21.11.2009
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Tübingen Anfang der 70er Jahre. Die junge Michaela Klingler verlässt ihr streng katholisches Elternhaus, um ein Studium zu beginnen. Doch sie wird von ihrer Vergangenheit eingeholt: Trotz ärztlicher Behandlung hat sie immer öfter mit Wahnvorstellungen zu kämpfen. Verzweifelt stimmt sie schließlich einem Exorzismus zu.
Anfang der 70er Jahre. In einem kleinen Ort in Schwaben, in dem die gesellschaftlichen Aufbrüche und Verwerfungen der Zeit weit weg zu sein scheinen, ist Michaela Klingler sehr behütet und streng katholisch aufgewachsen. Jetzt, mit Anfang 20, will sie unbedingt weg.
Originaltitel: Requiem (D, 2004)
Regie: Hans-Christian Schmid
Darsteller: Sandra Hüller, Burghart Klaußner, Imogen Kogge
Länge: 85 Minuten
16:9, Stereo
FSK 16
Michaela möchte in Tübingen Pädagogik studieren. Als die Zulassung kommt, ist sie erleichtert und glücklich. Doch ihre Eltern, vor allem ihre Mutter, wollen sie nicht weglassen. Denn da ist "diese Sache". Michaela litt in der Schulzeit heftig unter Epilepsie, musste immer wieder ins Krankenhaus. Ihre Mutter fürchtet, dass die junge Frau nicht auf sich allein gestellt leben kann. Michaela aber ist sicher: wenn sie jetzt nicht geht, wird die Chance auf Freiheit vertan sein. Mit Rückendeckung durch den Vater beginnt sie ihr Studium, das sie sehr ernst nimmt.
Michaela will eine gute Studentin sein, die Zeit in Tübingen ausnutzen. Aber sie fängt auch an, die neue Freiheit zu genießen, gewinnt in Hanna eine Freundin und erlebt mit dem Chemiestudenten Stefan ihre erste Liebe. Ihre Lebenskreis dehnt sich aus. Doch die Krankheit holt Michaela ein. Bei einer Wallfahrt mit der Familie, bei der sie ohnehin wieder Kämpfe mit ihrer Mutter auszufechten hat, bricht sie nachts zusammen.
Von nun an hat sie immer öfter mit Wahnvorstellungen zu kämpfen. In Tübingen versucht sie ihre Ängste zu verbergen, sie schämt sich. Ihre Familie und ihre Freunde sollen nichts von dem wissen, was sie als ihr Scheitern erfährt. Nur Hanna bekommt ihren Zustand mit und versucht, Michaela dazu zu bewegen, zum Arzt zu gehen. Aber Michaela glaubt nicht, dass Ärzte ihr helfen können. Sie hört Stimmen und glaubt sich von Gott verlassen.
Bei Pfarrer Landauer, dem Pfarrer ihrer Heimatgemeinde, findet sie keine Hilfe, Landauer findet die Vorstellung, die junge Frau sei vom Teufel besessen, nicht akzeptabel. Bei seinem engagierten jungen Kollegen Martin Borchert findet Michaela ein wenig mehr Verständnis. Er nimmt Michaelas Wahrnehmung von Dämonen ernst und schlägt ihr und ihren Eltern einen Exorzismus vor.
Zuerst wehrt sich Michaela erfolgreich. Doch da sich ihr Zustand nicht bessert, willigt sie schließlich in einen Exorzismus ein.
Mit in seiner Genauigkeit fast dokumentarisch wirkendem Blick lässt Hans-Christian Schmid in seinem Kinofilm "Requiem" das provinzielle Milieu Anfang der 70er Jahre beklemmend lebendig werden. Der Hauptfigur dieser von einem wahren Fall inspirierte Geschichte nähert er sich mit Diskretion und ohne vorgefertigte Erklärungsmuster. Daraus entwickelt sich einer enormer Sog, der nicht zuletzt der Leistung von Sandra Hüller in ihrer ersten Filmrolle zu verdanken ist. Sie wurde dafür unter anderem mit dem Silbernen Bären der Berlinale 2006, dem Bayerischen Filmpreis als beste Nachwuchsdarstellerin und dem Deutschen Filmpreis für die beste darstellerische Leistung ausgezeichnet.