Was tun, wenn der nächste Krieg kommt?

Tipps und Hinweise für JournalistInnen und PädagogInnen

Kinder und Kriegsberichterstattung


Kinder und Jugendliche in ihrem Wunsch nach Informationen ernst nehmen

Wie Kinder die Kriegsberichterstattung sehen

Nachrichten bewegen und ängstigen Kinder

Chancen und Notwendigkeit von politischer Bildung

Chancen und Notwendigkeit von Friedenserziehung

Chancen und Notwendigkeit von Medienkompetenz

Guidelines für ProduzentInnen



In einer zunehmend globalisierten Welt sind Krieg und Terror - nicht zuletzt durch die hohe Medienpräsenz - Teil des Alltags im Leben von Kindern und Jugendlichen geworden. Diese Entwicklung stellt PädagogInnen vor neue Herausforderungen.

Die Bundeszentrale für politische Bildung und das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen führten zu diesem Thema im Juni 2004 ein viertägiges Kolloquium mit dem Titel "Children and young people watching war - What to do when the next war is coming?" durch. 20 internationale WissenschaftlerInnen stellten aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Irak-Krieg und dessen Bedeutung für Kinder und Jugendliche weltweit vor und diskutierten über die Konsequenzen. Aus den intensiven Diskussionen wurden Guidelines für Fernsehschaffende erstellt und Ideen für einen angemessenen pädagogischen Umgang mit dem Thema gesammelt. Dieses Dokument fasst Ideen und Hinweise für die pädagogische Arbeit zusammen.

CHILDREN WATCHING WAR

Teilnehmer des Kolloquiums:

Prof. Christian Büttner, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Deutschland
Prof. Joanne Cantor, University of Wisconsin-Madison, USA
Dr. Cynthia Carter, Cardiff University, Wales, Großbritannien
Verena Egbringhoff, logo!, Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF), Deutschland
Dr. Ingrid Geretschlaeger, Medienpädagogischen Beratungsstelle an der NÖ Landesakademie, Österreich
Dr. Maya Götz, Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), Deutschland
Andreas von Hören, Mediaprojekt Wuppertal, Deutschland
Prof. Dafna Lemish, Tel Aviv University, Israel
Dr. Peter Lemish, Independent Researcher, Israel
Prof. Máire Messenger Davies, University of Ulster, Nordirland
Dr. Peter Nikken, Expert Center on Youth and Media, Niederlande
Chris Schüpp, Young People's Media Network, UNICEF, Deutschland
Caroline Seige, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutschland
Prof. Ellen Seiter, University of Southern California, USA
Prof. Crain Soudien, University of Cape Town, Republik Südafrika
Petra Strohmaier, Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), Deutschland
Prof. Samy Tayie, Cairo University, Ägypten
Dr. Juliette Walma van der Molen, Amsterdam University, Niederlande
Ragna Wallmark, Utbildningdradion (UR), Schweden
Willi Weitzel, Willi wills wissen, BR, Deutschland

Kinder und Jugendliche in ihrem Wunsch nach Informationen ernst nehmen

In unserer von Medien durchdrungenen Gesellschaft nehmen nicht nur Jugendliche, sondern auch Kinder aktuelle Ereignisse, Kriege, Terroranschläge usw. sehr wohl wahr. Die Welt rückt dichter zusammen und der Krieg, der eigentlich geografisch weiter entfernt liegt, kommt direkt in den Alltag und die Wohnzimmer von Kindern (in Industrienationen).
Das heißt, in unserer Zeit kann es nicht mehr darum gehen zu versuchen, Kinder und Jugendliche von diesen Ereignissen fernzuhalten, sondern es muss ein angemessener Umgang mit den Themen, den Gefühlen und dem Wissen von Kindern und Jugendlichen gefunden werden.

Ludwig a 9-year-old boy from Germany
Veronica, ein Mädchen aus Deutschland

Experten im Interview

Video: Dr. Juliette Walma van der Molen Video: Prof. Crain Soudie
Kommentar:
Dr. Juliette Walma van der Molen
Kommentar:
Prof. Crain Soudie


Video: Dr. Cynthia Carter Video: Dr. Peter Nikken
Kommentar:
Dr. Cynthia Carter
Kommentar:
Dr. Peter Nikken

Aus einem Online-Forum, BBC Newsround, zum Thema Irak-Krieg:

Es nervt mich total, dass die Erwachsenen jedesmal, wenn irgendeine heikle Angelegenheit in den Nachrichten zur Sprache kommt, sagen: "Das könnte den Kindern schaden!".
Beleidigend!
Vielleicht ist das der Fall bei sehr jungen Kindern, aber wenn sie von Kindern sprechen, meinen sie alle, vom Kleinkind bis zu den 18-Jährigen.
Es sieht fast so aus, als würden sie glauben, Leute in meinem Alter hätten keinen eigenen Verstand ... zu behaupten, dass uns Infos schaden, beleidigt unsere Intelligenz.

Gemma, 14 Jahre, vom 29. Mai 2004 (aus einer noch unveröffentlichten Studie von Dr. Cynthia Carter)



Aus den Medien und aus Gesprächen mit Freunden und Freundinnen haben Kinder meist schon eine Reihe von Informationen. Oft sind es jedoch nur kleine Details, zum Teil deutlich emotional oder politisch gefärbt. Meist sind die Konstruktionen, die sich die Kinder erarbeiten, bildhaft, in Anlehnung an Fernsehen und Pressefotos. Hier brauchen Kinder Informationen, die auf sie zugeschnitten sein sollten, die weder traumatisieren noch trivialisieren. Die Informationen sollten ihnen helfen, die Bruchstücke, die sie schon wissen, einzuordnen, die Geschehnisse zu verorten und Ängste abzubauen.


Ludwig a 9-year-old boy from Germany
Ludwig, ein 9-jähriger Junge aus Deutschland

Während Ludwig, ein 9-jähriger Junge aus Deutschland, sein Bild (rechts) malt, erzählt er uns, was er aus dem Fernsehen gerne erfahren würde:

"Ich möchte gerne wissen: Wer denn Krieg gegen wen führt? Wer hat mehr Chancen zu gewinnen? Wie sehen denn die Soldaten aus? Wie viele gibt's denn überhaupt?," ,gefolgt von einer Menge weiterer Fragen.

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Orientierungspunkte für PädagogInnen und Fernsehproduzierende:

  1. Informieren - Informationen zu den journalistischen Schlüsselfragen.
  2. Kontextualisieren - Informationen zur Geografie, zur Kultur und zu den Leuten, die von dem Konflikt betroffen sind.
  3. Mehrperspektivität - den Konflikt aus verschiedenen Blickwinkeln und von den verschiedenen Konfliktpartein verstehen.
  4. Vervollständigen - Häufig wird ein Konflikt nur in Zeiten (gut medial darstellbarer) Eskalation in den Medien zum Thema. Hier gilt es, die historische Perspektive zu erweitern: die Entstehung der Auseinandersetzung, die Vorkriegszeit und die Bemühungen, einen Krieg zu verhindern; aber auch die Verdeutlichung, was Krieg als gewalttätigstes und letztes Mittel in einem Konflikt für alle am Konflikt Beteiligten bedeutet.
  5. Angemessen in Bezug setzen - den Konflikt in Beziehung zum Alltag von den Kindern in Konfliktregionen zu sehen, die davon betroffen sind, einschließlich ihrer Gefühle und Sorgen. Aber auch den Bezug zu den Kindern hier zu setzen und der Frage nachzugehen, inwieweit das eigene Land bedroht bzw. eben auch nicht wirklich gefährdet ist.
Auf die Frage, was sie als Fernsehchefin gemacht hätte, antwortet die 9-jährige Shirley aus Israel:
"Ich hätte eine spezielle Sendung für Kinder gemacht, weil Erwachsene wissen, was Krieg ist, und Kinder nicht".

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Wie Kinder die Kriegsberichterstattung sehen

Kinder und Jugendliche sehen und deuten die Kriegsberichterstattung auf andere Art und Weise, als dies Erwachsene vielleicht tun.

Nachrichten bewegen und ängstigen Kinder

Eine von Professor Joanne Cantor (Universität Wisconsin) durchgeführte repräsentative Untersuchungen mit amerikanischen Kindern und Jugendlichen zeigte, dass besonders jüngere Kinder sich bei den Nachrichten ängstigen.

Für 7- bis 10-jährige Kinder sind vor allem Bilder von Verletzten oder von Bombenattentaten beängstigend. 13- bis 17-Jährige hingegen machen sich eher Sorgen über größere politische Themen, wie die Bedrohung eines Atomkriegs oder die Rolle des eigenen Landes in einem Konflikt wie dem Irak-Krieg.

Source:  Dr. Juliette Walma van der Molen studied Dutch children.
Quelle:
Dr. Juliette Walma van der Molen
befragte holländische Kinder.


In einer Studie mit niederländischen Kindern konnte Dr. Juliette Walma van der Molen zeigen, dass sich die Zahl der Kinder, die Fernsehnachrichten beängstigend finden, in den letzten sechs Jahren signifikant erhöht hat. Krieg und Terroranschläge sind die größten Angstthemen für mehr als 50% der Kinder.

Es ist aber nicht nur die Emotion Angst, die Kinder bewegt, wenn es um das Thema Krieg geht. Es sind noch sehr viel mehr Gefühle damit verbunden. Wut oder auch Besorgnis, dass der Krieg einen selbst betreffen könnte.


Fernando, a 12-year-old boy from Brasil

Sonja (7 Jahre), malt einen Verletzten

Fernando, ein 12-jähriger Junge aus Brasilien
(vgl. Débora Garcia, 2004)
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Sabine, a 10-year-old girl from Austria


Wie mit der Angst umgehen?

Entscheidend sind hier zunächst die Altersunterschiede. Entwicklungspsychologisch lassen sich grob drei Phasen unterscheiden. Kleine Kinder von ca. 3 bis 7 Jahren, Kinder von 7 bis 12 Jahren und Jugendliche. Die Übergänge sind fließend und es gibt große individuelle Unterschiede. Dennoch lassen sich die potenziell erfolgreichen Tendenzen der Angstbewältigung anhand dieser Altersgruppen gut zusammenfassen.

Jüngere Kinder (3 bis 7 Jahre): emotionale Sicherheit statt langer Erklärungen
Für jüngere Kinder sind Töne (laut, Schreien etc.) sehr beängstigend. Angst auslösend sind speziell auch Bilder von Kindern, die verletzt (besonders, wenn Blut zu sehen ist) oder verwaist sind. Verunsichernd sind Erwachsene im Bild, die angstvoll schreiend oder verzweifelt weinend gezeigt werden - also ganz anders sind als Erwachsene sonst. Übrigens können auch Erwachsene vor dem Fernseher, die aufgeregt geschockt sind, für Kinder ausgesprochen verunsichernd sein. Bilder wie die vom Irak-Krieg lösen bei jüngeren Kindern Trennungsängste aus, sie rufen Gefühle des Alleinseins hervor: "Was passiert mit mir, wenn Papa und Mama tot sind?"

Der gut gemeinte Spruch: "Ach das ist doch nur Fernsehen" oder: "Dafür bist du noch zu klein" oder: "Du brauchst keine Angst zu haben!" nützt dieser Altersgruppe wenig. Denn diese kognitiven Strategien der Angstbewältigung tragen erst bei älteren Kindern. Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger sind nonverbale, aktivitätsorientierte Strategien: von Augen zuhalten bis den Raum verlassen, Kuscheln, im Bett der Eltern schlafen, "Double Checking" (lieber zweimal unter dem zum Beispiel bedrohlichen Bett nachsehen), sich durch freudvolle Aktivitäten ablenken (Cantor 19991 ).

1 Joannne Cantor: Mommy, I'm scared.

Dr. Jan Uwe Rogge, deutscher Familientherapeut und Medienpädagoge, rät von langatmigen Erklärungen ab. Besser ist es nach seiner Erfahrung zu warten, bis die Kinder von sich aus kommen und Fragen stellen. Dann gilt es, offen und ehrlich zu antworten und ihnen die Gewissheit zu geben, ernst genommen zu werden. Mehr ...(PDF)

Jüngere Kinder (8 bis 12 Jahre): Informationen, ernsthafte Gespräch und Raum für Aktion
Schulkinder erinnern sich sehr genau an erschreckende Bilder. Auch sie sehen ausgesprochen ungern Bilder von verletzten (blutenden) Kindern. Oftmals empfinden sie starke Empathie mit den Kindern im Krieg. Je stärker ihre Empathie, desto stärker auch ihre emotionalen Reaktionen auf die Berichterstattung (van der Molen noch unveröffentlicht). Schulkinder stellen häufiger Bezüge zur eigenen Wirklichkeit her: "Was ist, wenn so etwas in meiner Stadt passiert?" Oder: "Ich habe Angst, dass der Krieg auch zu uns kommt." Berichte, die ältere Kinder in den Medien lesen oder sehen, hinterlassen bei ihnen Gefühle der Ohnmacht, der Hilflosigkeit, des Ausgeliefertseins.
Kognitive Strategien, ein Mehr an Information und lange ernsthafte Gespräche helfen, mit der Angst umzugehen. Zum Umgang mit Wut und Ohnmachtsgefühlen hilft es, aktiv zu werden. Online-Foren, die zum Beispiel Kindersender anboten, wurden viel genutzt. Wichtig ist es, diese Themen nicht aus dem Schulalltag auszusperren - sie sind ohnehin da.

Jugendliche (13 bis 18 Jahre): Selbst aktiv werden und belehr mich nicht!
Jugendliche nehmen, wenn sie sich denn für das Thema interessieren, Krieg und Terror sehr ernst. Hier sind es weniger die von den Medien ausgelösten Ängste als allgemeine Befürchtungen und Gedanken zur Lage der Welt. Ein interessantes und mittlerweile mehrfach prämiertes medienpädagogisches Projekt hierzu führte das Medienprojekt Wuppertal durch. Mehr ...

Chancen und Notwendigkeit von politischer Bildung

Sabine, a 10-year-old girl from Austria
Sabine, ein 10-jähriges Mädchen aus Österreich

Themen wie Krieg oder Terroranschläge sind Ereignisse, von denen Kinder heute nicht ferngehalten werden können. Vielmehr ist es eine Chance für politische Bildung.
Im Fall der durch die Medien vermittelten Kriege könnte politische Bildung bedeuten:

In den USA versuchten Lehrer und Eltern, ihre Kinder zu beschützen, und verwehrten ihnen aus diesem Grund den Zugang zu Medienberichten und vermieden es, mit ihnen über den Krieg zu sprechen. Dementsprechend schien das Wissen der amerikanischen Kinder über den Krieg nur bruchstückhaft zu sein. Ihre Vorstellungen der militärischen Einsätze erinnerten fast an die Geschichten, die man aus Comics kennt. Und viele ihrer Fragen blieben unbeantwortet.
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Statt zu versuchen, die Kinder vor den Nachrichten über den Krieg zu schützen, müssen wir versuchen, ihnen die Nachrichten so näher zu bringen, dass sie sie verstehen, ihre Gefühle dazu äußern und sich Gedanken darüber machen, was sie tun können. Politische Bildung geht in diesem Fall einher mit Friedenspädagogik und vor allem auch Medienkompetenz.

Chancen und Notwendigkeit von Friedenserziehung


Monique (8 Jahre):
Frieden zwischen Bush und Saddam
vor der UN


Video: Dr. Peter Lemish
Kommentar:
Dr. Peter Lemish

Frieden muss nicht zwangsläufig ein illusionärer und fiktiver Traum sein. Häufig ist er eine Errungenschaft, die nur dadurch erreicht werden konnte, dass Menschen und Gesellschaften miteinander verhandelten und Kompromisse schlossen, die den grundlegenden Bedürfnissen aller Parteien in dem Konflikt gerecht wurden.

Krieg ist ein Beispiel für das Versagen in einem solchen Prozess. Die besten Absichten, einen Konflikt zu lösen, schlagen fehl, wenn die Lösung nur an der Oberfläche kratzt - nicht zum eigentlichen Kern des Problems vordringt. Ist das der Fall, dann kann sich ein "Circle of Conflict" entwickeln. Die Gesellschaften werden sich aus dem Zirkel von Auseinandersetzung, kurzen Ruhepausen und Konflikten nicht herausbewegen, wenn sie sich nicht ernsthaft mit den eigentlichen Kernthemen auseinander setzen.

Cycle of Conflict
Dr. Peter Lemish


Der "Circle of Conflict" ist als Modell auch auf die "kleinen", alltäglichen Streitfälle im Leben der Kinder durchaus übertragbar. Dies kann dabei helfen, Kriegs- und/oder Friedensentwicklungen besser zu verstehen. Typische Ansatzpunkte für Konfliktlösungsprozesse sind:
Kinder und Jugendliche stellen dann auch unbequeme, aber berechtigte Fragen:

"Warum herrscht Krieg im Irak? Warum muss es Krieg geben? Warum halten sich die Erwachsenen nicht an die Regeln, die sie aufgestellt haben? Uns sagen sie, wir dürften nicht streiten."
15-jähriges Mädchen aus Deutschland

Die Auseinandersetzung mit Kriegs- und Konfliktlösungsprozessen kann so auch zur Gelegenheit werden, Wissen über Konflikte und ihre Lösung zu vermitteln - nicht nur zwischen verschiedenen Ländern, auch bei uns im alltäglichen Leben, im Klassenzimmer oder unter Freunden.

Chancen und Notwendigkeit von Medienkompetenz

Informationen über Konflikte und Kriege sind für die meisten Kinder ausschließlich medienvermittelt. Für alle Menschen - aber besonders für Kinder - ist daher Medienkompetenz ein zentrales pädagogisches Ziel. In Bezug auf den Krieg bedeutet dies:

A. Medienkunde:
Insbesondere bei Kindern sind Kriegsbilder sehr häufig mit Ängsten und Verunsicherungen verbunden. Medienkompetenz heißt hier auch, emotionale Belastung zu verarbeiten. Ein Wissen um die überfordernde Mediendarstellungen und andere Quellen, die einen kindgerechten Zugang zum Thema ermöglichen, ist hier besonders wichtig.
Was Pädagoginnen und Pädagogen tun können: über Quellen informieren, gemeinsam Quellen suchen.

B. Medienkritik: Kritisches Verständnis dafür, wie Medien berichten
Was Pädagoginnen und Pädagogen tun können: über Tendenzen entlarven, gemeinsam Quellen untersuchen.
Ziel muss es sein, den Kindern und Jugendlichen den Gewinn von Kompetenzen zu ermöglichen, die Berichterstattung der Medien kritisch zu betrachten und ein Wissen darum zu fördern, welche Medien helfen, die Situation zu verstehen und die eigenen Fragen zu beantworten.


C. Medien nutzen, um selbst aktiv zu werden
Was Pädagoginnen und Pädagogen tun können: Medien selbst nutzen, um die eigene Perspektive zu artikulieren, sich kritisch mit dem Thema und seiner medialen Berichterstattung auseinandersetzen etc.

Guidelines für ProduzentInnen1

Im Rahmen des Workshops wurden Guidelines für Fernsehanbieter entworfen, was bei der Berichterstattung über "schlechte Nachrichten" im Kinderprogramm unbedingt zu beachten ist.

1. Die Story: Vereinfacht und klar, ohne in eine Richtung zu drängen
Die Auswahl sollte sich an der Relevanz für die Zielgruppe orientieren. Nicht jeder Konflikt oder jede Katastrophe auf der Welt kann im Kinderprogramm thematisiert werden. Wenn sie aber zum Thema der Kinder in Ihrem Land werden, dann sollten Sie dazu unbedingt berichten.
Eindeutige Erklärungen und klare Bilder helfen, komplexe Sachverhalte für Kinder verständlicher zu machen.
Eindeutige Aussagen wie: "Saddams Raketen können Brasilien nicht erreichen" sind hilfreicher als abstrakte Konzepte z. B. von Entfernung, die gerade für die jüngeren Kinder noch keine Bedeutung haben.

2. Vorsicht vor zu hoher Emotionalisierung
Vermeiden Sie Bilder, die zusätzlich erschrecken und verängstigen können und in denen Verzweiflung und Leid in Nahaufnahmen gezeigt werden.
Verwenden sie keine dramatisierenden Texte oder Musiken! Setzen Sie keine Bilder von leidenden oder verletzten Kindern zur Emotionalisierung ein.
Eröffnen Sie Kindern Möglichkeiten, mit ihren Ängsten umzugehen, und bieten Sie entsprechende Hilfestellungen an.

Video: Prof. Máire Messenger Davies
Kommentar:
Prof. Máire
Messenger Davies
3. Objektivität und die Vermeidung von Stereotypisierungen
Vorsicht bei eigenen Stellungnahmen oder politischen Positionierungen! Denken Sie daran, den Konflikt von mehreren Seiten und möglichst neutral darzustellen. Denken sie daran, dass wir in einer multikulturellen Gesellschaft leben und die ZuschauerInnen auf verschiedenen Seiten des Konflikts stehen können.

Vorsicht bei Verallgemeinerungen aufgrund von Religions- oder ethnischer Zugehörigkeit! In Großbritannien zum Beispiel war es explizites Ziel in der Berichterstattung über den Irak-Krieg, die Gemeinschaft der Muslime nicht zu stereotypisieren. Sätze wie: "Die britischen Moslems sagen ..." wurden von BBC Newsround gezielt vermieden.

4. Auch von den Versuchen berichten, eine Lösung des Konflikts zu finden
Kriegsberichterstattung ist wichtig, doch lassen Sie die Kinder auch an Entwicklungen hin zum Frieden teilhaben. Welche Bemühungen werden unternommen, wo liegen die Schwierigkeiten? Kinder gewinnen gerade aus diesen Berichten Ideen, auch für den Umgang mit Konflikten im eigenen Alltag. Vor allem aber schöpfen sie Hoffnung auf ein Ende der kriegerischen Auseinandersetzung, eine Hoffnung, die wir nie verlieren sollten.

5. ZuschauerInnen die Chance geben, ihre Sichtweise zu artikulieren
In Sendungen und auf E-Mail-Foren bieten sich vielfältigste Möglichkeiten, junge Zuschauerinnen und Zuschauer zu Wort kommen zu lassen. Hinweise in der Sendung, hier doch Fragen und Kommentare einzusenden, erhöhen nicht nur die Senderbindung, sie geben den Kindern die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen und selbst aktiv zu werden. Die Einbeziehung der E-Mails in die Sendung, die zum Beispiel mit Unterstützung eines Experten beantwortet werden, ist hier besonders wünschenswert.