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Wie Kinder die Ereignisse in Japan wahrnehmen
Die meisten Kinder nehmen große Katastrophen, die auf der Welt passieren, wahrscheinlich wahr, wenn darüber in den allgemeinen Nachrichten berichtet wird. Auf irgendeine Art und Weise verfolgen Kinder die Nachrichten, sei es im Fernsehen, in Zeitungen oder sogar im Internet.
Aus den Informationen, die sie auf diese Weise erlangen, formen sie gedankliche Bilder von den Ereignissen in der Welt und den wesentlichen Themen und Problemen. Frühere Studien, die sich beispielsweise mit dem Irak-Krieg beschäftigten, haben ergeben, dass die Wahrnehmung der Kinder und ihre Auseinandersetzung mit politischen Themen wesentlich vom öffentlichen und landesweiten Diskurs beeinflusst wird (vgl. Lemish/ Götz 2007). Aufgrund der aktuellen Ereignisse in Japan – ein Erdbeben, ein Tsunami und ein schwerer Unfall in einem Atomkraftwerk – beherrscht diese Katastrophe die Nachrichten weltweit. Deshalb haben wir uns gefragt: Welche Konsequenzen hat dies für Kinder und Kinderfernsehen? Diese Studie – mitsamt mehreren Nebenstudien – will untersuchen, wie das Kinderfernsehen mit dem Thema umgeht, wie Kinder die Katastrophe wahrnehmen und wie sie sich eine Kindersendung zu der Thematik wünschen würden.
Die Hauptfragen der Studie lauten:
- Wie nehmen Kinder die Berichterstattung der Nachrichten wahr?
- Welche Emotionen werden dabei ausgelöst?
- Was wissen Kinder bereits über Themen wie Erdbeben, Tsunamis, Atomkraftwerke und Reaktorunfälle und was möchten sie noch lernen?
- Welche alters-, geschlechts- und kulturspezifischen Tendenzen können hinsichtlich des Wissens und der Sichtweise der Kinder unterschieden werden?
Und besonders wichtig für Qualität im Kinderfernsehen:
- Was wollen Kinder vom Fernsehen – und speziell vom Kinderfernsehen – lernen?
Diese Studie ist darauf ausgerichtet, einige Antworten bezüglich der Sichtweise von Kindern zwischen fünf und 13 Jahren in Deutschland und anderen Ländern zu geben.
Studie 1: Medienanalyse
Die deutsche Medienberichterstattung in den ersten zehn Tagen nach der Katastrophe in Japan wird analysiert. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den „Erwachsenennachrichten“ der Hauptfernsehsender und Kindernachrichten sowie derPresseberichterstattung.
Studie 2:
Einzelinterviews mit Kreativteil in Deutschland
313 Kinder unterschiedlicher Herkunft im Alter von fünf bis 13 Jahren werden in Einzelinterviews anhand eines auf das Thema konzentrierten Interviewleitfadens befragt. Neben offenen Fragen beinhaltet der Fragebogen auch geschlossene standardisierte Fragen und zwei Kreativteile (bei welchen die Kinder Bilder malen, zum einen zu ihrer Vorstellung der Geschehnisse in Japan, zum anderen wie sie sich eine Kindersendung zum Thema vorstellen würden). Die Interviews finden in den ersten zehn Tagen nach dem Erdbeben statt. Die Analyse wird auf einer qualitativen Auswertung aufbauen, wobei Frage für Frage geclustert wird. Hinzu kommt eine statistische Analyse der quantitativen Daten. Zu den 313 Interviews in Deutschland kommen
ca. 200 aus den USA,
ca. 100 aus Brasilien
sowie ca. 30 jeweils aus Kuba und Caracas.
Sie ermöglichen einen Vergleich der Wahrnehmung der Ereignisse und die Bedeutung des jeweiligen nationalen Diskurses.
Hinzu kommt eine Repräsentativbefragung.
Internationale Studie: Befragung mit Kreativteil in anderen Ländern
In anderen Ländern (z. B. USA, Brasilien) füllen Kinder ab neun Jahren einen zum Leitfaden der deutschen Studie vergleichbar formulierten Fragebogen selbstständig aus und malen ebenfalls zwei Bilder (eines zu ihrer Vorstellung der Geschehnisse in Japan und eines, wie sie sich eine Kindersendung zum Thema vorstellen).
Bildbriefe an Fernsehmacher
Kinder aus der ganzen Welt malen und schreiben in Bildbriefen an Fernsehmacher, was sie über die Geschehnisse in Japan denken und was sie gerne im Kinderfernsehen darüber lernen würden.
Auf diese Weise wird die Sichtweise von Kindern aus Hongkong, Südkorea, den Philippinen usw. erhoben.
Die Stimmen der Kinder: Was ich über die Ereignisse denke und fühle und was ich vom Kinderfernsehen lernen will
In dieser Studie werden die Stimmen der Kinder videografisch festgehalten. Sie erzählen vor der Kamera, was sie über die Ereignisse denken, wie sie sich fühlen und was (und was nicht) und auf welche Art und Weise sie vom Kinderfernsehen lernen möchten. Kinder aus den USA, Chile, Kanada, Kuba, Caracas usw. berichten von ihrer Perspektive.
Projektleitung und –durchführung: Dr. Maya Götz, Andrea Holler (IZI)
Die Ergebnisse der Studien werden auf der Konferenz "Tsunami und
Super-GAU — Für Kinder berichten: Konzepte aus Forschung und Praxis" am 19. Juli in München vorgestellt.
Literatur:
Lemish, Dafna / Götz, Maya (Hrsg.): Children and media in times of conflict and war. Cresskill, NJ: Hampton Pr. 2007
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