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Teuer, sinnlos, gefährlich Forscher warnen vor EU-Glühbirnenverbot (05.01.2009)

Die Europäische Kommission will 2009 die Glühbirne aus allen europäischen Haushalten verbannen. Mit dem Verbot der Glühbirne soll ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Stimmt das? Klimaschützer und Mediziner üben immer heftigere Kritik an dem Verbot.

Von Mike Lingenfelser
Stand: 05.01.2009

Seit über 100 Jahren spendet sie ein wärmendes, lebendiges Licht – die Glühbirne ist schlichtweg ein Kulturgut. Ein Kulturgut, das jetzt von der EU im Namen des Klimaschutzes verboten wird. Zugunsten von Energiesparlampen mit oft blassem oder bläulichem Licht. Doch der Widerstand gegen das Glühlampenverbot wächst.

Umfrage unter Verbrauchern:

"Das ist ja Entmündigung des Kunden, des Verbrauchers, wenn wir  nicht mehr selbst entscheiden dürfen. Das finde ich allerhand!"

"Mit Verboten, finde ich, erreicht man sowieso nicht viel. Man müsste die Leute überzeugen."

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Video: Forscher warnen vor EU-GlühbirnenverbotDie Europäische Kommission will 2009 die Glühbirne aus allen europäischen Haushalten verbannen. Mit dem Verbot der Glühbirne soll ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Stimmt das? Klimaschützer und Mediziner üben immer heftigere Kritik an dem Verbot. 

Die EU-Kommission dagegen feiert ihr Verbot wie ein Wunderwerk.

Andris Piebalgs, EU-Energiekommissar: "Dies ist unsere bisher sichtbarste ökologische Maßnahme. Bahnbrechend."

Was bringt das Glühbirnenverbot? In Potsdam fragen wir einen Co-Vorsitzenden des Weltklimarats und erhalten dort eine erstaunliche Antwort.

Prof. Ottmar Edenhofer, Co-Vorsitzender Weltklimarat: "Das Verbot der Glühbirne ist blinder Aktionismus und zeugt von einer Regulierungswut, die der Klimapolitik kaum hilft, denn es geht jetzt nicht darum, den Bürgern etwas zu verbieten, sondern nach Möglichkeit den Bürgern Anreize zu schaffen, die sie dafür belohnen, wenn sie herausfinden, wo man am günstigsten und billigsten CO2 vermeidet."

Doch damit nicht genug. Energiesparlampen könnten auch gesundheitsschädlich sein. Das fürchtet der Berliner Charité-Chefarzt Dieter Kunz. In Untersuchungen hat er herausgefunden: Ein hoher Blauanteil im Lampen-Lichtspektrum wirkt wie ein Wachmacher auf den menschlichen Körper. Denn das bläuliche Licht unterdrückt das Schlafhormon Melatonin. Wenn die Sparlampen also künftig allabendlich die Wohnzimmer erleuchten, könnte dies auf Dauer ungesunde Folgen haben.

Dr. Dieter Kunz, Chefarzt Psychiatrisches Uniklinikum Charité: "Die heute gebräuchlichen Energiesparlampen haben einen hohen Blauanteil. Und Licht aus dem blauen sichtbaren Spektrum ist ein Takter für die innere Uhr am Tage. Das heißt, es ist sehr gut für die innere Uhr, wenn am Tage ein hoher Blauanteil da ist. Wenn dieser Blauanteil aber während Nacht vorhanden ist, dann ist das falsche Signal an die innere Uhr und bringt diese durcheinander. Störungen der inneren Uhr – wissen wir heute – führen zu Störungen in jedem Bereich der Medizin; wir wissen, dass das zum Beispiel Einfluss hat auf Tumorerkrankungen, aber auch auf Herzinfarkte, auf Depressionen und ganze Reihe von anderen Erkrankungen."

Der Lichtdesigner und Elektroingenieur Professor Kramer nimmt diese Bedenken sehr ernst. Er hat die Beleuchtung für berühmte Museen, Denkmäler und Kultureinrichtungen auf der ganzen Welt installiert. Kramer ist ein Gegner der Energiesparlampen. Und er ist sogar davon überzeugt, dass auch die neuen Sparlampen, die ein wärmeres Licht versprechen, das bedenkliche Blau in ihrem Spektrum enthalten.

Prof. Heinrich Kramer, Universität Aachen: "Es ist und bleibt immer der selbe Blauanteil in der Lampe drin und der schädigende Anteil bleibt eben auch der gleiche. Das ist ganz unabhängig von der Art der Lichtfarbe, die ich kaufe, ob ich warm-weiß oder neutral-weiß oder Tageslicht-weiß."

Wir konfrontieren den Herstellerverband ZVEI mit den Bedenken. Der räumt sogar ein, dass "Licht mit höheren Blauanteilen eher wach macht". Allerdings sei "für einen natürlichen Melatonin-Zyklus die Art des Leuchtmittels zu Hause weniger relevant als die Intensität des verwendeten Lichts". Vorsichtshalber rät der ZVEI:

"Wer dennoch den Eindruck hat, dass Energiesparlampen zu Einschlafstörungen führen, kann an deren Stelle Halogenlampen einsetzen."

In Brüssel konfrontieren wir auch die EU-Kommission. Der zuständige Sprecher sieht für gesundheitliche Risiken von Energiesparlampen keine wissenschaftlichen Belege. Auch von den Bedenken der Klimaforscher, dass ein Glühlampenverbot womöglich gar keinen Klimaschutz bringt, will er nichts wissen.

Ferran Tarradellas, EU-Kommission: "Wir sprechen von jährlich fünf bis zehn Milliarden Euro, die mit dieser Maßnahme eingespart werden können. Wir sprechen von 15 Millionen Tonnen CO2-Einsparungen in der Industrie und 50 bis 60 Euro, die jeder Haushalt mit Energiesparlampen sparen kann. Wie auch immer betrachtet, es ist eine sehr gute Nachricht für den Verbraucher."

Holger Krahmer, FDP, Europaabgeordneter: "Dass Milliarden zurückfließen, ist hochgradig fragwürdig. Ich habe eher das Gefühl, dass die Industrie das Produktverbot auch deshalb begrüßt, weil sie an den klassischen Lampen, die seit 100 Jahren auf dem Markt sind, nichts mehr verdient und sehr gerne die Energiesparlampen nach vorne drücken will, weil da die Margen höher sind. Am Ende belastet das den Verbraucher."

"Glühlampen-Sozialismus" nennt Holger Krahmer das. Wir fragen noch einmal den Klimaschützer in Potsdam, warum er das Glühlampenverbot ablehnt und auf andere Maßnahmen zur Vermeidung von CO2-Klimagasen setzt.

Prof. Ottmar Edenhofer, Weltklimarat und PIK Potsdam: "Die EU soll sich darum kümmern, dass wir einen vernünftigen Emissionshandel bekommen. Wenn nämlich der Emissionshandel funktioniert, dann werden damit automatisch die günstigsten Vermeidungsoptionen herausgefunden. Und dann ist ein Glühbirnenverbot überflüssig."

Mit dem Emissionshandel gibt es also schon eine EU-Maßnahme, um CO2 einzusparen, sagt auch der renommierte Klimaökonom Andreas Löschel. Ein zusätzliches Glühlampenverbot bringe daher nichts.

Andreas Löschel, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung: "Durch das Glühlampenverbot wird in Europa keine Tonne CO2 eingespart werden. Wir haben in Europa ein sehr gutes Instrument, den Emissionsrechtehandel, der eine Obergrenze für die Emissionen mit CO2 festlegt. Wenn nun durch das Glühlampenverbot weniger Strom nachgefragt wird, führt das dazu, dass die Stromerzeuger weniger von diesen Verschmutzungsrechten benötigen, genau diese werden aber andere Branchen aufgreifen und in der Summe bleiben die Emissionen an CO2 die gleichen. Die beiden Instrumente zusammen, Glühlampenverbot oder andere technische Maßnahmen und der Emissionsrechtehandel funktionieren nicht. Ökologisch ist das Glühlampenverbot vollkommen wirkungslos."

Im Gebäude der EU-Kommission sieht man das natürlich anders und lässt in den Büros demonstrativ Energiesparlampen strahlen.

Eine Verbraucherin im Baumarkt: "Jetzt nehmen wir noch die letzten zwei. Und schau, dann ist das ganze Regal schon leer gekauft."

Unterdessen legen sich wütende Verbraucher wie hier in München bereits vorsorglich einen Glühbirnenvorrat an. Sie wollen sich ihre Lebensqualität nicht von der EU verordnen lassen.

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