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Ost-West-Deutschland - 1. Die Nachkriegszeit (1945 - 1949)


Fakten III

Die wirtschaftliche und politische Umgestaltung der sowjetischen Besatzungszone

Eine ökonomische Kernthese, in der sich die Sowjetische Militäradministration, die KPD und mit Abstrichen auch SPD und CDU treffen, lautet: Deutscher Nationalsozialismus und preußischer Militarismus haben ihre Ursachen im Großgrundbesitz (= Junkertum) und in der Großindustrie (= Monopolkapital). Mit dieser Geschichtsinterpretation wird der Umbau des Wirtschaftssystems begründet.

Die wirtschaftliche Umgestaltung der SBZ beginnt bereits im Juli 1945, als auf Anweisung der SMAD alle privaten Banken und Versicherungen geschlossen werden. Im September folgt die Bodenreform (Motto: „Junkerland in Bauernhand”). Enteignet werden ohne Entschädigung alle Großgrundbesitzer mit Gütern über 100 Hektar sowie der Grundbesitz von „aktiven Nazis und Kriegsverbrechern” bzw. von Landbesitzern, die man dazu stempelt. 200.000 Landarbeiter und Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten dürften sich auf 2,1 Millionen Hektar enteignetem Land als selbständige Bauern niederlassen. 125.000 landarme Bauern erweitern ihren Besitz mit „Junkerland”.

Der Schlag gegen die Industrie erfolgt am 30. Juni 1946. In Sachsen kommt es zum Volksentscheid über die entschädigungslose Enteignung der gewerblichen Betriebe von aktiven Nationalsozialisten und Kriegsverbrechern, dem 77 % zustimmen. Die Betriebe werden daraufhin in Volkseigentum überführt, dabei haben die „Bereinigungsausschüsse” und „Sequesterkommissionen” vor allem die Schwerindustrie im Auge.

In den anderen, weniger industriereichen Ländern und Provinzen erfolgt die Enteignung durch Gesetze und Verordnungen. Nach der Enteignungswelle sind nur mehr Mittel- und Kleinbetriebe sowie sowjetische Aktiengesellschaften übrig, die Eigentum des NS-Staates, der NSDAP und der Wehrmacht übernommen haben. Der private Sektor umfasst 1946 nur noch 40 Prozent der Bruttoproduktion.

Parallel zur Sozialisierung wird eine Bildungs- und Justizreform durchgeführt.

Mit den Gemeindewahlen im September 1946 kann die SED noch zufrieden sein. Dank gezielter Manipulationen - Ortsgruppen von CDU und LDPD wird die Registrierung verweigert – bekommt die Einheitspartei 57,1 % der Stimmen. Bei der Landtagswahl erlebt sie jedoch ein Debakel: Der Stimmenanteil sinkt auf 47,6 %, in Berlin erhält sie nur magere 19,8 %. Schockiert darüber, dass die absolute Mehrheit nicht erreicht wurde, zieht die SMAD die Konsequenzen: Neuwahlen finden nicht mehr statt, die Sowjetisierung der Zone wird beschleunigt.

Außenpolitische Rückschläge tragen dazu bei, dass die SBZ in der Folgezeit noch enger an die Sowjetunion angebunden wird. 1947 fällt Jugoslawien unter Marschall Tito von der Sowjetunion ab und die Spannungen zwischen den Siegermächten verschärfen sich zusehends. Immer öfter kommt es im Alliierten Kontrollrat, dem gemeinsamen Organ zur Ausübung der obersten Regierungsgewalt in Deutschland, zum Streit. Mit dem beginnenden Kalten Krieg wird die SED zu einer „Partei neuen Typs” umgestaltet. Es kommt zu Säuberungen, denen bevorzugt ehemalige SPD-Mitglieder zum Opfer fallen.

Während CDU und LDPD durch politischen Druck, Verhaftungen und durch Entlassung missliebiger Funktionäre gleichgeschaltet werden, kommt es zur Gründung zweier neuer „bürgerlicher Parteien”. Die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD, gegr. am 29. April 1948) und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD, gegr. 25.5.1948) sollen das bürgerliche Lager zersplittern. Mit der NDPD will man sogar ehemaligen Nationalsozialisten eine politische Heimat bieten. Dennoch: NDPD und DBD sind gleichsam Filialen der SED. So wird beispielsweise der Altkommunist Lothar Bolz Vorsitzender der NDPD.




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