Fliegerbomben - Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg
Stand: 21.09.2012
Gleich mehrere Fliegerbomben wurden im Sommer 2012 im Raum München gefunden: im Juni in Laim, im August in Schwabing und im September in Ismaning. Meist werden solche gefährlichen Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg bei Bauarbeiten entdeckt. Die Ismaninger Bombe hatte ein Hobbyschatzsucher auf einem Acker bei der Kartoffelernte gefunden.
Hier kannst du dir anhören, was die Kinder unserer klaro-Klasse von der Grundschule an der Klenzestraße in München zu diesem Thema zu erzählen haben. Ihre Fragen beantwortet Sprengmeister Martin Tietjen.
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Auch fast siebzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg liegen in Deutschland noch sehr viele Fliegerbomben versteckt - Blindgänger, die aus verschiedenen Gründen nicht explodiert sind. Manche liegen sehr tief in der Erde, manche sind direkt unterhalb der Erdoberfläche. Meist werden sie zufällig gefunden wie bei Bauarbeiten, man kann aber auch nach ihnen suchen lassen: Experten ziehen dann Luftbilder der damaligen Alliierten (also der Gegner Deutschlands im Zweiten Weltkrieg) zu Rate, die diese kurz nach ihren Bombenabwürfen über Deutschland gemacht haben.
Bombennächte - brennende Städte
So sah es in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs in den Großstädten Deutschlands aus: Hier brennt Münchens Innenstadt!
Bombenfund? - Das muss man tun
Auf jeden Fall muss man sofort die Polizei verständigen. Die meldet den Bombenfund dann dem Sprengkommando, das rund um die Uhr im Einsatz ist. Denn niemand kann einer Bombe ansehen, wie sich der Sprengstoff und die anderen Chemikalien im Inneren der Bombe über die fast siebzig Jahre seit dem Krieg verändert haben und ob sie vielleicht noch losgeht. Deswegen muss die Bombe von den Experten des sogenannten "Kampfmittelräumdienstes" möglichst schnell entschärft - oder wenn das nicht geht - kontrolliert gesprengt werden. Um die Fundstelle herum wird dazu das Gelände abgesperrt und alle Anwohner werden aus Sicherheitsgründen evakuiert.
Entschärfen - wie geht das?
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Bombe entschärft - Zünder entfernt!
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Auf jeden Fall muss zuerst der Zünder von der Bombe entfernt werden, denn solange der noch dran ist, ist die Bombe scharf. Es gibt zwei verschiedene Arten von Zündern: Aufschlagszünder, die lassen sich vergleichsweise einfach entfernen, und Säure- oder Langzeitzünder. Die sind besonders heimtückisch: Eine solche Bombe ist damals während des Krieges nicht sofort beim Aufprall explodiert, sondern erst sehr viele Stunden später: Bis zu 144 Stunden konnte das dauern. Und von diesem Typ gab es besonders viele Blindgänger, weil dieser Mechanismus oftmals nicht so richtig funktioniert hat.
Während des Krieges waren diese Bomben dazu gedacht zu explodieren, während Feuerwehr und Rettungskräfte nach denm Angriffen ihre Arbeit taten. Und damit die sie nicht schon vor dem Explodieren unschädlich machen konnten, war ein komplizierter Mechanismus eingebaut, der die Bombe in jedem Fall explodieren ließ, sobald ihr Zünder entfernt wurde. Und genau dieser Mechanismus macht den heutigen Sprengmeistern immer noch Probleme. Denn sie können nicht vorher wissen, ob die Bombe vielleicht gerade beim Herausdrehen des Zünders explodiert. Manche Bomben mit Langzeitzündern lassen sich unschädlich machen, indem sie (an der richtigen Stelle!) aufgeschnitten werden. Ist der Zünder entfernt, kann man die Bombe abtransportieren und den Sprengstoff vernichten.
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Sprengung der Bombe in München-Schwabing.
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Sprengen - vor Ort
Lässt sich der Zünder nicht entfernen, kann die Bombe nicht abtransportiert werden, sondern muss dort gesprengt werden, wo sie gefunden wurde. Kein Problem auf freiem Feld. Mitten in der Stadt allerdings ist das schwierig. Die Bombe wird dann meist mit Sandsäcken bedeckt, damit bei der Explosion keine Splitter umherfliegen können.
Bombenkrater in Schwabing
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Schwabinger Bombenkrater nach der Sprengung.
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Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen: Bei der kontrollierten Sprengung in Schwabing ging mehr kaputt, als man vorher gedacht hätte. Etwa 3 bis 4 Millionen Euro wird es kosten, alle Schäden zu beseitigen. Wer dabei welche Kosten übernehmen wird, muss noch besprochen werden: die Haus- und Wohnungsbesitzer? Die Gebäudeversicherungen? Das Bundesland Bayern? Auch wenn es viel Geld kosten wird, alles wieder instandzusetzen, ist das immer noch besser, als wenn die Bombe irgendwann unkontrolliert hochgegangen wäre und dabei Menschen verletzt oder getötet hätte. In Laim und Ismaning ging es übrigens glimpflicher ab: Beide Bomben konnten entschärft und abtransportiert werden.
Simone Wichert
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