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Unser Land Bayern - "Nürnberger Tand" - Spielzeug von Gestern und Heute
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Inhalt Spielzeug bringt die Fantasie auf Touren – selbst wenn man nur einen kurzen Blick auf das im Nürnberger Spielzeugmuseum ausgestellte und im Laufe von Jahrzehnten, bisweilen sogar im Laufe von Jahrhunderten angesammelte Spielzeug wirft. Und: Spielzeug ist für Kinder ein Mittel, ihre Welt zu begreifen und in die Welt der Erwachsenen hineinzuwachsen. Spielzeug schult den Blick, die Motorik der Hände und bereitet Geist und Seele auf das spätere Leben vor. Das definiert sich mit jeder Generation immer wieder neu, denn so wie die Welt sich ändert, so verändert sich auch das Spielzeug. Nürnberg war seit dem Mittelalter eine Stadt, in der verschiedene Gewerbe und Handwerker ansässig waren, und egal, ob sie mit Holz oder Metall gearbeitet haben, fast immer haben sie Spielzeug im Nebenberuf hergestellt. Für den Vertrieb dieses in Nürnberg hergestellten Spielzeugs brauchte man Kaufleute mit internationalen Beziehungen, und Nürnberg galt am Ende des Mittelalters nicht nur als Zentrum des Handwerks, sondern auch des Handels und war dafür bekannt, Waren in alle Welt zu “verhandeln”. Hier liefen zu Beginn der Neuzeit zwölf Handels- und Fernstraßen zusammen und Nürnberger Erzeugnisse und Waren wurden auf allen bedeutenden europäischen Märkten angeboten. Jeder kennt das berühmte Wort: “Nürnberger Tand geht durch alle Land” – und damit war nicht allein Spielzeug gemeint, das in der Stadt hergestellt worden war, sondern auch solches, das von woanders herkam (z.B. aus dem Erzgebirge) und über Nürnberg in die Welt hinausging. Es gab mehrere Möglichkeiten, wie man früher Waren verkaufte, sei es über die mittelalterlichen Kaufmannszüge oder über die in späterer Zeit durch das Land ziehenden Hausierer , die mit einer mit Spielzeug beladenen Kraxe auf ihrem Rücken von Dorf zu Dorf, von Jahrmarkt zu Jahrmarkt zogen. Ende des 18. Jahrhunderts gab es dann die Möglichkeit, Spielzeug über den Versandhandel zu beziehen – eine bereits recht moderne Variante des Handels, die um diese Zeit in Nürnberg erfunden wurde und bei der man sich “Musterbücher” zum Anschauen bestellen konnte. In den “Katalogen”, in denen Hunderte von Spielsachen anhand von kolorierten Stichen vorgestellt waren, konnte man zuhause in aller Ruhe blättern, das Gewünschte aussuchen und bestellen (z.B. eine Arche Noah , ein stilisiertes Schiff aus Holz mit zahlreichen Tierpaaren, die im Erzgebirge nach einer raffinierten Methode – dem Drehen aus einem Holzring – gefertigt wurden). Ein beliebtes Spielzeugmotiv aus der Gattung der beweglichen Spielzeuge war im 19. Jahrhundert der Hampelmann – in den unterschiedlichsten Variationen, z.B. als türkischer Räuber mit riesigem Turban oder als schneidiger Soldat in Uniform –, mit dem man auch hochrangige Soldaten und Politiker zu “Hampelmännern” degradieren und so lächerlich machen konnte. Daneben gab es Reitschulen , deren bewegliche hölzerne Reiter man mittels einer Kurbel in Gang setzen und sich um eine Achse drehen lassen konnte. Puppen waren zur damaligen Zeit genauso beliebt wie im 20 Jahrhundert und bis heute, auch wenn sich ihre Form und Gestaltung vielfach änderte. Zunächst gab es einfache Gelenkpuppen , die aus glatten Holzteilen zusammengefügt und an den Gelenken zur besseren Beweglichkeit mit einem kleinen Eisenstift durchbohrt wurden; in späterer Zeit wurden sie abgelöst von solchen mit wertvolleren Wachs- oder Porzellanköpfchen und in gerüschten Seidenkleidern. Ein typisches Spielzeug “made in Nürnberg” waren die Zinnfiguren . In der Nürnberger Traditionsfirma Heinrichsen sind noch heute Tausende von alten Formen aufbewahrt, oft aus der Biedermeierzeit, die ihr Geheimnis erst dann enthüllen, wenn sie mit einer Zinnlegierung ausgegossen werden. Das Gussverfahren, bei dem zwei flache Formteile aus Schiefer aufeinander gelegt und mit 300 Grad heißem Zinn ausgegossen werden, ist uralt. Auch heute wird erst nach dem Erkalten der Form unter der Lupe deutlich, wie fein die Formen graviert sind und wie der anschließende Farbauftrag winzige Details herausholt, die dann die Figuren plastisch und lebendig erscheinen lassen. Die Herstellung von Zinnfiguren ist aufwändig und heute nur noch für Sammler interessant. Doch zu einer Zeit, als es noch keine Fotos gab, dienten Zinnfiguren dazu, wichtige Ereignisse abzubilden (z.B. für Karl-May-Liebhaber), und zwar zur Belehrung der Jugend als auch als “Zeitung” in Zinn für die Erwachsenen - leisten konnten sich ein solches Spielzeug wohl nur gutsituierte großbürgerliche Familien. Puppenküchen und Puppenhäuser sind noch so eine Nürnberger Erfindung. Bereits um 1800 baute man solche Puppenküchen originalgetreu im Kleinformat nach. Sie waren mit allem ausgestattet, was man auch in Wirklichkeit brauchte, z.B. Geschirr aus Zinn, damit die Bürgerstöchter daran lernen konnten, wie man einen Haushalt führt. Puppenstuben haben immer eine Menge zu erzählen über die Zeit, in der sie entstanden sind, wie z.B. das aus Edelhölzern und Perlmutt handgefertigte Puppenhaus aus der Zeit des Jugendstil – die Frage ist allerdings, ob man als Kind vernünftig damit spielen konnte. Handfester waren im Gegensatz dazu sicherlich solche Puppen wie die aus der Kollektion von Käthe Kruse oder die Puppe mit Waschbrett und Kohlebügeleisen, mit der man die mühsamen Alltagstätigkeiten so richtig nachspielen konnte. Manche der Puppen haben Lederkörper und ein Gesicht aus Porzellan, wieder andere sind aus Papiermaché oder Wachs modelliert – Frisur und Kleid zeigen an, aus welcher Zeit die oftmals feinen Damen stammen. Der erste Rechtsstreit nun, ob Entwerfen und Herstellen von Spielzeug eine künstlerische Tätigkeit ist, wurde aufgrund einer Klage der “Puppenmutter” Käthe Kruse gegen den damals weltgrößten Spielwarenkonzern, der ihre Puppen ohne Erlaubnis nachgebaut hatte, zu ihren Gunsten entschieden – die Hauptrolle spielte dabei der im Nürnberger Spielzeugmuseum ausgestellte “Seppel” , eine ganz dem Klischee des Bayern in Lederhose und Tirolerhut entsprechende Puppe. Vielleicht ist Nürnberg deshalb zur großen Metropole des Blechspielzeugs geworden, da in dieser Stadt die erste deutsche Eisenbahn gefahren ist und kurze Zeit später hier bereits die ersten Spielzeugeisenbahnen hergestellt wurden. Genauso schnell produzierten Nürnberger Fabriken die Dampfmaschine als Blechspielzeug und vom Fortschrittsglauben geprägte Eltern schenkten insbesondere ihren Söhnen solches Dampfspielzeug oder einen Metallbaukasten . Fabriziert wurden daneben auch Blechautos mit Uhrwerksantrieb und viel figürliches Spielzeug mit mechanischem Aufzug, das vor allem auf Erfindungen und Patente von Ernst Paul Lehmann zurückgeht, einen skurrilen erfindungsreichen Mann. Ihn faszinierte alles, was sich bewegte und in mechanisches Spielzeug umsetzen ließ, und er ließ sein Spielzeug damals zu ganz niedrigen Preisen über Straßenhändler auf den Märkten und Messen von Leipzig und Berlin verkaufen. Ein besonderer Verkaufsschlager war der “Kletteraffe” an einem Drahtseil, bei dem die Zugkraft in die Bewegung der Arme und Beine umgesetzt worden war. Als es nach dem Zweiten Weltkrieg nichts mehr zu kaufen gab, mussten sich die Leute auch beim Spielzeug etwas einfallen lassen: Walnussschalen wurden bemalt und so zu Marienkäfern , Ballnetze selbst genäht und gehäkelt, Puppenkinder aus Pappe gebastelt. Doch schon ein paar Jahre später, als es mit der Wirtschaft steil bergauf ging und im ganzen Land viele Autos produziert wurden, kamen die Schuco-Baukästen , mit denen kleine Rennwagenmonteure Spielzeug-Rennautos zusammenbauen konnten, erneut aus der Spielwarenmetropole Nürnberg. Und als dann die Zeit der Weltraumfahrt anbrach, wurde nicht nur der Spaceman zum Hit im Kinderzimmer, sondern auch das neuartige Material, aus dem er hergestellt worden war: Plastik . In dieser Zeit stellte die Firma Lehmann, die bisher ihrem Firmengründer in der Produktion treu geblieben war, ihr Sortiment völlig um und entwickelte die LGB (Lehmann Großbahn), die ein Spielzeug für die ganze Familie und natürlich für Sammler werden sollte. Deren Markenzeichen ist der jeweilige Originalsound der Lokomotive. Kein Blech und kein billiges Plastikmaterial wurde mehr verwendet, sondern haltbares, kautschukverstärktes und UV-beständiges Plastikmaterial, aus dem sich Lokomotiven und Wagen herstellen ließen und Schienenbetten, die jahre- und jahrzehntelang draußen in der Sonne liegen können. Mit Plastik wurde die Spielzeugherstellung revolutioniert – für eine Lokomotive braucht man zwar noch immer 600 Einzelteile, aus denen sie am Ende der Produktion zusammengesetzt wird, aber die Teile können in wesentlich weniger Arbeitsgängen gefertigt werden. Da Plastikteile keine scharfen Kanten haben, entsprechen sie auch wesentlich besser den geltenden Sicherheitsvorschriften als die herausgestanzten und von Hand zurechtgebogenen Metallteile älterer Fabrikate. Der neue Werkstoff Plastik machte wenig später in der Nähe von Nürnberg gleich noch einmal Karriere: mit dem Playmobil-Ritter . Zuerst gab es da ein Männchen mit einem Kugelkopf, das einen Helm aus Plastik und ein Schwert bekam und so zum Ritter wurde. Ein Federschmuck machte aus demselben Männchen – inzwischen hoch zu Pferd – einen Indianer , und mit einer Mütze auf dem Kopf und einem Hammer in der Hand konnte es als Bauarbeiter dann so richtig loslegen. Inzwischen ist das Sortiment von Playmobil auf über 10.000 Einzelteile angewachsen und für jedes benötigt man eine eigene Gussform. Einer der Verkaufsschlager ist das Piratenschiff , dessen Besatzung zwar mittlerweile in Malta produziert wird, das aber noch immer von Nürnberg aus zu seiner ersten großen Abenteuerreise in ferne Länder und Kinderzimmer startet. Das kleine Männchen mit dem Kugelkopf hat eine internationale Karriere gemacht – ganz im Sinne der Nürnberger Tradition. Gesamte Folge als ZIP-Datei. Mit -d entpacken (/folge.htm/...)! Gemeinsame Bilder als ZIP-Datei. Mit -d entpacken (/img/...)! |
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