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>> Forschungsprojekt
"Familie und Fernsehen"
III. Was sind geeignete und ungeeignete
Kindersendungen?
1. Was sind geeignete Kindersendungen?
1.1. Was Eltern unter Qualität
im Kinderfernsehen verstehen
1.2. Das für Kinder geeignete Programm hat für Eltern
einen Namen:
"Die Sendung mit der Maus"
1.3. Aus der Elternperspektive sollte ein geeignetes Kinderprogramm
"lehrreich" sein
1.4. Übersicht der Kindersendungen, die Eltern als geeignet
benennen
1.5. Ikone "Maus"
2. Was sind ungeeignete Kindersendungen?
2.1. Ungeeignete Sendungen haben
weniger eindeutig einen Namen - und wenn, dann ist es "Pokémon"
2.2. Aus der Elternperspektive sind gewalthaltige Programme
für Kinder ungeeignet
2.3. Übersicht der Kindersendungen, die Eltern als ungeeignet
ansehen
3. Kinderprogramme der Eltern
3.1. Eltern greifen gerne auf Altbewährtes
zurück, das sie selber schon als Kinder gesehen haben
3.2. Sendungen, die Eltern in ihrer Kindheit gerne gesehen
haben
4. Familienprogramm aus der Perspektive
der Eltern
4.1 Was aus Sicht der Eltern eine
Sendung für die ganze Familien leisten sollte
4.2. Begründungen für geeignete Familiensendungen
5. Zusammenfassung: Eltern und ihre Sicht
von Familienfernsehen
1. Was sind geeignete Kindersendungen?
1.1. Was Eltern unter Qualität im
Kinderfernsehen verstehen
1.2. Das für Kinder geeignete Programm
hat für Eltern einen Namen: "Die Sendung mit der Maus"
1.3. Aus der Elternperspektive sollte ein
geeignetes Kinderprogramm "lehrreich" sein
1.4. Übersicht der Kindersendungen, die
Eltern als geeignet benennen
1.5. Ikone "Maus"
1.1. Was Eltern unter Qualität
im Kinderfernsehen verstehen
Sich mit den Qualitätskriterien von Eltern auseinander
zusetzen ist kein neues Anliegen. In einer niederländischen
Studie ging Peter Nikken 1995 den Qualitätskriterien
von Eltern nach. Aus Gruppendiskussionen mit 50 Eltern wurden
Thesen zu Qualitätsmerkmalen erstellt. In einer Telefonumfrage
gaben anschließend 357 Eltern an, für wie wichtig
sie diese hielten. "Verständlichkeit" (besonders bei
Bildungssendungen und Nachrichten), "Ästhetische Qualität"
(besonders bei Zeichentrickserien), und "Engagement" (insbesondere
bei Bildungssendungen) stellten sich als besonders wichtig
heraus (Nikken 1995, S. 30 ff.).
In einer bundesdeutschen Befragung gingen 1996 Christoph Frey
und Ulrike Six zunächst ähnlich vor und
ließen Eltern ebenfalls Kriterien zur Qualitätsbestimmung
einschätzen, die allerdings alle eine relativ hohe Zustimmung
bekamen. Die Autoren zweifeln selbst daran, inwieweit diese
Kriterien Aufschluss über die real umgesetzten Orientierungen
geben (Frey/Six 1997, S. 180 ff.). Daher wurden Eltern, LehrerInnen
und ErzieherInnen in einem zweiten Schritt gebeten, positive
bzw. negative Merkmale von Kinderfernsehen frei zu benennen
und diese subjektiv in ihrer Wichtigkeit zu werten. Es zeigte
sich, dass für Erwachsene vor allem Bildungs- und Informationssendungen
und das Merkmal kind- bzw. altersgerecht positiv sind. Mit
deutlichem Abstand folgen unterhaltende und lustige Sendungen.
Als negatives Kriterium nannten die Eltern vor allem Gewalt
(Frey/Six 1997,
S. 186 ff.). Erwachsene haben also Qualitätsvorstellungen
im Kopf, die eher allgemein gehalten und abfragbar sind.
1.2. Das für Kinder geeignete
Programm hat für Eltern einen Namen: "Die Sendung mit
der Maus"
Um dies noch einmal zu aktualisieren und auf die Ebene konkreter
Sendungen zu beziehen, wurden Eltern gebeten, drei Sendungen
zu benennen, die sie als für Kinder geeignet bzw. ungeeignet
bezeichnen. In freien Nennungen sollten sie ihre Aussage begründen.
Mit deutlichem Abstand liegt "Die Sendung mit der Maus" dabei
mit 91 Nennungen auf Platz 1 der für Kinder geeigneten
Sendungen, gefolgt von "Löwenzahn", "Sesamstraße",
"Biene Maja", den "Teletubbies" und dem "Sandmännchen"
(s. Tab. 1). Dies ist sicher nicht überraschend, doch
wichtig, empirisch festzuhalten. Von der Tendenz ebenso wenig
überraschend, in der Eindeutigkeit dann aber doch verblüffend,
ist das Verhältnis von öffentlich-rechtlichen und
privaten Anbietern. Die öffentlich-rechtlichen Angebote
dominieren eindeutig die Liste der nach Ansicht der befragten
Eltern für Kinder geeigneten Sendungen. Erst auf dem
17. Platz liegen mit "Disney-Trickfilme" (5 Nennungen), gefolgt
von "Pokémon" (4 Nennungen) Angebote privater Fernsehanbieter.
Das Prädikat "für Kinder geeignete Sendungen" scheint
eindeutig an die Öffentlich-Rechtlichen vergeben und
mit dem Namen "Die Sendung mit der Maus" verbunden zu sein.
1.3. Aus der Elternperspektive sollte
ein geeignetes Kinderprogramm "lehrreich" sein
Als Begründungen, warum Sendungen geeignet seien, ist
über alle Sendungen "lehrreich" das am häufigsten
genannte Argument, gefolgt von "altersadäquat" als Beschreibung
der Eltern für ein Angebot, das nach ihren Vorstellungen
den Anliegen und Fähigkeiten der Altersgruppe entspricht.
Argumente, die sich auf Vergnügen richten, wie "lustig"
oder "unterhaltsam", werden weniger häufig genannt.
Auch hier bestätigen sich die
Ergebnisse früherer Untersuchungen, denn in den Antworten
der Eltern spiegeln sich ihre Vorannahmen wider, was das Fernsehen
Positives für ihre Kinder leisten könnte. Auf eine
entsprechende Frage in der Studie "Kinderwelten 2000" wurde
dem Fernsehen vor allem zugetraut, Wissen über kindliche
Umwelt und Umfeld (94% Zustimmung) und über die Welt
(Zustimmung 78%) zu vermitteln (RTL Disney Fernsehen 2000,
S. 32). Dass Eltern das Argument "lehrreich" bei der Beurteilung
einer geeigneten Sendung für Kinder vorbringen, ist nicht
verwunderlich und durchaus verständlich. Denn Fernsehen
von Kindern ist nach wie vor als pädagogisch wenig wünschenswert
stigmatisiert. Während wir Erwachsenen uns Fernsehen
mittlerweile auch als Unterhaltung und Entspannung offiziell
zugestehen, bleibt bei Kindern der Wunsch bestehen: Sie sollten
doch wenigstens etwas Sinnvolles davon lernen. Das beruhigt
das Gewissen, bürdet aber die gesellschaftliche Last
der "Untugend Fernsehen" dem Kinderfernsehen auf.
1.4. Übersicht der Kindersendungen,
die Eltern als geeignet benennen
|
|
Die Sendung mit der Maus
lehrreich
informativ
altersadäquat
lustig
unterhaltsam
für alle was dabei |
91
47
20
19
15
10
09 |
|
Löwenzahn
lehrreich
informativ
altersadäquat
unterhaltsam
für alle was dabei
lustig |
58
37
13
10
06
06
06 |
|
|
|
|
Sesamstraße
lehrreich
unterhaltsam
Kinder lernen mit Spaß
lustig
altersadäquat
gewaltfrei |
48
27
09
09
08
08
06 |
|
Biene Maja
gewaltfrei
Wertevermittlung
Identifikationsfigur
verständlich
altbewährt |
31
09
05
04
04
04 |
|
|
1.5. Ikone "Maus"
Auffällig ist ohne Zweifel die häufige Nennung des
Kinderklassikers "Die Sendung mit der Maus". Auch nach Altersgruppen
aufgeteilt, ist sie stets die meistgenannte Sendung. Ist innerhalb
der Stichprobe dieses Programm als eine der drei für
Kinder geeigneten Sendungen erwähnt, so steht es in vielen
Fällen an erster Stelle der Reihenfolge. Die häufigste
Kombination ist hierbei: 1. Platz "Die Sendung mit der Maus",
2. Platz "Löwenzahn", 3. Platz "Sesamstraße". "Die
Sendung mit der Maus" (ARD/KI.KA) – so scheint es zu sein
– ist die Sendung, die viele Eltern als Antwort auf die Frage
nach einem geeigneten Programm an erste Stelle setzen, bzw.
die ihnen als erstes einfällt. Sie ist aus der Perspektive
der Eltern lehrreich, informativ und altersadäquat und
erfüllt zunächst schlicht und ergreifend die Merkmale,
die Eltern sich erhoffen (und die sie nicht zuletzt auch an
diesem Programm entwickelten).
Vermutlich sind die konkreten Vorstellungen von der Sendung
dabei verschieden, denn im Medium bleiben eigentlich nur das
Grundkonzept, einige Figuren und eine potenzielle ästhetische
und inhaltliche Orientierung konstant. Ansonsten ist keine
"Sendung mit der Maus" wie die andere. Insofern verbirgt sich
hinter dem Namen vermutlich eher die Zustimmung zu einer bestimmten
Grundorientierung, die nicht unbedingt konkret ausformuliert
sein oder mit aktuellen Seherfahrungen zu tun haben muss.
Zudem steht erfreulicherweise auch der öffentliche Diskurs
seit langem auf der Seite der "Maus" und trägt seinen
Teil dazu bei, diese Sendung zur Marke zu stilisieren, die
das gesellschaftliche Verständnis von Qualitätsprodukten
im Kinderfernsehen prägt.
So schön es ist, dass es hier scheinbar etwas gibt, wo
sich Produzierende, Eltern, PädagogInnen und JournalistInnen
einig sind, so besteht auch die Gefahr, eine Ikone zu produzieren.
Schon jetzt sind es weit mehr Erwachsene als Kinder, die die
Sendung sehen. 50% der Zuschauerschaft kommen aus Haushalten
ohne Kinder. Dies legt die Vermutung nahe, dass "Die Sendung
mit der Maus" auch ein Stück Nostalgie ist, mit der wir
u.a. auch unsere Vorstellungen von dem, was Kinderfernsehen
ausmachen sollte, fundamentieren. Die Verantwortung auf der
Seite der Produzierenden wird es sein, dass dies nicht unter
Ausschluss der real existierenden Kinder geschieht.
2. Was sind ungeeignete Kindersendungen?
2.1. Ungeeignete
Sendungen haben weniger eindeutig einen Namen - und wenn,
dann ist es "Pokémon"
2.2. Aus der Elternperspektive sind gewalthaltige
Programme für Kinder ungeeignet
2.3. Übersicht der Kindersendungen, die
Eltern als ungeeignet ansehen
2.1. Ungeeignete Sendungen haben
weniger eindeutig einen Namen – und wenn, dann ist es "Pokémon"
Bei der Frage nach den "ungeeigneten Fernsehsendungen für
Kinder" steht "Pokémon" (RTL2) mit 42 Nennungen auf
dem ersten Platz, vor der Genreangabe "Krimis", "Digimon"
(RTL2), der Angabe "Nachrichten" und den "Teletubbies".
Während das geeignete Fernsehprogramm für Kinder
bei Eltern einen Namen hat, nämlich : "Die Sendung mit
der Maus", ist das ungeeignete Programm weniger auf einen
einzelnen Sendungstitel zu vereinen. Wenn Sendungen genannten
werden, sind es diejenigen, auf die sich auch die öffentliche
Diskussion konzentriert, nämlich: "Pokémon", "Digimon"
und "Teletubbies". Hier ist die Beurteilung der Eltern vermutlich
auch durch die öffentliche Diskussion (Agenda-Setting)
mitgeprägt.
Inhaltliches Hauptargument gegen "Pokémon" ist eindeutig
der gewalthaltige Inhalt. Es schwingt aber auch mit, dass
"Pokémon" in der Ästhetik und den Vorstellungen
den Vorannahmen von Eltern wenig entspricht. Hier einige Begründungen
von Eltern, warum "Pokémon" eine für Kinder ungeeignete
Sendung ist:
(weil) "der Handlungsverlauf viel zu schnell
ist und sich alles immer um Kampf dreht! Allein diese grausamen
Figuren, da ist wirklich nichts Schönes dran. (...)"
(Mutter 30 Jahre mit 4-jährigem Sohn)
"...hab ich noch nie gesehen, ist mir allein
von den Figuren total unsympathisch."
(Mutter 32 Jahre mit einem 3- und einem 1-jährigen
Sohn)
(weil) "ich als Erwachsener nicht mal den
Durchblick habe!!! (...)"
(Mutter 29 Jahre mit einem 2-jährigen und einem 4-jährigen
Sohn)
Eltern fühlen sich von "Pokémon"
inhaltlich und ästhetisch nicht angesprochen. Eine Sendung,
in der sich alles um "total unsympathische" Figuren und "Kampf"
dreht und in der "Erwachsene nicht mal den Durchblick" haben,
sind für sie Gründe, warum sie diese Sendung eher
für ungeeignet halten. Die elterlichen Seherfahrungen
sind dabei unterschiedlich fundiert. Die öffentliche
Diskussion, die unter anderem mit entsprechender Boulevardisierung
im Fernsehen und in diversen Printmedien geführt wurde,
verstärkt vermutlich dieses Unwohlsein der Eltern.
Gleichzeitig ist "Pokémon" eine Sendung, in der schon
Kindergartenkinder sich auskennen "müssen", um in der
Peer-Group mitreden zu können. Einige Eltern beschreiben
genau dieses Dilemma:
Mutter (38 Jahre) mit zwei Söhnen (11 und 7 Jahre) und
einer Tochter (4 Jahre) nennt "Pokémon" und "Digimon"
als für Kinder ungeeignete Sendungen, da
"inhaltslos, brutal. Allerdings ist ‚Pokémon‘
so wichtig gewesen, dass ein Verbot eine Ausgrenzung für
Kinder dargestellt hätte."
Das Anschauen der Sendung ist für
ihre Kinder wichtig, um nicht aus der Gruppe der Gleichaltrigen
ausgeschlossen zu werden. Gleichzeitig halten die Eltern das
Programm für ungeeignet und würden es gerne verbieten.
Hier entsteht für die Eltern eine Zwickmühle, die
durch den nicht zu unterschätzenden finanziellen Aufwand,
den die "Pokémon"-Begeisterung bedeutet, noch verstärkt
wird.
2.2. Aus der Elternperspektive sind
gewalthaltige Programme für Kinder ungeeignet
Als frei genannte Begründung für die Nichteignung
dominiert eindeutig das Argument "gewalthaltig". Eltern lehnen
Inhalte, die aus ihrer Perspektive gewalthaltig sind, ab.
Mit viel Abstand folgen Argumente, die sich auf eine Überforderung
der Kinder beziehen.
Die exponierte Position der Nennung "gewalthaltig" bedeutet
nicht, dass Eltern von einem einfachen Wirkungsmechanismus
ausgehen (s. hierzu Krotz et al. 1999, S. 115). Vermutlich
ist dies das greifbarste Argument für das oftmals latent
bestehende Unwohlsein gegenüber Angeboten, die von den
Sehgewohnheiten und Wünschen der Erwachsenen abweichen.
2.3 Übersicht der Kindersendungen,
die Eltern als ungeeignet ansehen
|
|
Pokémon
gewalthaltig
zu schnell
wirklichkeitsfremd
konsumfördernd
unsympathische Figuren
nicht verständlich
falsche Konfliktlösungen |
42
20
06
05
05
04
04
03 |
|
Krimis
gewalthaltig
nicht altersadäquat
macht Angst
wirklichkeitsfremd
nicht verständlich |
27
16
06
04
03
02 |
|
|
|
|
Digimon
gewalthaltig
zu schnell
nicht verständlich
falsche Konfliktlösungen
macht Angst |
21
12
04
03
03
02 |
|
Nachrichten
gewalthaltig
nicht altersadäquat
überfordernd
macht Angst
Kinder nicht alt genug
zu schnell
nicht verständlich |
20
11
04
04
03
02
02
02 |
|
|
3. Kinderprogramme
der Eltern
3.1. Eltern greifen
gerne auf Altbewährtes zurück, das sie selber schon
als Kinder gesehen haben
3.2. Sendungen, die Eltern in ihrer Kindheit
gerne gesehen haben
3.1. Eltern greifen gerne auf Altbewährtes
zurück, das sie selber schon als Kinder gesehen haben
In vielen der Aussagen von Eltern zu einem geeigneten Programm
schwingt eine gewisse nostalgische Erinnerung an die eigene
Kinder-Fernsehzeit mit.
"Meine Tochter liebt Ernie und Bert und mein
Mann und ich erinnern uns gerne daran, wie wir die‚
Sesamstraße‘ als Kinder gesehen haben und haben immer
noch Spaß daran (...)."
(Mutter, 34 Jahre, mit 3-jährigerTochter)
Eltern fühlen sich von Sendungen,
die sie selber als Kinder gesehen haben, emotional angesprochen.
Insofern stellt sich die Frage, in welcher Beziehung die Aussagen
der Eltern zu geeigneten Kinder- bzw. Familiensendungen stehen,
die sie selber erfahren haben. Daher baten wir in zwei weiteren
Fragen Eltern, die Sendungen zu nennen, die sie selber als
Kinder im Fernsehen gesehen haben. Abermals steht mit 62 Nennungen
"Die Sendung mit der Maus" auf dem ersten Platz vor der "Sesamstraße"
und der "Biene Maja". Die Sendungen, die Eltern als für
Kinder geeignet nennen, sind also vor allem die Programme,
die sie auch selber gesehen haben.
Schließlich baten wir die Eltern, noch einmal die Sendungen
zu nennen, die sie nach ihrer Erinnerung gemeinsam mit ihren
Eltern gesehen haben. Auch hier steht "Die Sendung mit der
Maus", wenn auch nicht an so exponierter Position wie bei
den anderen Fragen, an erster Stelle vor "Dalli-Dalli" (11
Nennungen), gleich auf mit der "Sesamstraße" (11 Nennungen),
gefolgt von der "Hitparade" (9 Nennungen) und dem "Sandmännchen"
(9 Nennungen). Auch bei dem, was Eltern als geeignete Familiensendung
beschreiben, finden sich neben den beiden ZDF-Shows "Die Sendung
mit der Maus" und die "Sesamstraße" wieder.
Diese Ergebnisse, die sicher im Detail noch näher zu
erforschen wären, deuten darauf hin, dass potenziell
eine Ähnlichkeit der Sendungen, die von den Eltern selbst
positiv erinnert wurden (und dadurch auch als Namen präsent
sind), mit den Sendungen besteht, die Eltern als geeignetes
Kinder- und Familienprogramm beurteilen. Es scheint so, dass
Eltern, zumindest die von Vorschulkindern, gerne auf Altbewährtes
und selber in der Kindheit Erfahrenes zurückgreifen.
Damit geht eine Tradierung und auch Festschreibung von Vorstellungen
einher, die durchaus verständlich ist, für den Alltag
in Familien jedoch problematisch werden kann. Denn die Erfahrungen
der Eltern reichen nicht aus, um die Vielfalt der derzeitigen
Angebote sowohl in privaten als auch öffentlich-rechtlichen
Programmen adäquat verstehen und einschätzen zu
können. Der öffentliche Diskurs, der sich immer
wieder auf wenige bekannte Sendungstitel bezieht, ist hier
ebenfalls nicht sonderlich hilfreich.
3.2. Sendungen, die Eltern in ihrer
Kindheit gerne gesehen haben:
| Kindersendungen |
|
Familiensendungen |
|
Die Sendung
mit der Maus:
62 Nennungen
|
|
Die Sendung
mit der Maus:
12 Nennungen
|
|
Sesamstraße:
53 Nennungen
|
|
Dalli-Dalli
(Foto ZDF):
11 Nennungen
|
|
Biene Maja:
46 Nennungen
|
|
Sesamstraße:
11 Nennungen
|
|
Heidi:
32 Nennungen
|
|
Hitparade
(Foto ZDF):
9 Nennungen
|
4. Familienprogramm aus der
Perspektive der Eltern
4.1 Was aus Sicht
der Eltern eine Sendung für die ganze Familien leisten
sollte
4.2. Begründungen für geeignete
Familiensendungen
4.1. Was aus Sicht der Eltern eine
Sendung für die ganze Familien leisten sollte
Eine weitere Frage an die Eltern richtet sich auf ihre Vorstellungen
von einem "für die ganze Familie geeigneten Fernsehprogramm".
Abermals steht "Die Sendung mit der Maus" an erster Stelle,
wenn auch nicht ganz so exponiert wie bei der Angabe für
eine geeignete Kindersendung. Auf dem zweiten Platz folgt
"Löwenzahn". Beides sind öffentlich-rechtliche Angebote,
die sich aus Sicht der Eltern vor allem als Familiensendung
eignen, weil sie "für alle was dabei" haben und "lehrreich"
sind.
Eine häufig genannte Kategorie bei der Begründung,
warum eine Sendung für Familien geeignet sei, ist - wie
bei den Kindersendungen - "lehrreich". Bei den Familiensendungen
sollten es aber nicht nur die Kinder sein, die etwas Wissenswertes
erfahren, sondern eben auch die Erwachsenen. Dies leisten
nach Angaben der Eltern neben "Maus" und "Löwenzahn"
(Peter Lustig) Tierfilme, "Wetten, dass...?" und Quizshows.
Eine Fernsehsendung für die ganze Familie sollte dabei
nicht nur Wissen vermitteln, sondern zum Nachforschen anregen.
Ein positives Erlebnis mit dem Familienfernsehen war es für
die Eltern, wenn sie, durch die Sendung angeregt, im Lexikon
nachschlugen, weitere Informationen einholten oder Gezeigtes
nachbastelten. Diese Anregung zum Selbermachen schreiben einige
Eltern übrigens auch Kochsendungen zu, die sie deshalb
als gute Familiensendung nennen.
Eine 30-jährige Mutter mit einer Tochter (8 Jahre) und
zwei Söhnen (7 und 1 Jahr) vergibt den 1. Platz der geeigneten
Familiensendungen mit der Begründung an das "Kochduell",
weil
"Kinder lernen, mit wenig
Geld viel zu kaufen. Spaß und Unterhaltung sind dabei
und zum ‘Nachmachen‘ besonders geeignet".
Neben Sachinformationen und Anregungen
erwarten Eltern aber auch, dass alle emotional angesprochen
werden und sich in den Figuren wiederfinden. Genannt wird
dies beispielsweise bei der Sitcom "Full House" (RTL 2):
Mutter (34 Jahre) mit 2 Töchtern (8 und 11 Jahre):
(weil) "die Mitspieler Kinder
in jedem Alter und Erwachsene sind und alle mal irgendein
Problem haben, mit dem man sich als Kind, aber auch als
Elternteil, identifizieren kann."
Sendungen, die dies aus Sicht der Eltern
für Vorschulkinder leisten, sind "Pumuckl" ("Der Pumuckl
für die Kinder und Meister Eder für die Erwachsenen")
und "Der Bär im großen blauen Haus" (KI.KA).
Familienfernsehen sollte nach Ansicht der Eltern aber auch
Kommunikation anregen und es den Eltern ermöglichen,
sich mit ihren Kindern über Inhalte zu unterhalten und
ihnen so Zusammenhänge der Welt vermitteln zu können.
Für eine Mutter (31 Jahre) mit 2-jährigem Sohn bieten
zum Beispiel Tierfilme diese Möglichkeit:
"(...) und wenn der Löwe
die niedliche Gazelle beißt, dann ist es für
Kinder erstens nicht so brutal, als wenn der böse Mann
die arme Frau tötet, und man kann den Kindern zweitens
erklären, dass der Löwe nur Hunger hatte und halt
einfach nicht zu McDonalds gehen kann."
Bei diesem sicherlich auch humorvoll
gemeinten Beitrag schwingt mit: Es geht den Eltern nicht nur
um inhaltlich Wissenswertes und emotional Ansprechendes, sie
wollen vor dem Fernseher gemeinsam mit ihren Kindern etwas
machen, an dem alle Spaß haben und das allen etwas bringt.
Die Interaktion soll mit Hilfe des Programms innerhalb der
Familie stattfinden. Nach Ansicht einer Reihe von Eltern können
Quizsendungen dies besonders gut leisten, "da alle mitraten
und mitfiebern (...)." (Mutter, 34 Jahre, mit einem 8-jährigen
Sohn und einer 5-jährigen Tochter). Um diese Aktion vor
dem Fernseher zu ermöglichen, muss das Programm den Familien
auch Raum für Kommunikation und Interaktion lassen und
nicht die gesamte Aufmerksamkeit bannen.
Eine Mutter (34 Jahre mit 5-jährigem Sohn) begründet,
warum Quizshows, Musiksendungen und Kochshows für die
ganze Familie geeignet sind: (Sie)
"lockern die Atmosphäre
auf, da man sich währenddessen auch unterhalten kann,
Erklärungen abgeben kann, zusammen lachen kann, selbst
mitraten kann und die Kinder gelobt werden können usw."
In wenigen Aussagen betonen Eltern
aber auch, dass Kinder vielleicht mal mehr wissen als ihre
Eltern. Diese Begründung wird vor allem bei Quizsendungen
wie "Wer wird Millionär?" angebracht. Eine 40-jährige
Mutter eines 5 Jahre alten Jungen begründet, warum sie
Quizsendungen für geeignet hält:
(weil) "Mama und Papa auch
mal richtig daneben hauen, andererseits auch 4- bis 5-jährige
schon mal bei Jauch richtig liegen."
Für diese Eltern soll Fernsehen
zur Auflockerung der Atmosphäre vor dem Bildschirm dienen.
Der Programminhalt sollte die Gemeinsamkeit fördern und
nicht verhindern. Das ist eine Perspektive auf Familienprogramm,
die weit weniger inhaltsschwer ist, als Programmproduzierende
dies vielleicht annehmen. Eine für die Familie geeignete
Sendung sollte sich - aus Sicht der Eltern - dabei in die
alltäglichen Rituale einpassen, so wie das "Sandmännchen":
(Wo) "alle Familienmitglieder
vor dem Schlafengehen der Kinder sich gemeinsam vor dem
Fernseher entspannen - bei gleicher Melodie, gleichen Eingangsfiguren,
manchmal raten, welches Märchen dargestellt wird und
wo der Sandmann sich befindet und dann den Zaubersand abwehren...."
(Mutter, 35 Jahre, mit zwei Töchtern, 1 und 6 Jahre)
Hier haben sich mit einer entsprechenden
Sendung Rituale gebildet, die jeden Abend stattfinden, die
helfen, Kinder (und Eltern) zur Ruhe kommen zu lassen, und
die vermutlich auch noch viel Spaß machen.
4.2. Begründungen für
geeignete Familiensendungen:
|
|
Die Sendung mit der Maus
für alle was dabei
lehrreich
interessant
Spaß
abwechslungsreich
informativ
nostalgisch |
51
19
18
12
07
04
03
03 |
|
Löwenzahn
für alle was dabei
lehrreich
was zu lernen
informativ
Spaß
interessant
gemeinsam fernsehen
bietet Gesprächsanlässe
Anregungen |
33
16
14
07
04
03
02
02
02
02 |
|
|
|
|
Tiersendungen
lehrreich
interessant
für alle was dabei
Tiersendung
was zu lernen
realitätsnah
spannend |
30
13
09
07
04
03
03
02 |
|
Wetten, dass ...?
spannend
unterhaltend
für alle was dabei
Spaß
gemeinsam fernsehen
nicht schädlich |
16
07
07
04
04
03
02 |
|
|
5. Zusammenfassung: Eltern
und ihre Sicht auf Familienfernsehen
Im Alltag finden Eltern (notgedrungen)
Wege, mit den Anforderungen des Themas "Fernsehen und Familie"
umzugehen. Sie entwickeln - zum Teil mit hoher Kreativität
- Regeln, die sie versuchen, nach ihren Wahrnehmungen im Alltag
auszuhandeln. Neben der Beschränkung der Zeit vor dem
Fernseher, sind Zugangskontrolle und (bei jüngeren Kindern)
die eigene Anwesenheit in der Rezeptionssituation von Eltern
frei genannte Dimensionen ihrer Regeln. Die häufigste
Einflussnahme richtet sich jedoch auf den Inhalt, und Eltern
versuchen, für ihre Kinder geeignete Sendungen auszuwählen
bzw. diese zu empfehlen. Eltern beurteilen ein Programm dabei
vermutlich häufig von ihrem eigenen ästhetischen
Empfinden her, von ihren Wünschen (lehrreich) und Vorbehalten
(Gewalt) aus. Die tradierten und auch im öffentlichen
Diskurs als Qualitätsprodukte diskutierten Angebote stehen
hier ganz oben auf der Hitliste der für Kinder geeigneten
Programme. Dies sind häufig auch die Sendungen, die die
Eltern selber als Kinder auch schon gesehen haben. Neben den
"Klassikern" finden sich hier auch neuere Formate. Als für
Kinder nicht geeignete Programme werden hauptsächlich
die Sendungen genannt, die auch öffentlich kritisch diskutiert
werden: "Pokémon" (RTL 2), "Digimon" (RTL 2) und die
"Teletubbies" (KI.KA/ARD). Bei allen Sendungen ist der Hauptgrund
für Eltern, sie als ungeeignet zu nennen, ein nach ihren
Wahrnehmungen gewalthaltiger Inhalt.
Bei einem für die ganze Familie geeigneten Angebot fordern
Eltern - als junge, engagierte Erwachsene - auch Spaß
für sich selber ein. Inhaltlich sollen die Programme
für alle etwas Wissenswertes, etwas zum Mitdenken, zum
Mitfühlen und zum Darüberreden bieten, was möglichst
auch noch über die Sendungen hinaus anregt. Dabei sollten
sie die Kinder nicht überfordern, keine Gewaltdarstellung
enthalten und sich in den Alltag von Familien einpassen. Neben
den tradierten Qualitätsvorstellungen, die an eine Sendung
gerichtet werden, stellen Eltern die Familie vor dem Fernseher
in den Mittelpunkt. Die Angebote sollen Gemeinsamkeit ermöglichen
und nicht behindern.
Eltern fordern ein Programm, mit
dem sie etwas anfangen können, das sie für sich
und ihren Alltag in der Familie nutzen können: Für
die einen ist ein ästhetisch und inhaltlich anspruchsvolles
Angebot gefragt – namentlich oft in Verbindung mit öffentlich-rechtlichen
Sendungen genannt - andere Familien genießen Sendungen,
die nicht zu inhaltsschwer oder zu dominant in der Rezeptionssituation
sind – namentlich oft mit Sendungen der RTL-Gruppe und "Wetten,
dass ...?" (ZDF) verbunden. Vom Fernsehangebot wird Vielfältigkeit
gefordert. Hier gilt es, die aus Sicht der Eltern bestehende
scharfe Trennlinie innerhalb des Dualen Systems aufzubrechen
und weitere, für Familien geeignete Formate zu finden.
Dies umzusetzen fordert von den Produzierenden Kreativität
und eine Grundhaltung, die Familien ernst nimmt, so wie
sie sind, die sie in ihrem Alltag unterstützt, ihnen
anbietet, was sie wollen, ohne dabei inhaltliche und ästhetische
Qualitätsansprüche und Verantwortungsbewusstsein
zu verlieren.
I.
Einführung
II.
Ergebnisse der Internetbefragung von Eltern 2001
IV.
Literaturrecherche zum Thema Familie und Fernsehen
Der
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für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI)
Nachdruck oder Vervielfältigung, auch auszugsweise,
nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Herausgebers!
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