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Sprache und Literatur - 7. Formen der Lyrik - Wie Wörter sich in Worte wandeln


Fakten I

Lyrik, was ist das?

Handlungsabriss und Zusammenfassung des Filmbeitrags

Lyrik hat viele Facetten. Das Gedicht an sich gibt es nicht. Gedichte unterscheiden sich je nach Autor, Entstehungszeit , Schreibanlass und Rezeptionszusammenhang. Ihre Formen, ihre Inhalte und ihre Redeweisen unterliegen einem ständigen Wandel.

Um sich dem vielgestaltigen, vielschichtigen Phänomen Lyrik anzunähern, stellt der Beitrag drei Fragen in den Vordergrund:
1. Die Frage nach dem Anlass eines Gedichts: Warum schreibt ein Dichter ein Gedicht?
2. Die Frage nach der Gestalt eines Gedichts: Wie geht ein Dichter mit Worten um?
3. Die Frage nach der Wirkung: Wer liest ein Gedicht, was fängt der Leser mit dem Gedicht an?

Eine erste Antwort auf die Frage nach dem Schreibanlass liefert das Festgedicht , eine Lyrikform, die - je nach Geschick des Autors - wohl jeder schon genossen oder erduldet hat. Das im Beitrag zur Feier einer Silberhochzeit vorgetragene Gedicht soll feierlich sein und das Besondere der Gelegenheit erhöhen. Allgemein dienen solche Gelegenheitsgedichte dazu, ein bestimmtes Tagesereignis, eine Taufe, eine Hochzeit, eine Beerdigung oder ein Jubiläum zu würdigen.

Nach diesem Auftakt stecken weitere Beispiele die große Spannweite und Vielfalt lyrischer Formen ab
Zunächst präsentiert der Beitrag mit dem berühmten " Apfel-Wurm "-Gedicht von Reinhard Döhl eine 1965 entstandene Ikone der konkreten oder visuellen Poesie. Diese in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts entstandene Strömung drängt das Wort als alleinigen Bedeutungsträger in den Hintergrund und setzt verstärkt auf visuelle (Video offline, Hilfe zum Real-Player) beziehungsweise phonetische Gestaltungselemente. Dabei kann auch die grafische Anordnung des Textes seine inhaltliche Bedeutung unterstreichen oder ironisieren.
Das Lautgedicht (Video offline, Hilfe zum Real-Player) " Schützengraben " von Ernst Jandl zeigt, dass auch Rhythmus, Klang und Lautmalerei als lyrische Grundelemente genügen, um eine autonome Aussage, einen "Gehalt" zu erzeugen.

Das von einer Musikantengruppe gespielte Lied des mittelalterlichen Dichters Neidhardt von Reuenthal schärft den Blick für die historische Dimension der Lyrik. Sie steht am Anfang unser Literaturgeschichte und war - anders als heute- überwiegend zum mündlichen, geselligen Vortrag bestimmt.

Die getragene Rezitation des Gedichts " Abendphantasie " von Friedrich Hölderlin repräsentiert die die klassische "hohe" Tradition der deutschen Lyrik. Dass sich darüber hinaus auch tagesaktuelle und politische Ereignisse in Gedichten niederschlagen, illustriert eine gereimte Moritat , die das 1844 verübte Attentat auf König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen schildert.

Ein zeitgenössischer Vertreter der Tradition des politischen Liedes, das an misslichen gesellschaftlichen Zuständen rüttelt und seine Zuhörer aufwecken möchte, ist der 1936 geborene und 1976 aus der DDR zwangsausgebürgerte Liedermacher Wolf Biermann . Das im Film vorgestellte Lied entstand anlässlich des Streiks der Hafenarbeiter bei Eurokai in Hamburg.

Abschließend gewährt ein "Werkstattbesuch bei dem 1929 geborenen Lyriker Peter Rühmkorf Einblicke in Schaffen und Schreibverständnis eines zeitgenössischen Dichters. Rühmkorf betrachtet das Gedicht als Versuch, die Welt zugleich aufzuklären und die Menschen zu verzaubern ( Video 5 (Video offline, Hilfe zum Real-Player) , Wortlaut ). Auch die Sprache des Gedichts, so Rühmkorf, lebt aus einem Spannungsverhältnis zwischen der öffentlichen, entleerten Sprache und einer Sprache, die versucht, eigene Wörter, persönliche Wörter, individuelle Wörter gegen diese öffentliche Welt zu stellen ( Video 6 (Video offline, Hilfe zum Real-Player) , Wortlaut ). Ein Versuch, die genannten Spannungspole mit den Mitteln der Lyrik zum Ausgleich zu bringen, ist das von Rühmkorf geschriebene und zum Ausklang vorgelesene Gedicht "Komm raus!" ( Video 7 (Video offline, Hilfe zum Real-Player) , Wortlaut ).



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