09.02.2010
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Es war ein klares Statement des Münchner Publikums: Nach den monatelangen Querelen der Münchner Philharmoniker mit ihrem Chef Christian Thielemann und dessen geplantem Wechsel nach Dresden wurde das Orchester gestern Abend ausgebuht, Thielemann dagegen gefeiert.
Stand: 16.10.2009
Ein harmonischer Konzertabend sieht anders aus: Vor Beginn des gestrigen Bruckner-Konzertes in der Münchner Philharmonie äußerte das Publikum vernehmlich seinen Unmut. Als Konzertmeister Sreten Kristic das Podium betrat und das Orchester mit dem Einstimmen begann, buhten viele Zuhörer, einer beschimpfte die Musiker lautstark als "Intrigantenstadel". Dirigent Thielemann selbst, nach mancher Ansicht der derzeit beste Bruckner-Interpret, wurde beim Betreten des Podiums bejubelt - womit das anwesende Publikum im monatelangen Streit zwischen Philharmonikern und Generalmusikdirektor klar Partei ergriff.
Bildunterschrift: Münchens Gasteig: Wenig Harmonie in der Philharmonie
Es war das erste Abonnementkonzert mit Christian Thielemann nach seiner Aufsehen erregenden Trennung von dem Orchester zum Sommer 2011. Thielemann hatte einer Verlängerung seines Vertrags als Generalmusikdirektor der Philharmoniker nicht zugestimmt.
Bildunterschrift: Thielemanns neuer Arbeitsplatz ab 2012: Die Semperoper
Grund war eine vom Orchester gewünschte Vertragsklausel, nach der nicht Thielemann, sondern der Philharmoniker-Intendant Paul Müller das letzte Wort bei Entscheidungen über Gastdirigenten und deren Programme gehabt hätte. Thielemann wollte diese Klausel nicht akzeptieren. Der Stadtrat entschied daraufhin im Juli, die Vertragsverhandlungen abzubrechen. Am vergangenen Wochenende wurde dann überraschend bekannt, dass Thielemann ab 2012 Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle in Dresden wird.
Die überzeugende Aufführung von Bruckners 9. Symphonie besänftigte die Gemüter schließlich doch. Am Ende feierte das Publikum Orchester und Dirigent gleichermaßen. Thielemann umarmte seinen Konzertmeister Kristic. Ausgestanden dürfte die Missstimmung unter Münchens Klassikfans freilich auch nach dem Finale von Bruckners "Unvollendeter" noch lange nicht sein.
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