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Tafelmusik - Speisen wie die Könige

Stand: 27.01.2013


Festtafel (c) dpa







Essen ohne Musik? Das war für Könige und Fürsten, Prinzessinnen und Gräfinnen gänzlich unvorstellbar! Während sie sich all die köstlichen Leckereien in den Mund stopften, ließen sie sich ihre Ohren mit feinster Musik kitzeln. Ja, sie ließen sich sogar eigene Musikstücke extra fürs Essen schreiben: Tafelmusiken.

Das war schon vor mehr als 800 Jahren so. Die Musiker, die diese Tafelmusik spielten, waren so genannte Spielleute. Sie fuhren von Palast zu Palast und verdienten sich damit ihren Lebensunterhalt. Meist spielten sie bei Festen, vor allem bei Hochzeiten. Feste wurden damals groß gefeiert: mit mehreren Hundert Gästen und mit sehr, sehr viel Essen. Ein Festmahl dauerte mehrere Stunden und die Musiker sollten die ganze Zeit über musizieren. Und sie mussten immer wieder etwas Neues spielen, denn: zweimal das gleiche Stück? Da hätte sie der König sofort herausgeschmissen!

Signal zum Händewaschen!

Händewaschen (c) Getty Images
Tafelmusik war mal lustig, mal traurig. Manchmal spielten nur zwei Instrumente zusammen, ein anderes Mal 23 verschiedene Instrumente! Und manchmal gab es auch nur musikalische Signale: So wurde z.B. mit einer Fanfare dazu aufgerufen, sich die Hände zu waschen – schließlich hat man damals noch mit Händen gegessen! Ein anderes Signal kündigte den nächsten Gang an. Wenn die Vorspeise zu Ende war, dann blies die Trompete und alle wussten: Jetzt kommt die Hauptspeise, der gebratene Pfau!

Spielleute beim Kaltenberger Rittertunier (c) BR
Obwohl Tafelmusik sehr beliebt war, wurden die Spielleute schlecht behandelt: Sie bekamen nur die Reste zu Essen. Das änderte sich erst vor 400 Jahren. Da wurden manche der Spielleute bei der Stadt angestellt und musizierten dann bei den wichtigen Mahlzeiten im Rathaus. Die, die angestellt waren, hatten es gut, denn sie durften die lauten Instrumente spielen: Zink - das ist ein Art Mischung aus Blockflöte und Trompete, Schalmei oder Posaune. Die, die weiterhin als Spielleute unterwegs waren, mussten die leisen Instrumente spielen: Fideln, Harfen und Lauten.

Musik aus der Torte!

Spiegelsaal in Versailles (c) dpa
Der 75 Meter lange Spiegelsaal im Schloss Versailles wurde auch als Festsaal genutzt.
Manche Könige stellten sich sogar eigene Hofkomponisten an, die ihnen ganz eigene Tafelmusiken schrieben: Das tat z. B. Ludwig XIV., der Sonnenkönig aus Frankreich. Sein Hofkomponist war Jean Baptiste Lully und der schrieb ihm "Musique pour les soupers du roi" – "Musik für die Mahlzeiten des Königs". Aber anders als andere Könige aß Ludwig XIV. aber ganz alleine. Nur die Tafelmusiker leisteten ihm Gesellschaft. Die Musik klang jetzt auch viel feiner: Nun spielten Geigen, Oboen, ein Cembalo, ein Cello oder die Traversflöte, eine Querflöte aus Holz, mit.

Schön verrückt ging es an einem anderen Hofe in Frankreich zu. Da stellten die königlichen Köche eine riesige Pastete her und versteckten darin 20 Musiker! Als der Diener des Königs diese Pastete anschnitt, kamen sie alle heraus und machten Tafelmusik. Wahrscheinlich spielten sie ein "Schweinsmenuett" oder einen "Rindsgalopp"!

Rülpsmusik?!

Die berühmteste Tafelmusik hat der Komponist Georg Friedrich Telemann komponiert. Eigentlich hat er sie für den damaligen Chef der Stadt Hamburg geschrieben: "Bürgerkapitän" nannte man den damals. Wenn er aß, gab es dazu die Tafelmusik von Telemann. Aber Telemann hat es genervt, dass – während seine Musik gespielt wurde – gegessen und getrunken wurde. Wer will schon Musik machen, wenn das Essen und Trinken, Reden und Lachen, Schmatzen und Rülpsen lauter ist als die eigene Musik? Eigentlich niemand. Deswegen ist die Tafelmusik wohl auch langsam ausgestorben. Ganz im Sinn von Ludwig van Beethoven, der seine Abneigung gegen Tafelmusik so ausgedruckt hat: "Für solche Schweine spiel ich nicht!"


Uta Sailer

 
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