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Kinder- und Jugendfernsehen:
Der öffentliche Diskurs in der Presse
Eine quantitative Inhaltsanalyse
der Presseberichterstattung 1997 bis 2001
Durchgeführt von Sylvia Nagl
Unter Mitarbeit von Beate Kleiber und Ole Hofmann
31.07.2002
Die Presseberichterstattung über
Kinder- und Jugendfernsehen von 1997 bis 2001
Von 1997 bis 2001 wurden in den untersuchten
Medien 1.115 Artikel über das Kinder- und Jugend-fernsehen allgemein
veröffentlicht. Diese stammen zumeist aus überregionalen
Tageszeitungen sowie aus Fachpublikationen aus den Bereichen Medien,
Pädagogik und Marketing. 84 % der analysierten Beiträge
beziehen sich dabei explizit auf Kinderfernsehen, etwa ein Zehntel
handelt von Fernsehen speziell für 14- bis 19-Jährige. Zumeist
wird also deutlich mehr zu Kinderfernsehen als zu Jugendfern-sehen
geschrieben. Einzig das Jahr 1999 sticht hervor mit einem Anteil von
mehr als einem Fünftel der Artikel, die das Jugendfernsehen zum
Inhalt haben. In diesem Jahr ging das viel beachtete neue Jugendformat
Eins-live TV auf Sendung bzw. wurde sechs Monate später eingestellt.
Auffällig ist, dass von Jahr zu Jahr weniger Artikel über
Kinder- und Jugendfernsehen publiziert wer-den. Schreiben die JournalistInnen
im ersten Jahr der Untersuchung insgesamt 262 Beiträge, sind
es vier Jahre später noch 132, was ein Minus von 130 Artikeln
ausmacht. Allerdings werden die publi-zierten Artikel länger
und finden weniger in der einfachen, berichtenden Stilform statt:
Der Anteil der sachlich-neutralen Nachrichten, Meldungen und Berichte
nimmt von 1997 bis 2001 konstant um ins-gesamt 15 % ab. Stattdessen
betonen JournalistInnen im Untersuchungszeitraum häufiger Service-Aspekte
für die LeserInnen, wie Programmtipps und Ratgeber.
Berichtsanlässe: Neustarts und
wissenschaftliche Studien
Zu welchen Anlässen schreiben die
JournalistInnen über Kinder- und Jugendfernsehen? Am meisten
berichten sie im gesamten Untersuchungszeitraum anlässlich Neustarts
oder Wiederaufnahmen von Sendungen und Sendern. Ein tieferer Blick
aufgeschlüsselt nach Jahren zeigt, dass der Anteil der Artikel
mit dieser Ursache als Hintergrund stark variiert und von den tatsächlichen
Ereignissen ab-hängt. So ist im Jahr 1997 in fast der Hälfte
der Artikel der Neustart des Kinderkanals vorrangiger Aufhänger
der Berichterstattung. Drei Jahre später steigt mit Start des
Senders FoxKids auf Premiere World und des Formats Pokémon
nochmals die Anzahl der veröffentlichten Beiträge zu diesem
An-lass.
Wissenschaftliche Studien und Gutachten sind dagegen im Untersuchungszeitraum
für JournalistIn-nen immer mehr Aufhänger, um über
Kinder- und Jugendfernsehen zu berichten. Konnten sie 1997 in knapp
5 % der Artikel als Berichtsanlass festgestellt werden, sind es 2001
bei konstanter Steigerung in den Jahren dazwischen 26 %. Wissenschaftliche
Themen ziehen verstärkt die Aufmerksamkeit der JournalistInnen
auf sich und stoßen den öffentlichen Diskurs an, was als
Indiz für eine Verwissen-schaftlichung der Diskussion interpretiert
werden kann.
Der Anteil der Artikel, die keinen erkennbaren Anlass haben, nimmt
bis 2001 stetig zu. Wird 1997 über Kinder- und Jugendfernsehen
in fast 95 % der Fälle aufgrund eines expliziten Anlasses geschrieben,
sind es fünf Jahre später um ein Zehntel weniger. Dies legt
den Schluss nahe, dass die JournalistIn-nen weniger nach konkreten
Ereignissen berichten, sondern dass Kinder- und Jugendfernsehen ver-stärkt
ein wiederkehrendes Thema von öffentlichem Interesse ist.
Thema: Angebot und quantitative
Nutzung im Zentrum der Aufmerksamkeit
Welche Themen sprechen die JournalistInnen
an? In einer ersten Sichtung von ca. 100 Artikeln wurde ein Themenbaum
erarbeitet, der sich in die Hauptbereiche "Programm" und
"Nutzung" gliedert. Der erste Bereich verästelt sich
in Themen rund um das faktische Programmangebot, welches das Markt-geschehen,
die Sender, das Sendungsangebot (ohne Inhalte) sowie Werbung und Merchandising
umfasst, und in konkrete Programminhalte. Der Bereich "Nutzung"
beinhaltet rein quantitative Nut-zungszahlen sowie Wirkungs- und Aneignungsaspekte.
Pro Beitrag konnten bis zu fünf Themen co-diert werden.
Thematisch schenken die JournalistInnen dem rein faktischen Programmangebot
mehr Aufmerksam-keit als der inhaltlichen Ausgestaltung des Programms.
In drei Viertel der Artikel werden wirtschaftli-che Themen rund um
das Programmangebot - also Marktgeschehen, Sender, Sendungsangebot
und Merchandising/Werbung - angesprochen. Programminhalte werden in
40 % der Artikel thematisiert, wobei sich die Berichterstatter in
mehr Artikeln positiv über Fernsehinhalte aussprechen, als dass
sie diese kritisieren. Konkrete Anforderungen an die Inhalte definieren
sie in 11 % der Beiträge.
Neben dem Bereich Programm interessiert die JournalistInnen die Fernsehnutzung.
Rein quantitative Zahlen stehen dabei im Mittelpunkt, die Einordnung
des Fernsehkonsums in einen größeren Zusam-menhang sowie
die Darstellung der Folgen und Motive sind ein marginales Thema. Über
griffige Zah-len schreiben die JournalistInnen häufiger, als
dass sie sich auf einer tieferen Ebene mit der Fernseh-nutzung auseinander
setzen. Wenn sie die Folgen diskutieren, dann sprechen sie häufiger
von Aneig-nung der Fernsehinhalte durch die Kinder, also einem aktiven
Rezipienten, als von Wirkung des Fern-sehens auf die ZuschauerInnen.
Aneignung wird dabei eher in einem positiven Zusammenhang the-matisiert;
Fernsehwirkung dagegen wird fast ausschließlich mit negativen
Folgen für die Kinder und Jugendlichen verbunden.
Fazit: Wenn die JournalistInnen über Inhalte und Folgen des Fernsehkonsums
schreiben, dann spre-chen sie diesen durchaus auch positive Aspekte
zu, eine generelle "Verteufelung" des Mediums im Kinderbereich
lässt sich nicht feststellen. Bedenklich ist allerdings, dass
nur in wenigen Beiträgen eine Auseinandersetzung fernab der Darstellung
des Programmangebots, der Nutzungszahlen oder der Beschreibung von
Inhalten stattfindet. Zumeist konzentriert sich die Berichterstattung
über Kinder- und Jugendfernsehen der Jahre 1997 bis 2001 auf
wirtschaftliche Aspekte.
Politische und wirtschaftliche
Bewertungsdimensionen überwiegen
Welche Bewertungsdimensionen führen
die JournalistInnen in ihrer Argumentation an? Bei der Be-antwortung
dieser Forschungsfrage steht weniger das faktische Thema als vielmehr
die übergreifende Perspektive der angeführten Argumente
im Mittelpunkt. Um diese zu ermitteln, wurden vorab diverse Artikel
zur Diskussion um Kinder- und Jugendfernsehen gesichtet und die verschiedenen
Argumenta-tionsweisen in Gruppen zusammengefasst.
Es ergaben sich neun Dimensionen:
Die (werbe-/medien-)wirtschaftliche Perspektive umfasst Argumente,
die im Zusammenhang mit Marktanteilen, Quoten und Merchandising stehen.
Unter dem (programm-/medien-)politischen Blick-winkel sind die Bedeutung
für die Fernsehlandschaft, senderinterne und personelle Entscheidungen
und die politische Diskussion subsumiert. Auf die künstlerische
Machart bezieht sich die gestalterische Bewertungsdimension. Rechtliche
Aspekte und juristische Komponenten um Grundgesetz, Jugend-schutz,
Werbepausen, EU-Wettbewerbsrecht etc. gehören zum medienethisch-rechtlichen
Bewer-tungsmaßstab. Die Erziehung zur reflektierten Mediennutzung
spricht die medienerzieherische Per-spektive an. Inhalte und Funktionen
der Medien, ihre Nutzungsformen sowie die Kompetenz des Nut-zers (Schlagwort:
Medienkompetenz) stehen im Mittelpunkt von medienpädagogischen
Argumenten. Unter der medizinisch/gesundheitlichen Perspektive sind
physische Schäden und gesundheitliche Auswirkungen zusammengefasst.
Der personell-psychologische Blickwinkel ist auf Einzelpersonen ausgerichtet
und fasst alle psychischen sowie seelische Schäden oder Vorteile,
individuelle Beweg-gründe und Motivationen des einzelnen Zuschauers
zusammen. Die gesamtgesellschaftliche Per-spektive bezieht sich dagegen
auf die gesamte Gesellschaft und richtet allgemein den Blick auf kultu-relle
und soziologische Aspekte.
Im quantitativen Überblick ist auffällig, dass die Anzahl
der eingenommenen Perspektiven pro Beitrag zunimmt: Wird 1997 noch
im Schnitt von zwei Blickwinkeln aus das Thema Kinder- und Jugendfern-sehen
betrachtet, sind es 2001 rund drei unterschiedliche Perspektiven.
Die Berichterstattung über Kinder- und Jugendfernsehen wird somit
im Zeitraum von 1997 bis 2001 zwar seltener, gleichzeitig werden die
Artikel aber länger und differenzierter.
(Medien-)politische und (medien-)wirtschaftliche Perspektiven sind
mit Abstand die am häufigsten herangezogenen Bewertungsdimensionen,
von denen aus die JournalistInnen ihre Argumentation führen.
Marktanteile, Quoten und Merchandising sowie Programmkonzepte oder
Diskussionen um Mediengesetze sind demnach die häufigsten Dimensionen,
unter denen Kinder- und Jugendfernsehen beleuchtet wird. Dabei wird
in Artikeln über Jugendfernsehen die (medien-)wirtschaftliche
Sichtweise stärker herangezogen, als es im Bereich Kinderfernsehen
der Fall ist. Möglicherweise spielen hierbei die werbe- und marketingrelevante
Kaufkraft der Jugendlichen und der Kampf um Marktanteile in die-sem
Segment eine entscheidende Rolle.
In der Entwicklung fällt außerdem im Untersuchungszeitraum
auf, dass dem personell-psychologischen Blickwinkel, der den Fokus
auf die Ebene der Einzelperson legt, immer mehr Be-deutung beigemessen
wird. Während die gesamtgesellschaftliche Perspektive allgemein
eher ver-nachlässigt wird und Schwankungen unterliegt, richten
die JournalistInnen ihre Argumentation, z. B. was psychische Schäden
oder Vorteile anbelangt, auf das Individuum aus. Ihr Anteil steigt
von 10 % der Artikel, in denen sie im Jahr 1997 angeführt wird,
auf 43 % vier Jahre später. Eine verstärke Aus-richtung
an den LeserInnen ist zu erkennen.
In Bezug auf die medienpädagogische und erzieherische Perspektive
kann festgestellt werden, dass diese beiden Sichtweisen unabhängig
von der jeweiligen Altersgruppe verwendet werden. Medienpä-dagogische
Argumente werden in knapp doppelt so vielen Artikeln als die erzieherische
Bewertungs-dimensionen angeführt und sind in rund einem Drittel
der Beiträge zu finden. Dass JournalistInnen pädagogische
Argumente in den Diskurs um Kinder- und Jugendfernsehen einbringen,
ist nicht ver-wunderlich, denn Fernsehen wird v. a. in Elternkreisen
unter pädagogischen Aspekten diskutiert. Er-staunlich ist hingegen,
dass wirtschaftliche und politische Dimensionen bei weitem häufiger
die Argu-mentation bestimmen.
Bemerkenswert ist außerdem, dass die gesundheitliche/medizinische
Perspektive im gesamten Un-tersuchungszeitraum nur sehr wenig Beachtung
findet. Dabei führen die Berichterstatter diese Be-wertungsdimension
in erster Linie in Artikeln an, die das Kinderfernsehen betreffen.
Im Bereich Ju-gendfernsehen kommen Argumente in Bezug auf Gesundheit
oder mögliche physische Schäden nur in einem minimalen Anteil
der Artikel vor.
Akteure: Medienbranche - v.
a. öffentlich-rechtliche Sender - steht im Mittelpunkt
In der Berichterstattung über das
Kinder- und Jugendfernsehen steht die Medienbranche im Hand-lungsmittelpunkt.
Innerhalb dieser Gruppe nehmen die Berichterstatter in erster Linie
auf Personen-kreise aus den öffentlich-rechtlichen Sendern Bezug.
Vergleicht man die einzelnen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten
mit den kommerziellen, fällt auf, dass öffentlich-rechtliche
VertreterInnen - allen voran des Kinderkanals - häufiger zitiert
werden. Die Zuschreibungen der Akteursrollen betref-fend, werden die
Öffentlich-Rechtlichen stärker als Verursacher und Verantwortliche
dargestellt, ver-körpern jedoch gleichzeitig seltener als die
Privaten die Rolle des Betroffenen bzw. Leidtragenden. Außerdem
adressieren JournalistInnen Forderungen etwas öfter an die öffentlich-rechtlichen
Sender. Den öffentlich-rechtlichen Sendern schreiben die JournalistInnen
somit im Untersuchungszeitraum eine aktivere, verantwortungsvollere
Rolle zu als den privaten Sendern und rücken sie stärker
in den Handlungsmittelpunkt.
Auch auf die Handlungen und Äußerungen von Kindern - und
damit der Gruppe der unmittelbar Be-teiligten - legen die JournalistInnen
besonders großen Wert. Vor allem die Jugendlichen bzw. die Kinder
selbst stehen als Konsumenten und Verbraucher im Zentrum. Allerdings
kommen sie nur sel-ten als Kritiker oder Forderer zu Wort. An Eltern
werden dagegen oft Forderungen gestellt.
Eine eindeutige Tendenz oder eine Stereotypisierung in der Rollenzuschreibung
für die einzelnen Akteursgruppen lässt sich aus dem vorhandenen
Datenmaterial jedoch nicht ausmachen. Die Rollen-verteilung wechselt
abhängig von den jeweiligen Ereignissen von Jahr zu Jahr. Im
Jahr der Pokémon-Diskussion werden beispielsweise die Kinder
verstärkt als Konsumenten dargestellt, den Eltern wird auffällig
häufig die Rolle der Verantwortlichen zugeschrieben.
In der Gruppe der WissenschaftlerInnen und ExpertInnen setzen die
JournalistInnen immer häufiger auf das Fachwissen und die Meinungen
von einzelnen MedienwissenschaftlerInnen. Medienwissen-schaftliche
Institute und Einrichtungen rücken im Vergleich dazu fast ausschließlich
im Zusammen-hang mit Tagungen und Konferenzen in den Mittelpunkt der
Berichterstattung sowie nach der Veröf-fentlichung einer Studie.
Öffentlich-rechtliche Informations-
und Dokumentationssendungen als Synonym für gutes Kinderprogramm
Nicht nur die öffentlich-rechtlichen
Sender als Akteure, sondern auch öffentlich-rechtliche Sendungs-titel
finden in der Argumentation stärkeren Eingang als die privaten
Formate. Von der Tendenz her ist dies wenig überraschend, in
der Eindeutigkeit dann aber doch verblüffend. Die öffentlich-rechtlichen
Anbieter dominieren eindeutig die Liste der nach Ansicht der JournalistInnen
vorbildlichen und be-liebten Sendungstitel. Auffällig ist ohne
Zweifel die häufige Nennung des Kinderklassikers Die Sen-dung
mit der Maus, der in 9 % der Beiträge genannt wird. Über
private Sendungen, die nicht dem Kinderprogramm zugeordnet werden
können, aber dennoch von Kindern und Jugendlichen viel und gern
gesehen werden - beispielsweise die Soap Gute Zeiten, schlechte Zeiten
- schreiben die Jour-nalistInnen fast genauso häufig wie über
die expliziten kommerziellen Kindersendungen.
Unter den Negativbeispielen der JournalistInnen befinden sich im Untersuchungszeitraum
einige we-nige, überwiegend von privaten Sendern ausgestrahlte
Titel: Pokémon, Power Rangers und Teletub-bies sowie die "Erwachsenen-Formate"
Arabella Kiesbauer und Big Brother. Die Kleinkinderserie Te-letubbies,
der einzige öffentlich-rechtliche Vertreter in der Negativliste,
unterliegt sehr konträren Be-wertungen: Die Berichterstatter
stuften sie in ihren Beiträgen auch als "vorbildlich"
und "beliebt" ein. Das in den Augen der JournalistInnen
ungeeignete Fernsehprogramm für Kinder und Jugendliche konzentriert
sich somit meist auf bekannte, kommerzielle Sendungstitel. Es sind
diejenigen, die häufig und intensiv in der Öffentlichkeit
diskutiert werden und jedem erwachsenen Fernsehzuschauer ein Begriff
sind. Einzig die Teletubbies bilden eine Ausnahme, da sie vom öffentlich-rechtlichen
Kinderka-nal ausgestrahlt werden. Jedoch ist ihre Bewertung nicht
nur negativ.
Ein detaillierter Blick auf die genannten Sendungstitel gegliedert
nach Formatgruppen zeigt, dass die kommerziellen Sender bei den Zeichentrick-Titeln
mehr Aufmerksamkeit bekommen: Sie sind in den Augen der JournalistInnen
beliebter. Von der Qualität her überzeugen aber wieder die
öffentlich-rechtlichen Sender, da sie laut den Berichterstattern
über die inhaltlich besseren Zeichentrickformate verfügen.
Das Prädikat "für Kinder geeignete Sendungen"
scheint eindeutig an die öffentlich-rechtlichen Infor-mations-
und Dokumentationssendungen vergeben und mit dem Namen Sendung mit
der Maus ver-bunden zu sein (hierzu auch Götz 2001).
Gegenüberstellung Presse - Quote im Jahr 2001
Zusätzlich zu diesem Überblick
der allgemeinen Diskussion zu Kinder- und Jugendfernsehen wurde in
einem zweiten Schritt die Berichterstattung über erfolgreiche,
von den Kindern viel gesehene Sen-dungstitel inhaltsanalytisch untersucht.
Das zentrale Forschungsinteresse war hierbei, inwieweit das Interesse
der Presse mit der Sehbeteiligung einhergeht. Aufgrund des Umfangs
des Materials musste der Untersuchungszeitraum auf ein Jahr, nämlich
2001, begrenzt werden. Die erfolgreichsten Kinder-sendungstitel wurden
anhand der 5.000er-Hitliste in Kombination mit der Häufigkeit
der dortigen Nennungen ermittelt. Aus kommerziellen Datenbanken wie
"gbi" und "genios" wurden anschließend 122
qualifizierende Beiträge über die ermittelten Sendungen
gefiltert, die aus 43 führenden Publikatio-nen stammen (Zeitungen,
Zeitschriften, Magazine, Fachpublikationen und Nachrichtenagenturen).
Vergleicht man die erfolgreichsten Sendungstitel des Jahres 2001 mit
der Berichterstattung darüber, bestätigen sich die Tendenzen
aus der Analyse der allgemeinen Berichterstattung: In der Presse ist
die Sendung mit der Maus die Ikone des deutschen Qualitätsfernsehens.
JournalistInnen schreiben sehr wenig
über kommerzielle, erfolgreiche Kinderformate
Fast alle im Jahr 2001 veröffentlichten
Beiträge über die erfolgreichsten Sendungstitel handeln
von öffentlich-rechtlichen Angeboten. Allein die Hälfte
der Artikel bezieht sich auf öffentlich-rechtliche Kin-dersendungen
der Sparte Dokumentation und Information, d. h. auf die "Klassiker"
wie Die Sendung mit der Maus (46 Artikel), Löwenzahn (8 Artikel)
und Logo (6 Artikel). Wieder erstaunt das hohe Vor-kommen von öffentlich-rechtlichen
Titeln in der Berichterstattung, wohingegen selbst erfolgreiche Kin-derformate
der kommerziellen Anbieter kaum Aufmerksamkeit erlangen. Allerdings
muss angemerkt werden, dass in dieses Jahr das 30-jährige Jubiläum
der Maus fällt.
Zusammenfassung
Die Berichterstattung über
Kinder- und Jugendfernsehen ändert sich in den untersuchten Medien
von 1997 bis 2001. Weniger Artikel werden über den Bereich veröffentlicht,
allerdings sind diese länger und vielfältiger: Der Anteil
sachlich-neutraler, berichtender Meldungen nimmt ab, gleichzeitig
betonen die JournalistInnen stärker Service-Aspekte wie Programminfos
und Ratgeber. Außerdem beziehen die JournalistInnen häufiger
unterschiedliche Bewertungsdimensionen in ihre Argumentation ein und
verdeutlichen diese öfter durch konkrete Sendungstitel. Auch
schreiben die JournalistInnen mehr an-lässlich wissenschaftlicher
Studien und Gutachten. Die Berichterstattung wird somit im Untersu-chungszeitraum
differenzierter und richtet sich stärker an LeserInnen aus.
Nicht pädagogische Argumente stehen im Mittelpunkt der Diskussion
um Kinder- und Jugendfernse-hen, sondern wirtschaftliche und (programm-)politische
Aspekte. Thematisch sprechen JournalistIn-nen hauptsächlich das
Marktgeschehen, die Sender und das Programmangebot an. Auch die rein
quantitativen Nutzungszahlen sind häufig erwähnt. Eine Auseinandersetzung
fernab wirtschaftlicher Aspekte und griffiger Zahlen findet nur in
wenigen Artikeln statt. So werden nur selten die Folgen und Motive
des Fernsehkonsums wie Aneignung und Wirkung thematisiert und auch
konkrete Anforderun-gen an Inhalte werden nicht definiert.
Die mediale Diskussion dreht sich im Untersuchungszeitraum stark um
öffentlich-rechtliche Sender. Diese stehen in der Berichterstattung
häufiger als die kommerziellen Anbieter im Handlungsmittel-punkt.
Gleichzeitig wird ihnen eine aktivere und verantwortungsvollere Rolle
zugesprochen. Die in den Artikeln genannten Sendungstitel stammen
zumeist aus öffentlich-rechtlicher Feder und werden posi-tiver
und beliebter als die kommerziellen Formate bewertet. In der Liste
der Negativbeispiele dominie-ren bekannte private Sendungstitel wie
Pokémon und Power Rangers. Ausnahme sind die Teletub-bies,
die aber von den JournalistInnen auch eine positive Konnotation erhalten.
INFORMATIONEN |
Internationales
Zentralinstitut
für das Jugend-
und Bildungsfernsehen
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