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Teletubbies im Alltag
von Kindern (IZI 1999)
In der Studie wurde den Fragen nachgegangen,
wie Eltern das Programmformat einschätzen, was Kinder an den
"Teletubbies" begeistert und wie sich die Sendung in den
Alltag integriert.
Auf Grund der Auswertung von Morgenkreisgesprächen,
Spiel- und Malaktionen, Falluntersuchungen und der Analyse von Zuschauerpost,
wurde deutlich, dass es vor allem die Figuren der Teletubbies sind,
die Kinder begeistern und ihre Aufmerksamkeit fesseln. Was die Figuren
interessant macht, sind nicht nur ihre eindeutigen Farben und Wiederkennungsmerkmale,
sondern vor allem ihre mollige Leiblichkeit und ihre Bewegungen.
Für den Erfolg ist aber vor allem die
konkrete Rezeptionssituation wichtig. Daher lag hier der empirische
Schwerpunkt. Eltern zeichneten mit einer neben den Fernseher gelegten
Videokamera pro Kind 2-3 "ganz normale" "Teletubbies"-Rezeptionen
auf. So lagen 114 Aufnahmen einer weitestgehend natürlichen
Rezeptionssituation von 40 Kindern vor. In die Aufnahmen ist die
jeweils gesehene "Teletubbies"-Folge als kleines
Bild ‘eingestanzt’, so dass es möglich ist, sowohl das Kind
als auch die von ihm gesehene Sendung zu verfolgen.
Es zeigten sich typische Momente der Rezeptionssituation:
- Erklären / Bemerken / Kommentieren.
- Mitsprechen / Mitsingen.
- Verfolgen.
- Antworten.
- Vorhersagen / Vorwegnehmen.
- Mittanzen / Bewegen
- Nachfragen
- Spiele während der Rezeption
Diese Aktivitäten sind in der Sendung,
ihrer Dramaturgie und Gestaltung angelegt. Sie gehen nicht nur auf
die Wahrnehmungsvorlieben von Kindern ein, sondern sprechen sie
immer wieder neu und anders an und bieten ihnen so Räume zum
Mitmachen an.
Um einen Einblick in die Argumente und Positionen
von Eltern zu bekommen, wurde eine Umfrage an Eltern in insgesamt
11 Internet-Foren im Themenbereich Familie, Eltern und Kleinkinder
gestellt und es wurden Chat-Foren analysiert. Auf diese Umfrage
gingen 248 Antworten ein, in denen sich etwa die Hälfte der
Eltern der Sendung gegenüber positiv äußerte, während
die anderen die Sendung sehr kritisch einschätzten.
Das meist genannte Argument für
die "Teletubbies" ist die Beobachtung der Kinder während
der Rezeption. Das meist eingebrachte Argument gegen die
"Teletubbies" ist, dass Kinder in diesem Alter nicht vor
den Fernseher gehören. Zweithäufigstes Argument gegen
die Sendung ist die verwendete Sprache, die von Eltern als ungeeignet
eingeschätzt wird und von der sie Sprachstörungen erwarten.
In den empirischen Untersuchungen mit Kindern konnte gezeigt werden,
dass Kinder die Sprache der Teletubbies nicht mit ihrer eigenen
verwechseln, sondern sie wie zusätzliche Vokabeln aufnehmen.
Insgesamt sind die "Teletubbies"
eine Sendung, die Kindern viel Freude bereitet, weil sie sie ästhetisch
anspricht und sie mitmachen und mitdenken können. Für
Eltern ist es ein ausgesprochen ungewohntes Format, welches sie
nicht einschätzen können und insofern sind sie der Sendung
gegenüber oftmals kritisch eingestellt.
Die Teletubbies sind für Kinder, die
ohnehin schon sehr früh fernsehen eine gelungene Alternative
zu anderen Sendungen, bei denen die Gefahr besteht, dass sie überfordert
werden. Die Serie brachte aber auch Kinder zum Fernsehen, die vorher
noch nicht vor dem Bildschirm saßen. Insofern wurde hier eine
ganze neue – sehr junge – Zuschauergruppe akquirierte. Dies fördert
natürlich die Medium- und Senderbindung und bringt für
Eltern eine nicht zu unterschätzende Verantwortung: sie müssen
nun noch früher mit den Fernseh- und Konsumwünschen der
Kinder und der großelterlichen Geschenkbereitschaft umgehen.
Bisherige Veröffentlichungen
Götz,
Maya: Begeisterung bei
den Kinder – Besorgnis bei den Eltern.
In: TELEVIZION
12/1999/2, Seite 54-64
Götz,
Maya: Phänomen Teletubbies: Zwischen Begeisterung (bei den
Kindern) und Besorgnis (bei den Eltern). In: medienpraktisch
2/2000, S.59-64
Götz,
Maya: Die Teletubbies treffen den Nerv der Kinder. Wie erleben
die Kinder die Teletubbies, wie reagieren die Eltern? In: Neuß,
Norbert / Koch, Claus (Hg.) Alarm im Teletubbyland – schadet die
Serie unseren Kinder? Weinheim: Beltz im Druck
Götz
Maya: Wer hat Angst vor den Teletubbies? In: Erzieherinnen
Lehrbuch Medien. Im Druck
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