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10.02.2010


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Campus Global Der goldene Käfig steht offen: Bildung und Karriere für die Töchter der Scheichs

In Dubai, dem kleinsten Scheichtum der Emirate, herrscht seit 15 Jahren Aufbruchstimmung. Dazu gehört, dass die Regierung beschlossen hat, dass Frauen studieren und Karriere machen sollen.

Stand: 08.06.2009

Frauen verfolgen das Rennen zum Großen Preis von Abu Dahbi 2007

Neue Schulen und Universitäten mit bester Ausstattung stehen für die Frauen bereit. Die weibliche Bevölkerung Dubais soll später führende Positionen übernehmen. Die Absolventinnen der ersten Generation in den Emiraten erleben jetzt, dass sie selbstständig und unabhängig sein können. Für ihre Mütter war das reine Utopie. Immer häufiger sehen die Frauen Vorteile in der neuen Freiheit und wollen mehr. Die Väter, Brüder und Ehemänner haben dafür aber wenig Verständnis. Sie schätzen gebildete Frauen, gleichzeitig wachen sie darüber, dass die Familientradition, die Hierarchie und die Rolle der Frau unverändert bleiben. Das wird von Tag zu Tag schwieriger, denn die Töchter der Scheichs wollen Karriere machen. Am Beispiel des Dubai Women’s College, eine der fortschrittlichsten Universitäten für Frauen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, zeigt der Film, wie sich die Situation der arabischen Frauen durch Bildung verändert hat und welche Entwicklungen das mit sich bringt.

Bildung und Karriere für Emirati-Frauen

Nayla al Khaja, 27 Jahre alt, wurde zur „Frau des Jahres“ gewählt. Sie ist die erste Filmproduzentin der Vereinigten Arabischen Emirate. Nur wenige einheimische Frauen haben es soweit gebracht. Zwei Firmen hat sie gegründet, eine Grafikdesign-Agentur und die Filmproduktion „DESSART-Productions“. Bevor sie Filmproduzentin wurde, studierte sie Medien am Dubai Women’s College. Im Anschluss daran gründete sie keine Familie, wie üblich, sondern arbeitete als Moderatorin und lehrte Studentinnen Regie und Journalismus.

In der Öffentlichkeit wird sie vom Herrscher und auch von ihrer ehemaligen Universität als Vorbild und Aushängeschild des Fortschritts gepriesen. Dabei hat sie bis heute zu kämpfen – gegen zahlreiche Widerstände. Alleine Reisen ist arabischen Musliminnen nicht gestattet. Nayla muss bei jedem Buisinesstrip ihren Bruder bitten, mitzukommen. Hat er keine Zeit, platzen Verträge, Kunden sagen ab, sie muss finanzielle Verluste in Kauf nehmen. Auch alleine wohnen bleibt für Nayla nur ein Traum. Wenn eine Singlefrau alleine wohnt, wird sie verachtet, ihr guter Ruf ist damit beschädigt. Das kann sich Nayla nicht leisten, wenn sie weiterhin ihre Firmen führen möchte. Will eine Frau ins Ausland gehen, machen es ihr die Gebote der islamisch-arabischen Tradition besonders schwer. Als Nayla an einer Filmhochschule in Kanada studieren wollte, blieb ihr nur eine Chance. Sie musste heiraten.

Jetzt ist sie wieder geschieden. Das alles hat sie auf sich genommen für einen internationalen Hochschulabschluss.

Sara Omar ist 21 Jahre alt und studiert wie einst Nayla am Dubai Women’s College Tourismus. Damit würde sie später gern ihr eigenes Geld verdienen. Unvorstellbar wäre das noch vor 17 Jahren gewesen. Viele Mütter der Studentinnen haben keine Ausbildung oder sind gar Analphabeten. Als Direktor Dr. Howard Reed 1989 seinen Posten am Dubai Women’s College antrat, gab es knapp 200 Studentinnen. Keine davon beendete ihr Studium und keine Frau im Emirat war berufstätig. Das Dubai Women’s College ist eine der renomierten Hochschulen des Landes, nur für Frauen, ausgestattet wie ein 5 Sternehotel und ohne Studiengebühren. Als Einstiegsgeschenk gibt es zu Semesterbeginn einen Laptop vom Scheich.

Die Regierung

Dubai ist der wirtschaftliche Spitzenreiter des Landes. Weil in drei Jahren aber das Öl ausgeht, stampft die Herrscherfamilie als Ersatz ein wahres Business-Mekka aus dem Boden – inklusive Steueroase. Die Arbeit erledigen Hunderttausende von Ausländern. Während Bauarbeiter und Bedienstete wie Sklaven schuften müssen, erhalten Europäer und Amerikaner überdimensional hohe Löhne. Die Regierung wacht darüber, dass gleichzeitig die winzige Minderheit einheimischer Araber, die Emiratis, nicht die Kontrolle verliert. Dafür müssen in Zukunft auch Frauen leitende Positionen übernehmen. Also haben die Scheichs beschlossen, Frauen ausbilden zu lassen.

Berufe für Frauen

Frauen dürfen in den Emiraten viele Berufe erlernen. Allerdings: nicht alle Berufe. Naturwissenschaften und Ökonomie werden nach weltweiten Standards gelehrt. Eine Frau kann Ärztin, Chemikerin, Wirtschaftswissenschaftlerin oder auch Sofwareentwicklerin werden. Aber nicht Richterin oder Theologin. Geistes- und Sozialwissenschaften werden für Frauen an den Universitäten nicht angeboten. Die Dozenten, die fast alle aus westlichen Ländern stammen, müssen sich dabei an ganz genaue Regeln halten. Sie dürfen die Religion, die Familie und die nationale Identität nicht beleidigen oder in Frage stellen. Alles, was der Koran sagt, steht nicht zur Diskussion.

Kontakt zu Ausländern

In den Vereinigten Arabischen Emiraten schließen die Studentinnen viel besser ab als ihre männlichen Kommilitonen. An den Universitäten schreiben sich ein Drittel mehr Frauen als Männer ein. Das liegt aber auch daran, dass es hier Frauen schwerer gemacht wird im Ausland zu studieren. Das Dubai Women’s College hat daher schon zum zweiten Mal Studentinnen aus aller Welt zu einer Konferenz nach Dubai eingeladen. Damit hat die Universität für die emiratischen Studentinnen endlich eine Möglichkeit geschaffen, dass sie Frauen anderer Kulturen kennen lernen konnten.

Julia Schmitt-Thiel, Politikwissenschaftlerin aus München, hat den Studentinnenaustausch von Deutschland aus organisiert und die Konferenz geleitet. Das Thema lautete: „Frauen in Führungspositionen“. In Arbeitsgruppen wurden Fakten analysiert und diskutiert. Es ging um Frauenrechte, den Islam und die Gesetzgebung der Scharia. Der Rechtsanwalt Dr. Al Roken erklärte auf der Konferenz, wie das jahrhundertealte Gesetz des Islam dem heutigen Leben angepasst werden kann. Wo früher z.B. ein Kamelritt maßgebend war, gilt heute eine Flugreise. So sind in dem komplexen Rechtssystem manche Gebote interpretierbar, andere unantastbar. Für moderne Straftaten gibt es in der Scharia gar keine Richtlinien. Sie müssen oft neu geschaffen werden. Bis heute sind Staat und Religion in den Emiraten nicht getrennt.

Die Frauen über den Islam

Die Musliminnen erklären, dass sie oft Missverhältnisse erleben zwischen dem, was im Koran stehe, und dem, was Menschen daraus gemacht hätten. Zahlreiche Beispiel gebe es dafür. So war die erste Frau des Propheten Mohammed eine bewanderte Geschäftsfrau, doch viele arabische Musliminnen hocken zu Hause. Auch die Geschichten von Maria, der Mutter Jesu oder der Frau des Pharao, die Moses als Baby adoptierte, zeigen, dass die Geschichte des Islam von starken Frauenpersönlichkeiten durchzogen. Nur hätten oft Männer ihren eigenen Willen über den Allahs gestellt. Die Weisungen Gottes im Koran dienten auf keinen Fall dazu, Frauen zu unterdrücken. Die Bildung von Frauen sei der Schlüssel dazu, für sich selbst herauszufinden, was der Islam überliefert hat und wie Frauen das in ihrem Leben realisieren können.

Die Bildung der Frauen hat in Dubai bereits einen rasanten Aufbruch aus dem goldenen Käfig in Gang gesetzt. Sie wird die Frauen über ihre Grenzen hinausführen und ihre Möglichkeiten erweitern. In drei Jahren versiegen die Ölquellen in den Vereinigten Arabischen Emirate. Die Wirtschaft braucht neue Industrien. Die Scheichs haben beschlossen, ihre Frauen sollen sich für den Arbeitsmarkt qualifizieren.

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