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Gerhard Zeiler
Mythos Familienfernsehen
Das Fernsehen ist
noch nicht sehr alt, doch die Zeit reichte aus, um schon einige
Mythen zu stiften. Hierzu gehört auch das "Familienfernsehen":
Das Medium versammelt Jung und Alt vor dem neuzeitlichen Lagerfeuer
und man lässt sich Geschichten wie in der Zeit vor der Erfindung
des elektrischen Lichts erzählen. Die Realität sieht anders
aus.
Allein
der Mangel an Programmalternativen und TV-Geräten sorgte bis
in die achtziger Jahre dafür, dass sich alle um das(selbe)
Fernsehen versammelten. Erst mit dem Aufkommen der privaten TV-Sender
erweiterte sich das Programmangebot. Heute stehen rund drei Dutzend
frei empfangbare Programme mit einer Vielzahl von Sendungen rund
um die Uhr zur Verfügung. Und in den meisten Haushalten existieren
längst mehrere TV-Geräte, sodass die verschiedenen Familienmitglieder
parallel ihre jeweiligen Lieblingssendungen sehen können.
RTL ist vor 17 Jahren mit
dem ehrgeizigen Ziel angetreten, ein massenattraktives Programm
anzubieten. Entscheidend für den Erfolg von RTL war und ist
der Erfolg des Programms beim breiten Publikum.
Wir liegen in der Zuschauergunst
ganz vorn. Mehr noch: RTL ist das breiteste TV-Network in Deutschland.
Das heißt, die Zusammensetzung des RTL-Publikums kommt der
deutschen Bevölkerungsstruktur am nächsten. Alle anderen
Sender haben eher ein Übergewicht bei den jüngeren oder
bei den älteren Zuschauern. Von "Jugendwahn", wie er den Privatsendern
gern pauschal vorgeworfen wird, kann also keine Rede sein. Selbstverständlich
haben wir das Ziel, mit unserem Programm die Zielgruppe an uns zu
binden, für die die werbetreibende Wirtschaft zahlt. Das sind
bekanntermaßen die 14- bis 49-jährigen Zuschauer. Denn
anders als die öffentlich-rechtlichen Sender müssen wir
unser Budget nahezu ausschließlich durch Werbung verdienen.
Immerhin konnten wir deshalb im vergangenen Jahr knapp anderthalb
Milliarden Mark in unser Programm stecken. Aber selbstverständlich
sind uns auch alle übrigen Zuschauer wichtig. Bei uns schauen
mehr über 50-Jährige zu als bei jedem anderen Privatsender.
Dieser Erfolg bei Jung und Alt ist der beste Beleg dafür, dass
wir Familienfernsehen machen.
Photo 1: "Ritas Welt": Die Familie Kruse; Bild: RTL
Auch unsere Programmvielfalt
weist in Richtung Familienfernsehen. Mit unserem breiten Genre-
und Themenspektrum wollen wir die verschiedenen Teil-Publika für
uns gewinnen: Zum Beispiel dadurch, dass wir unsere Zuschauer mit
sechs täglichen, für alle verständlichen Nachrichtensendungen
und mit unseren Magazinen über das allgemeine Geschehen informieren.
Dadurch, dass wir sie unterhalten mit Kinoknüllern wie "Titanic",
dem Historienfilm "Sophie, Sissis kleine Schwester" oder Sport à
la Formel 1, mit Comedy und Show. Und auch mit der klar jugendorientierten
Daily Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" oder junger Action wie
in "Alarm für Cobra 11". Mit unserem Kinderprogramm am Samstag-
und Sonntagmorgen sind wir auch bei den Kids die Nummer 1.
Entscheidend ist immer wieder:
Der Mix muss stimmen. Es ist die Mischung aus Unterhaltung und Information,
aus Zuverlässigkeit und Überraschung, aus Mehrheitsangeboten
und gelegentlicher Provokation, die uns zum Erfolg geführt
hat und führt. Und eines sieht der Zuschauer bei RTL im Unterschied
zu vielen anderen Sendern eben nicht: Sexfilme. Es ist unsere freiwillige
Entscheidung, weil wir meinen, dass dies nicht zu uns passt. Wir
sind Mainstream und nicht Trash. Auch dies ein Hinweis auf Familienorientierung.
Welche Herausforderungen
erwarten uns in der Zukunft? Heute reden wir längst über
interaktives, rückkanalfähiges Digital-TV, das wir in
Kürze flächendeckend erwarten. Hinzu kommt das Internet,
das uns individueller noch als das digitale Fernsehen mit Informationen
aus aller Welt versorgt. Wir sind in der Informationsgesellschaft
angekommen. Wir können das Rad nicht mehr zurückdrehen.
Die Informationsflut ist da und damit die Möglichkeit für
jeden Einzelnen, sich das für ihn passende Programm zusammenzustellen.
Und dazu hat in der deutschen Fernsehlandschaft jeder Zuschauer
die Möglichkeit.
Photo 2:"Wer wird Millionär?" mit Günther Jauch;
Bild: RTL
Und doch gibt es sie, die
ganz großen Publikumsmagneten. Die meisten bei RTL: 39 Mal
haben wir im vergangenen Jahr mehr als zehn Millionen Zuschauer
erreicht. Das ist häufiger als alle anderen Sender zusammen.
Fußball und "Wetten,
dass ...?", Formel 1 und unser Ausnahmeformat "Wer wird Millionär?"
haben dieses Potenzial, ganze Familien vor den Bildschirm zu locken.
Auch wir haben nicht erwartet, dass eine Ratesendung auf ein derart
überwältigendes Echo stoßen würde. Regelmäßig
mehr als zehn Millionen Zuschauer, in der Spitze gar über 13
Millionen – das sind Traumreichweiten, die man in der so wettbewerbsintensiven
deutschen TV-Landschaft eigentlich nicht mehr für möglich
gehalten hat. "Wer wird Millionär?" hat sich regelrecht zum
Synonym für den Begriff des Familienfernsehens entwickelt:
Beste Unterhaltung für alle.
DER AUTOR |
Gerhard Zeiler ist Geschäftsführer
der RTL Television GmbH, Köln.
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