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Der innere Arzt - Das Leben des Paracelsus
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Bibliographie der Werke des Paracelsus Was hier zu tun wäre, wird uns deutlich, wenn wir uns noch einmal vor Augen halten, welches Chaos an Schriften - mit wenigen Ausnahmen in handschriftlicher Fassung - Paracelsus bei seinem frühen Tod hinterlassen hat. Um das Jahr 1560 erst setzt eine rege Sammel- und Drucktätigkeit ein. Adam von Bodenstein bildet ein erstes Kristallisationszentrum für den Paracelsismus, der sich mit dem 17. Jahrhundert über alle europäischen Länder verbreitet. Eine erste umfassende Ausgabe wird von Johannes Huser aus dem Breisgau zum Druck gebracht, wobei die erste und bislang beste Textausgabe bei Conrad Waldkirch in Basel (1589-1591), die umfassendste Sammlung aber bei Lazarus Zetzner in Straßburg (1603 bis 1605) erschien. Beide, die Basler Quartausgabe und der Straßburger Foliodruck, bieten eine vortreffliche Ergänzung. Als neuere Ausgabe stehen uns die medizinischen, naturwissenschaftlichen und philosophischen Schriften zur Verfügung, deren erste Abteilung in vierzehn Bänden Karl Sudhoff herausgab (1922-1933). “Mit Benutzung dieser neuen Ausgabe” schrieb Sudhoff 1929 - “wird dann die Paracelsusforschung am Geisteswerk des Einsiedlergenius mit Ruhe und Zielsicherheit ihr Werk tun dürfen.” Eine zweite Abteilung, deren erster vereinzelter Band 1923 von Wilhelm Matthießen vorgelegt wurde, bringt seit 1955 in der Bearbeitung von Kurt Goldammer die theologischen und religionsphilosophischen Schriften des Paracelsus. Die nunmehr vorliegenden Gesamtausgaben gestatten erstmals einen Einblick in die Struktur dieses verwilderten Schrifttums, in eine kaum durchgearbeitete Literaturlandschaft, in der man nur mühsam an eine Lichtung kommt und kaum zu einer Orientierung. Erschwert wird solche Orientierung durch die eigenwillige Sprache des Paracelsus, die bei aller Großartigkeit ihrer tragenden Gedanken und bei allem leidenschaftlichen Schwung eines Sendungsbewußtseins nicht frei ist von formalen Schwächen und offensichtlichen Widersprüchen. Augenscheinlich lag Paracelsus nichts am gepflegten Stil zeitgenössischer Rhetorik. Er rühmt sich eher noch seiner “stammelnden Zunge”. Poesie und Medizin - das sind ihm unversöhnliche Gegensätze. Und so finden wir glänzende Bilder, aber keine eindeutige Begrifflichkeit, immer neue Aspekte, aber keine verbindliche Perspektive. Gleichwohl wird man von diesem Paracelsus nicht mehr loskommen, wenn man nur einmal an ihn herangekommen ist. Man wird aber auch um ein solches Phänomen nicht herumkommen, ehe nicht an die Stelle pluralistischer Anthologien und unkritischer Sammelwerke eine Bildungs- und Werkgeschichte, eine Quellen- und Wirkungsgeschichte getreten sind und damit jener hermeneutische Prozeß einer wirklichen Übersetzung und Übertragung in Gang gekommen ist, wie ihn die Paracelsus-Forschung zum erstenmal in unseren Tagen eingeleitet hat. In dieser Situation sehen wir keine Chance, die geistige Gestalt des Paracelsus zu assimilieren oder gar als ein Ganzes zu transponieren - in unsere Zeit und unsere Zukunft hinein. Nur die Möglichkeit haben wir, hier an einen wichtigen Knotenpunkt der neueren Geistesgeschichte zu gelangen, an eine wahrhafte Quelle, die wiederum nur zu erreichen sein wird wenn wir entschlossen gegen den Strom unserer Zeit gehen. Bis dahin aber haben wir uns mit jenen halben Kreisen und oft so paradoxen Richtungen zu begnügen, die eben keine Veränderung der Welt bewirkt und noch keine neue Heilkultur- trotz aller Paracelsisten und Pansophisten - eingeleitet haben. Mit einem Paracelsus haben wir uns zu begnügen, der ein “Stern” in der “Stunde” war, aber kein Licht über dem Säkulum! Paracelsus freilich war sich der Zukunft seiner Lehre nur zu gewiß. Er sah die Zeit mit sich gehen und sein Werk in ihr grünen. Er sah die Axt am Baum der Tradition liegen und eine Jugend aufblühen zu tausendfältiger Gesundheit. “Der Himmel mag immer sein eigen Übel sehen: Er wird seine Astronomos machen und die Erde ihre Philosophos und das Licht der Natur seinen Alchimisten.” Jetzt nämlich ist für Paracelsus die Stunde der Medizin gekommen, und der neue Arzt wird der sein, der von jenem Mahl gegessen hat, “zu welchem die geladenen Gäste nicht kamen”. |
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