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Mumien - Wie werden sie haltbar?

Stand: 22.05.2009

 
Als ob sie schliefe ...
1920 starb die zweijährige Rosalia Lombardo aus Palermo in Sizilien an der Spanischen Grippe. Ihr Vater wollte ihren Tod nicht einfach so hinnehmen und sie begraben, sondern sie noch oft besuchen und anschauen können. So bat er die Mönche des Kapuzinerklosters in Palermo um einen Platz in deren Gruft. Außerdem gab er dem Chemiker Alfredo Salafia den Auftrag, Rosalias Körper vor dem Verfall zu bewahren. Salafia war damals berühmt für seine Einbalsamierungskünste: Die von ihm behandelten Leichen sahen so aus, als wären sie erst vor kurzem eingenickt.

Auch Rosalia sieht so aus, als sei sie erst vor kurzem schlafen gelegt worden, und vielleicht deshalb gilt sie heute als schönste Kindermumie der Welt. Sie ist zwar schon über achtzig Jahre alt, aber ihr Gesicht hat noch immer rundliche Wangen. Man kann sogar winzigste Härchen in ihrem Gesicht erkennen, einige Locken fallen ihr in die Stirn und sie trägt eine Haarschleife. Rosalia in ihrem Glassarg ist inzwischen zu einer Touristenattraktion der Kapuzinergruft geworden. Nur warum sie so lange so gut erhalten ist, dieses Geheimnis hat Alfredo Salafia mit in sein Grab genommen. Erst 2009 haben Mumienforscher das Rätsel gelöst und die genaue Rezeptur der Einbalsamierungslösung herausgefunden.

Hör dir an, was die Kinder der klaro-Klasse 4 der Volksschule Sandberg in der Rhön über Rosalia Lombardo wissen!


Das Rezept der Einbalsamierungslösung
Ein Drittel Glycerin, ein Drittel Formalin mit Zinksulfat und Chloriden und ein Drittel Alkohol mit Salicylsäure, diese Chemikalien hat Alfredo Salafia zusammengemischt und Rosalia in die Adern geträufelt. Übrigens: Auch heute noch werden diese Stoffe verwendet, um Tote länger haltbar zu machen, als sie von Natur aus bleiben würden.


Natürliche Mumien

Konserviert im Eis ...
Auch ohne guten Einbalsamierer werden aus manchen Leichen Mumien: Sie verfallen nicht, weil es in ihrer Umgebung zu trocken, zu heiß oder zu kalt ist oder es zu viel oder zu wenig Sauerstoff gibt. Eine Leiche verwest nämlich, weil Bakterien sie zersetzen. Manche brauchen dazu Sauerstoff - die Verwesungsbakterien - und manche keinen - die Fäulnisbakterien. Werden die Bakterien abgetötet oder an ihrer Arbeit gehindert oder haben sie nicht die besten Lebensbedingungen, können sie die Leiche nicht verwesen oder faulen lassen, sie haben es dazu nämlich am liebsten schön warm und feucht. Außerdem knabbern auch Würmer an den Leichen und lassen sie so verfallen!

Mumifizierte Leichen werden zum Beispiel in Mooren gefunden, wo bestimmte Säuren die Bakterien abtöten. Auch andere Mineralien in der Erde können die Bakterien behindern. Im heißen Wüstensand ist es für die Bakterien viel zu trocken. In einem Gletscher wiederum ist es für sie zu kalt, eine Leiche wird dort quasi eingefroren. Vielleicht hast du schon von der Gletschermumie "Ötzi" gehört. Die Kapuzinergruft in Palermo, in der Rosalia liegt, ist trocken und gut geheizt. Auch dort haben es die Bakterien schwer.

Künstliche Mumien

Bei der Mumie Rosalia hat Alfredo Salafia die Bakterien mit verschiedenen Chemikalien künstlich an ihrer Arbeit gehindert. Dabei war er nicht der Erste: Die älteste Mumie, die man bis jetzt gefunden hat, ist ein etwa fünfjähriger Junge aus Libyen, er ist schon 5.500 Jahre alt!

Mumie im Sarkophag ...
Aber wenn von "Mumien" die Rede ist, denken die meisten Menschen natürlich an die berühmten ägyptischen Mumien. Dort wurden Leichen aus religiösen Gründen mumifiziert. Die Ägypter glaubten nämlich an ein Leben nach dem Tod im selben Körper und der sollte dafür möglichst heil bleiben. Sie trockneten den Toten mit bestimmten Salzmineralien und entfernten die leicht faulenden Weichteile wie Organe und Gehirn. Die kamen in ein Extra-Gefäß.


Mumie umwickelt mit Binden ...
Der Körper wurde mit aromatischen Harzen und Bienenwachs behandelt. Die Harze wirkten desinfizierend, töteten also die Bakterien ab. Die Leiche wurde noch einmal getrocknet, in Binden gewickelt und in einen Sarkophag gelegt, der annähernd die Form des Körpers hatte. Ägyptische Mumien, die man gefunden und ausgewickelt hat, sind meist ziemlich dunkel – rötlich bis braun – und riechen angeblich recht aromatisch. So behandeln mussten die Ägypter ihre Toten übrigens erst, seitdem sie sie in Gräbern oder Pyramiden bestatteten. Davor waren sie im heißen Wüstensand recht lang haltbar geblieben. Übrigens: Auch Tiere wie Hunde oder Katzen wurden so mumifiziert.

Mumifizieren – noch heute?

Heutzutage mumifiziert kein Volk der Welt mehr seine Toten. Auch das hat religiöse Gründe: In keiner Religion glaubt man mehr, dass ein Mensch seinen Körper für ein Leben nach dem Tod braucht. Trotzdem wurden immer wieder wichtige Persönlichkeiten einbalsamiert, zum Beispiel früher alle verstorbenen Päpste. Auch im 20. Jahrhundert gibt es noch Mumien: Der sowjetische Staatsmann Lenin ist so eine. Man kann ihn sich sogar anschauen: Sein Leichnam ist seinem Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau aufgebahrt und wird alle sechs Monate vom "Allrussischen Institut für Heil- und Aromapflanzen" behandelt. Und in Amerika kann sich sogar jedermann auf Wunsch einbalsamieren lassen. Man muss nur genügend Geld dafür ausgeben, etwa 60.000 Euro. Zum Glück kann und will das nicht jeder: Derzeit gibt es auf der Erde fast sieben Milliarden Menschen. Daraus würden sonst irgendwann sieben Milliarden Mumien werden ...


Simone Wichert



 
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