21.11.2009
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Der Schreiner oder Tischler zählt zu den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen in Deutschland. Eine große Zahl von Bewerbern steht einer eher beschränkten Zahl von Ausbildungsstellen gegenüber. Es ist also ziemlich schwer eine Lehrstelle als Schreiner zu ergattern.
Stand: 03.08.2008
Pascual schuftet im Holzlager. Zusammen mit einem Kollegen stemmt er eine dicke Holzbohle nach der anderen. Das geht ins Kreuz. Gemeinsam suchen die beiden angehenden Schreiner das richtige Stück aus: Teamarbeit. Wer mit den Händen in der Tasche herumsteht, der ist in einer Schreinerei Fehl am Platz. Stephan, der Meister, bringt Pascual den Umgang mit Holz und Werkzeugen bei. In Pascuals Ausbildungsbetrieb, bei den Möbelmachern im mittelfränkischen Unterkrumbach, bilden Lehrling und Meister ein festes Team.
Der neue Auftrag: Ein Schlafzimmer. Das dicke Vollholz ist ziemlich teuer. Bis Pascual alle Kniffe drauf hat, dauert es noch anderthalb Jahre. Deshalb darf er hier noch nicht alleine ran. Der Schlafzimmerschrank ist ein Job für den Helmut, den Altgesellen. Pascual baut stattdessen die Nachttischchen. Offiziell heißt Pascuals Ausbildungsberuf Tischler, aber in Süddeutschland sagen fast alle Schreiner dazu. Viele angehende Tischler, machen erst ein Berufsgrundschuljahr - ein Jahr lang pauken in der Berufsschule, und Geld gibt es auch nicht dafür. Aber wenn die Lehrlinge im zweiten Jahr in die Betriebe gehen, haben sie schon alle Fachbegriffe drauf. Zumindest theoretisch. Die einen bauen Küchen, die anderen Fenster, die dritten produzieren Wohnmöbel. Nach einer langen Flaute in der Baubranche boomt jetzt wieder das Geschäft mit maßgeschneidertem Holz.
"Ich mache eine Schreinerausbildung und ich habe sehr, sehr viel Spaß daran, weil ich eine Fähigkeit erlerne, nicht einfach nur Wissen, sondern eine Fähigkeit. Ich kann etwas machen, mit meinen Fingern. Ich kann es nicht beschreiben, was ich kann, aber ich kann es einfach. Ich habe es in meinem Kopf, in meinen Adern, ich kann es jederzeit auspacken und Möbel bauen und habe sie dann am Ende da stehen."
Zum Hobel greift Pascual nur selten. Moderne Schreinereien automatisieren viele Arbeitsschritte. Nur so können sie konkurrenzfähig produzieren. Wer keine Lust an Mathe und Computerarbeit hat, der tut sich schwer an CNC-Fräse oder automatischer Hobelmaschine. Deshalb sieben die Chefs gewaltig aus. Vor der Lehre hat Pascual Abi gemacht. Immer mehr Azubis waren auf dem Gymnasium. Freilich kann man auch mit einem Hauptschulabschluss, einem Ouali oder der mittleren Reife ein guter Schreiner werden. Es gilt: Je besser die Noten, desto besser die Chancen. Mit einer vier in Mathe wird man aber oft gar nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen.
Fenster, Türen, Wintergärten: Das ist die Welt der Bauschreiner. Sie brauchen zwei Zusatzqualifikationen für ihren Job. Erstens: Gute Nerven! Denn die Auftragslage hängt - anders als beim Möbelschreiner - unmittelbar von der Stimmung in der Baubranche ab. Und zweitens muss ein Bauschreiner wetterfest sein.
Jedes Fenster ist ein Einzelstück. Manchmal unterscheiden sich die Einbaumaße nur um wenige Millimeter von Rahmen zu Rahmen. Bauschreiner müssen deshalb besonders präzise arbeiten. Bei größeren Betrieben teilt sich das Team die Arbeit. Montagespezialisten gehen auf die Baustelle, andere produzieren in der Werkstatt. In kleinen Bauschreinereien muss jeder alles können.
Bei einem flüchtigen Blick in eine Bauschreinerei könnte man meinen: Mensch, die machen ja immer nur dasselbe. Stimmt aber nicht! Langweilig wird es nie. Oberflächenbehandlung, Spezialverglasung - Herausforderungen gibt es genug. Möbelschreiner und Bauschreiner wechseln nur sehr selten zwischen ihren Bereichen.
"Schreiner soll einer der schwierigsten Berufe der Welt sein. Warum? Ja, weil man vieles mitbringen muss, aber auch vieles lernen kann. Also: man muss fleißig sein, dann hat fast jeder die Chance, Schreiner zu werden. Ja, ein bisschen Gefühl sollte man mitbringen, die haptischen Fähigkeiten, dass ich etwas anfasse und da meinen Spaß dran habe, das ist wichtig. Ich muss meine Sinne einsetzten! Das ist das A und O."
Übrigens, wer sich nach der Schreinerlehre selbstständig machen will, der muss nicht zwingend einen Meisterbrief in der Tasche haben. Es reicht, wenn man als Geselle mindestens sechs Jahre lang in leitender Position gearbeitet hat. Das ist die so genannte Altgesellenregelung. Ausbilden darf man dann freilich nicht. Für Pascual ist das aber noch Zukunftsmusik. Er hat noch anderthalb Jahre vor sich, bis er die Gesellenprüfung ablegen kann.
Kurz vor Feierabend: Pascual hat seine Tischchen fast fertig. Es ist vielleicht nur ein Nachttischchen, aber es ist etwas, auf das er Stolz sein kann - hier steckt schließlich 100% Pascual drin.
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