemand Rechts- oder Linkshänder ist: Rechtshänder klatschen mit der rechten in die linke, Linkshänder mit der linken in die rechte Hand.
Bei manchen Konzerten wird nicht nur nach der Musik, sondern auch während der Musik geklatscht: Beim spanischen "Flamenco" begleitet rhythmisches Klatschen den Gesang und Tanz. Dabei klatschen manchmal nur einzelne Finger der einen Hand in die Handinnenfläche der anderen, manchmal klatschen beide Hände ineinander. Hier ist Klatschen echt eine hohe Kunst!


Veronika Baum und Isabelle Auerbach

 
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