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TELEVIZION 31/2018/1

RESILIENZ


EDITORIAL
Resilienz ist eines der aktuellen Zauberwörter in der Psychologie, aber auch weit über diese Wissenschaft hinaus (vom Orde). Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, mit schwierigen Situationen umzugehen und aus Krisen gestärkt und kraftvoll hervorzutreten. Die Kraft der Resilienz wird vor allem durch wohlwollende und emotional warme Beziehungen im sozialen Umfeld gefördert, sie kann aber auch gezielt pädagogisch unterstützt werden. Wenn Kinder dazu ermutigt werden, ihre Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung zu entwickeln, wenn sie ihre eigene Selbstwirksamkeit erleben und sich soziale und aktive Bewältigungskompetenzen aneignen, sind sie für Stress und Krisen deutlich besser gerüstet (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse). Ein nicht zuletzt im therapeutischen und pädagogischen Kontext erfolgreich eingesetzter Weg zur Resilienz ist das Storytelling.
Durch authentische, emotional involvierend erzählte starke Geschichten geben wir Erfahrungen weiter und können uns die Erlebnisse von anderen zunutze machen (Kottler). Heranwachsende in ihren Stärken wahrzunehmen und ihnen Räume zur Selbstwahrnehmung ihrer eigenen Ressourcen zu bieten und dies mit anderen zu teilen, wie es im pädagogischen Kontext des Storytelling Clubs geschieht, kann insbesondere Kinder in schwierigen Lebenssituationen wie Flucht oder extremer Armut fördern (Taher et al.). Können Jugendliche durch mediales Storytelling ihre eigene Geschichte erzählen, fördert dies nachweislich ihre Resilienz (Mendel & Dillmann).
Hinsichtlich von Stärkeerlebnissen in der Kindheit zeigen sich – so die Ergebnisse einer weltweiten Studie ‒ erstaunliche Ähnlichkeiten. Werden diese Geschichten erlebter Selbstwirksamkeit im Sinne der Resilienzförderung erzählt und involvierend für Kinder medial umgesetzt (Götz), kann dies die Selbstwahrnehmung und einen ehrlichen Umgang mit den eigenen Gefühlen bestärken (Holler). Kinderfernsehen kann dabei vielfältige Wege aufzeigen, wie emotional schwierige Situationen mit Fantasie überwunden werden können (Stokke). Selbst Vorschulkinder können bei entsprechendem Geschick der FernsehmacherInnen als ExpertenInnen ihrer eigenen Selbststeuerung sichtbar werden und so Peer-Education für den Umgang mit schwierigen Situationen anbieten (Hansen).
Resilienz ist aber nicht nur ein Thema, das Kinder und Jugendliche betrifft. Auch Fernsehverantwortliche müssen sich als resilient erweisen. Neue und in diesen Ausmaßen bislang ungekannte Medienphänomene sind Shitstorm und Hate Speech. Am Beispiel der zum Teil hasserfüllten Onlinekommunikation zur Dokumentation Malvina, Diaa und die Liebe (hr/KiKA) wird nachgezeichnet, wie es zu diesem Phänomen kommt, wer tendenziell hinter diesen aggressiven Kommunikationsformen steckt (Mertes, Baranowski), welche inhaltlichen Tendenzen die Kommentare aufweisen (Riesmeyer & Semmer) und inwiefern die Einschätzung der Erwachsenen mit dem übereinstimmt, wie Kinder die Dokumentation interpretieren (Götz). Nicht zuletzt im offen geführten internationalen Austausch unter KollegInnen wird deutlich: Hate Speech und Shitstorm können jede/n Fernsehverantwortliche/n aus unterschiedlichen Gründen treffen, und deshalb gilt es, professionelle Strategien für einen resilienten Umgang damit zu finden.

Dr. Maya Götz


FORSCHUNG

Klaus Fröhlich-Gildhoff/Maike Rönnau-Böse
Was ist Resilienz und wie kann sie gefördert werden?

Der Artikel beschreibt das Konzept von Resilienz, erläutert personale Resilienzfaktoren und legt dar, wie Resilienz gefördert werden kann.

Jeffrey Kottler
Die Kraft des Storytellings
Der Autor beschreibt, wie Storytelling helfen kann, in Leid, Elend und traumatischen Erfahrungen Sinn zu finden, und wie es Selbstheilung und Resilienz fördert.

Maya Götz
»Wann hast du gemerkt, dass du stark bist?«
In einer bisher einzigartigen Studie wurden über 700 Stärkeerlebnisse von Kindern und Jugendlichen aus 50 Ländern gesammelt, analysiert und im Sinne der Resilienzförderung in stärkende Geschichten in Kurzfilmen umgesetzt.

Caroline Mendel/Elke Dillmann
Here's my story

Kathrin Mertes
Hass auf Kinderfernsehen?
Der Artikel beschreibt das Phänomen der Hassrede am Beispiel des Shitstorms nach der Sendung Malvina, Diaa und die Liebe (KiKA) im Internet.

Claudia Riesmeyer/Alina Semmer
Der blanke Hass?

 

PROGRAMM

Fadi Taher/Suzanne Kanso/Maya Götz

Der Storytelling Club

Maya Götz
Malvina, Diaa und die Liebe

 

PROGRAMMFORSCHUNG

Andrea Holler

»Die hat ihr Ziel erreicht, das sie machen wollte«

Maya Götz
Wie Kinder und Preteens Malvina, Diaa und die Liebe wahrnehmen und einordnen

 

FORSCHUNGSDOKUMENTATION

Heike vom Orde

Perspektiven auf Resilienz in der Wissenschaft

 

INTERVIEW

Kirstin Dawin

»Der Busfahrer war’s«

Nils Stokke
Brillebjørn: die »resiliente Stimme« der Kinder

Frederik Hansen
Empowerment durch Teddybären

Launa Kennett
»Vertrau darauf, wer du bist«

Genia Baranowski
»Den Hass nicht einfach stehen lassen«

Tanja Nadig/Mariana Cano/ Monica Maruri/Linda Simensky
Was tun bei einem Shitstorm oder Hate Speech im Kinderfernsehen?

 


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