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Tausend Jahre Musik - Musikgeschichte zum Anhören
Stand: 30.08.2010
Musik haben die Menschen schon immer geliebt. Aber sie hat sich im Lauf der Jahrhunderte verändert, neue Instrumente wurden erfunden und neue Moden. Steig ein in die Zeitmaschine und reise durch 1000 Jahre Musik! Am Anfang jedes Jahrhunderts kannst du dir anhören, was auf der Welt außer Musik noch los war.
10. Jahrhundert
Im 10. Jahrhundert gibt es viele Ottos. Gesprochen wird Mittelhochdeutsch - und natürlich lateinisch, das können aber nur Wenige.
Im frühen Mittelalter erklingt Musik vor allem hinter Klostermauern. Die Mönche singen, einstimmig, ganz ohne Begleitung und ohne festgelegten Rhythmus.
"Gregorianischer Gesang" nennt man das heute, weil ein Papst namens Gregor diese Gesänge gesammelt, aufgeschrieben und sortiert hat.
In katholischen Kirchen wird heute noch so ähnlich gesungen, wenn die ganze Gemeinde dem Pfarrer antwortet.
Ein ganz besonderes Instrument wurde auch im Mittelalter schon gespielt: Die Orgel. Aber sie ist eigentlich noch viel älter!
Willst du dir selbst eine Orgel bauen? Du brauchst dazu nur ein paar Gläser.
11. Jahrhundert
Im 11. Jahrhundert geht ein mächtiger Mann barfuß. Neue Werkzeuge werden erfunden und viele Burgen gebaut.
In den mittelalterlichen Burgen wird gefeiert!
Die Musik dazu liefern viele neue Instrumente, die aus unterschiedlichen Ländern nach Deutschland kommen: Die Drehleier zum Beispiel. Ein Rad, an dem eine Kurbel befestigt ist, streicht die Saiten an.
Oder der Dudelsack: Ein Blasebalg sorgt für durchdringende Töne! Ein Instrument hat einen komischen Namen: Trumscheit. Es heißt auch "Nonnengeige" - rate mal, warum!
Die Noten bekommen Namen. Was heißt hier Noten? Die Musiker im Mittelalter kannten noch gar keine Noten!
12. Jahrhundert
Im 12. Jahrhundert ziehen die Ritter in den Krieg. "Kreuzzüge" nennen sie das und versuchen, das Heilige Land zu erobern.
Eine berühmte Frau des 12. Jahrhunderts haben sie bestimmt nicht besungen, sie hat nämlich selbst Lieder komponiert: Hildegard von Bingen. Sie war aber nicht nur Musikerin, sie hat auch Bücher über Medizin und über den Glauben an Gott geschrieben: Sie war nämlich Nonne.
Auch heute noch finden mittelalterliche Feste statt. Die Menschen verkleiden sich und leben ein paar Tage so wie früher.
13. Jahrhundert
Im 13. Jahrhundert hatten Menschen, die die Kirche kritisierten, nichts zu lachen. Franz von Assisi predigt den Vögeln und findet viele Anhänger.
Europa entdeckt ein neues Instrument: Die Blockflöte. Schon die Höhlenmenschen hatten Flöten aus Knochen geschnitzt, später gab es Flöten, die aus unterschiedlich langen Rohren zusammengebunden waren, so ähnlich wie Panflöten.
Die Blockflöte mit Löchern, die mit den Fingern beider Hände zugehalten werden können, um die Tonhöhe zu verändern, kam aus zwei Richtungen nach Europa: Die Mauren brachten sie aus Afrika mit, die Slawen aus Asien.
Eine Blockflöte zu bauen ist gar nicht so einfach! Mach einen Spaziergang durch eine Blockflötenfabrik.
14. Jahrhundert
Im 14. Jahrhundert wütet eine schlimme Krankheit in Europa: Die Pest. Neue Waffen werden erfunden und die Städte werden mächtig.
In Frankreich entwickeln einige Musiker im 14. Jh. eine neue Art mehrstimmig zu singen. "Ars Nova", neue Kunst nennt man das. Das geht erst jetzt, wo die Notenschrift so weit verbessert ist, dass man auch schwierige Rhythmen genau aufschreiben kann. Außerdem ist diese neue Musik nicht mehr nur für die Kirche gedacht.
15. Jahrhundert
Im 15. Jahrhundert leben mutige Menschen! Jeanne d’Arc kämpft für Frankreich, Kolumbus segelt nach Amerika. Bücher werden nicht mehr mühsam von Hand abgeschrieben, sondern gedruckt.
Jetzt singen alle, nicht nur Mönche und Nonnen. Vor allem Handwerker treffen sich in Meistersingerschulen, so wie der berühmte Nürnberger Schuster Hans Sachs.
Sie entwickeln strenge Regeln, wie komponiert und gesungen werden soll. Sie singen mehrstimmig, und: Sie singen Volkslieder, nicht mehr nur religiöse oder höfische Gesänge.
Singst du gerne Volkslieder? Da sind Lieder, die schon seit vielen hundert Jahren gesungen werden. Aber auch sie verändern sich.
16. Jahrhundert
Im 16. Jahrhundert gründet Martin Luther eine neue Kirche. Die Bauern wehren sich gegen ihre Herren und Wissenschaftler machen aufregende Entdeckungen.
Renaissance ist französisch, auf deutsch heißt das „Wiedergeburt“. Die Künstler dieser Zeit, der Renaissance, interessieren sich sehr für die Antike, die große Zeit der Griechen und Römer und versuchen sie in ihrer Kunst wieder auferstehen zu lassen. Michelangelo und Albrecht Dürer sind zwei der bekanntesten Renaissance- Künstler.
In München musiziert und komponiert Orlando di Lasso. Als Kind wurde er zweimal entführt, weil er so eine schöne Stimme hatte und seine reichen Entführer wollten, dass er für sie sang. Seine Eltern holten ihn aber wieder zurück. Beim dritten Mal blieb er bei seinem Entführer, einem Italiener und arbeitete für ihn.
Vier festgelegte Singstimmen gibt es jetzt in einem Chor: Sopran, Alt, Tenor und Bass. Das ist bis heute so geblieben.
Orlando di Lasso hat viele Madrigale komponiert. Der Münchner Madrigalchor singt sie bis heute.
17. Jahrhundert
Im 17. Jahrhundert herrscht in Deutschland der Krieg. 30 Jahre lang! Viele Menschen sterben und die Dichter schreiben düstere Gedichte. Die Fürsten bauen prächtige Schlösser und Kirchen.
"Barock" heißt diese Zeit. Eine neue Form der Musik entsteht: Die Oper, das gesungene Theaterstück.
Auch in der Kirche gibt es neue Musik: Kantaten und Oratorien.
Die Barock-Komponisten wollen, dass wir die Gefühle in ihrer Musik hören. Dazu verwenden sie ganz bestimmte Formen.
Das Zeitalter des Barock dauert bis ins 18. Jahrhundert.
18. Jahrhundert
"Jeder Mensch ist gleich und frei geboren und hat Rechte!" In Frankreich jagen die Bürger den König davon, Amerika will nicht länger zum englischen Königshaus gehören.
"Wiener Klassik" heißt die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Musikgeschichte. Und dabei ist der berühmteste Komponist gar nicht in Wien, sondern in Salzburg geboren: Wolfgang Amadeus Mozart.
Schon als Kind war er berühmt. Er komponierte und reiste mit seinem Vater und seiner Schwester durch Europa und gab überall Konzerte. Bestimmt kennst du „Eine kleine Nachtmusik“ oder seine bekannteste Oper „Die Zauberflöte“.
19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert wollen auch die Deutschen keine Könige mehr, klappt aber nicht. Dafür bekommen sie Fabriken, Autos und Telefone.
Jetzt gibt es wirklich große Gefühle! Die romantischen Künstler des 19. Jahrhunderts interessieren sich für den Menschen, für seine Stimmungen.
Die Musiker versuchen mit der Musik Bilder zu malen, Landschaften und Geschichten zu erzählen, die Menschen anzurühren. Sie komponieren verträumte Klavierstücke und donnernde Opern.
Für so eine vielfältige Musik braucht es viele verschiedene Instrumente. Das Orchester wächst.
20./ 21. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert zerstören zwei Weltkriege das Leben vieler Millionen Menschen. Europa wird geteilt, eine Mauer geht mitten durch Deutschland. Inzwischen ist sie abgerissen - neue Hoffnung auf Frieden?
Im zwanzigsten Jahrhundert gibt es viele neue Ideen: „Neue Musik“ entsteht. Komponisten verwenden Geräusche, Musiker spielen mit Radiergummis statt Bogen und die Welt wächst musikalisch zusammen. Rhythmen und Instrumente aus fremden Ländern kommen nach Europa, Jazz, Rock und Pop sind neue Musikstile.
Zum ersten Mal kann man Musik aufnehmen - zuerst auf Filmstreifen, dann auf Tonband, dann als Schallplatte und CD. Auch neu: Das Radio überträgt Musik, die Menschen müssen nicht mehr dahin gehen, wo die Musiker gerade spielen, sie können immer und überall Musik hören.
Die Audio-Beiträge auf dieser Seite stammen von Barbara Weiß, Katrin Stadler, Kristina Dumas, Silke Wolfrum, Thomas Schäfer, Uta Blaumoser und Cornelia Ferstl, die Texte von Elke Dillmann.
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