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10.02.2010


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Temperaturanstieg Tauwetter am Südpol

Die Antarktis galt bisher als immun gegen den Klimawandel. Im Gegensatz zum Nordpol schienen dort die Temperaturen stabil zu sein. Eine neue Studie zeigt jedoch: Die Antarktis wird wärmer. Und der Kampf gegen das Ozonloch beschleunigt diese Entwicklung sogar.

Stand: 22.01.2009

Pinguine vor einem Forschungsschiff mit schematische Karte des Südpols

Lange Zeit schienen am Südpol die Temperaturen nur in relativ kleinen Gebieten am Rande des eisigen Kontinents zu steigen. Zum Beispiel auf der Antarktische Halbinsel, die sich rund 800 Kilometer Richtung Feuerland erstreckt. Der Rest der Antarktis dagegen blieb jedoch nach Ansicht der meisten Klimaforscher kalt oder kühlte sogar weiter ab.

Erwärmung auf dem ganzen Kontinent

Eisberg an der Oates Küste in der Antarktis im Licht der untergehenden Sonne

Bild vergrößern Bildunterschrift: Höhere Temperaturen lassen das Eis am Südpol schmelzen.

Eine neue Analyse zeigt nun aber: Die Antarktis hat sich in den vergangenen 50 Jahren erwärmt, und zwar überall. In der Westantarktis stiegen die Temperaturen sogar ähnlich stark an wie im Rest der Welt. In der Ostantarktis ließen sich zwar im Herbst sinkende Temperaturen beobachten. Über das gesamte Jahr hinweg betrachtet zeigte sich jedoch auch in der Osthälfte des Kontinents eine Erwärmung.

"Kopfrechnen statt wirklicher Mathematik"

Für ihre Studie kombinierte das Wissenschaftlerteam um Eric Steig von der Universität Washington in Seattle Messungen von 42 Wetterstationen in der Antarktis mit Infrarotaufnahmen von Satelliten. Mithilfe dieser Daten rekonstruierten die Forscher mit statistischen Methoden, wie sich die Temperaturen von 1957 bis 2006 entwickelt hatten. Das überraschende Ergebnis ihrer Berechnungen haben sie jetzt in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht: Die Antarktis erwärmt sich. Mit bisherigen Temperaturanalysen geht Steig hart ins Gericht: "Manche haben im Kopf gerechnet, statt wirklich Mathematik zu betreiben."

Auch im Osten steigen die Temperaturen

Ilustration westliche Antarktis

Bild vergrößern Bildunterschrift: Temperaturen im Westen und Osten der Antarktis

In der Westantarktis stieg die Temperatur laut der neuen Untersuchung sogar stärker an als auf der Antarktischen Halbinsel, die bisher als Spitzenreiter bei der Erwärmung galt. In den vergangenen 50 Jahren wurde es auf der Landzunge pro Jahrzehnt durchschnittlich 0,11 Grad wärmer. In der Westantarktis waren es dagegen 0,17 Grad Celsius. Auch in der Ostantarktis stiegen die Temperaturen seit 1957 pro Dekade um 0,1 Grad.

Kältefaktor Ozonloch

Laut Klimaforscher Steig könnte der Kampf gegen das Ozonloch die Erwärmung noch beschleunigen. Anfang der 90-er Jahre wurde die Verwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) verboten, die für das Wachsen der Lücke in der Atmosphäre verantwortlich sind. Das Ozonloch könnte sich daher nach Ansicht des Wissenschaftlers bis Mitte des Jahrhunderts schließen. Dadurch würde die Temperatur in höhreren Schichten der Atmosphäre steigen, und das würde wiederum die Richtung der Winde am Südpol ändern: Über das Zentrum der Antarktis zögen dann weniger kalte Westwinde. Mit dem Ozonloch fiele also auch dessen kühlender Effekt weg, und die gesamte Antarktis würde sich, so Steig, "im Gleichschritt mit der restlichen Welt erwärmen".

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