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musiklexikon
 

Chopin, Frédéric - König der Klaviermusik

Stand: 12.05.2012


Frédéric Chopin (c) dpa
War Chopin Pole oder Franzose? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten! Sein ganzes Leben spielte sich zwischen diesen beiden Ländern oder "Welten", wie es Chopin einmal selbst ausgedrückt hat, ab: Der Vater Franzose, die Mutter Polin. Kindheit und Studium in Polen, Erfolg und Berühmtheit als Musiker in Frankreich. Und so sollte es auch nach seinem Tod sein: Der Körper ruht in Paris, das Herz in Warschau. Bis heute.

Eines war der berühmte Komponist ganz sicher: Ein König! König der Klaviermusik und der schmachtenden Frauenherzen. Gleichzeitig aber war er ein kränkelnder Schwächling – zumindest behaupteten das andere über ihn.

Erste und lebenslange Liebe: das Klavier

Frédéric Chopin - der mit dem Klavier ...
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Angefangen hat alles in Warschau in Polen. Dort lernte er früh seinen besten Freund kennen: das Klavier. Als kleines Kind schon schwirrten blühend-duftende Melodien in seinem kleinen Kopf umher. Frédéric hörte sie so, als würde sie jemand spielen. Diese Melodien kamen oft nachts und dann konnte der kleine Frédéric nicht schlafen. So schlich er im Schlafanzug hinunter ins Wohnzimmer und suchte "seine" Melodien auf dem Klavier – so lange, bis er sie gefunden hatte. Als die Eltern seine Begeisterung für das Klavier bemerkten, bekam er mit sechs Jahren auch endlich richtigen Unterricht. Weil ihm aber immer noch so viele Melodien im Kopf umhersausten, schrieb er seine eigenen Klavierstücke bzw. sein Lehrer schrieb sie auf, denn Frédéric Chopin konnte damals noch gar keine Noten schreiben.

Frédérich Chopin war ein Wunderkind. Mit acht Jahren kam sein erstes großes Konzert: Er schlüpfte in seine elegantesten Kleider – eine schwarze Kniehose und eine rote Samtjacke mit weißem Kragen - und dann trat er vor lauter berühmten Leuten in einem Warschauer Salon auf.

Mehr über den kleinen Klavierprinzen?! Klick' auf den roten Pfeil!

Hier kannst du die Lebensgeschichte von Frédéric Chopin - und ein paar Ausschnitte aus seinen wundervollen Klavierwerken - nachhören. Ein Beitrag von Sylvia Schreiber.

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Erzwungener Abschied

Als der bewaffnete Novemberaufstand von 1830 niedergeschlagen wurde, riet Chopins Vater seinem Sohn, ins Ausland zu gehen: Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Polen zwischen seinen Nachbarn Russland, Preußen und Österreich-Ungarn zerrieben und mehrfach aufgeteilt. Das polnische Volk wurde unterdrückt, und nach dem Scheitern des Aufstandes war es gefährlich, dort unter russischer Fremdherrschaft zu leben.
Seine Freunde und Verwandten waren traurig und sangen ihm ein Abschiedslied: "Obwohl du unser Land verlässt, dein Herz bleibt hier bei uns". Das stimmt, denn Chopin behielt seine Heimat fest im Herzen. Vielleicht war dieses Lied auch der Ursprung für seinen Wunsch, dass sein Herz nach Polen zurückkehren und in Warschau beerdigt werden sollte.

Ein Pole in Paris

George Sand (c) dpa
Für Chopin war es Liebe erst auf den zweiten Blick: Die Schriftstellerin George Sand.
Chopin fand in Paris eine neue Heimat. Und er liebte diese neue Heimat! Voller Bewunderung sagte er über die große französische Metropole, sie sei "die schönste aller Welten". Er liebte die Architektur und die weltstädtische Atmosphäre von Paris und genoss die Freiheiten, die ihm die Stadt bot. Aber auch die Pariser mochten Chopin und er wurde schnell sehr bekannt. Auch dort gab es Salons, in denen er auftrat. Er gab Konzerte, komponierte und er gab einer sehr berühmten Dame in Paris Klavierunterricht – der Baronesse Rothschild – einer echten Gräfin! Die Frauen mochten Chopin und Chopin mochte sie. Zusammen gelebt hat er ehrlich gesagt mit einer ziemlich verrückten Frau: George Sand. Sie trug Männerkleidung, rauchte Zigarre und hatte sich einen Männernamen gegeben: George. Aber für Chopin war sie eine gute Begleiterin, denn sie kümmerte sich um ihn.

Mit ihr und den zwei Kindern von George ist er auch für mehrere Monate nach Mallorca gereist. Und natürlich war auch sein bester Freund dabei – das Klavier. Auf Mallorca wollten sie sich alle zusammen die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und Chopin wollte nebenher Musik schreiben. Doch leider kam es ganz anders...

Klick' den roten Pfeil, um mehr über den missglückten Aufenthalt auf Mallorca zu erfahren!

Zwischen alter und neuer Heimat

Der chinesische Pianist Lang Lang am Klavier (c) dpa
Der chinesische Pianist Lang Lang spielt Chopin - und ist heute ein gefeierter Star - wie seinerzeit Chopin.
In Paris war Frédéric Chopin ein echter Star. Gleichzeitig aber war er aber immer noch krank. Der Husten aus Mallorca blieb und er wurde lungenkrank. Außerdem tat ihm sein Herz weh, denn er hatte solche Sehnsucht nach seiner Heimat Warschau. Gesehen hat er sie nie wieder. Aber in seiner Musik, da hört man sie, seine polnische Heimat. Vor allem in den "Mazurken" und in den "Polonaisen" – das sind polnische Volkstänze.
Seinem besten Freund, dem Klavier, ist Chopin sein ganzes Leben lang treu geblieben. Er hat nur ihm Musik geschenkt, keinem anderen Instrument: Beschwingte Mazurken, verträumte Nachtstücke, die auf Französisch "Nocturnes" heißen, bewegte Polonaisen, perlende Preludes und sogar zwei berühmte Klavierkonzerte hat er verfasst.

Chopin hat nie ein Wort darüber verloren, was genau er mit seiner Musik sagen wollte. Aber jede Note lädt Dich dazu ein, Dir etwas auszudenken und Deine Phantasie spielen zu lassen. Wie ein Dichter hat Chopin mit seiner Musik ganze Geschichten erzählt.

Von feurigen Rhythmen und perlenden Melodien! Klick' den roten Pfeil!

Früher Tod

Gedenktafel für Chopin in Heilig-Kreuz-Kirche in Warschau (c) dpa
In der Heilig-Kreuz-Kirche in Warschau wird das in Cognac eingelegte Herz von Chopin aufbewahrt.
Alt ist Frédéric Chopin aber leider nicht geworden: Mit 39 Jahren ist er schon gestorben - in Paris. Und dort liegt er auch begraben. Aber eben nicht sein ganzer Körper! Sein Herz, das wurde herausgeholt, in Cognac eingelegt und in Warschau begraben. So ist er also auch im Tod in Warschau und in Paris daheim.

Obwohl Frédéric Chopin so erfolgreich war und so gute Ideen hatte, war er nicht besonders glücklich. Er hatte sein Leben lang Heimweh nach Warschau und nach den Menschen, die er dort verlassen hatte. Und er war immer wieder krank. Aber Könige sind eben auch nicht unbedingt glückliche Menschen – das gilt leider auch für Klavierkönige.



Ein moderner Europäer!

Die Frage ist letztendlich nicht, ob Chopin nun Pole oder Franzose war. Chopin war zum einen Pole UND Franzose, er war aber darüber hinaus ein moderner Europäer, dem es gelang, sich in der Fremde eine neue, zweite Heimat zu schaffen und sich in seinem Herzen und in seiner Musik seine erste Heimat stets zu bewahren.


Kristina Dumas, Uta Sailer, Thomas Schäfer, Julia Schölzel

 
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