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Osmanen, Türken, Europäer - 5. Die Entstehung der modernen Türkei


Fakten I

Das Osmanische Reich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs

Einerseits hatten die Jungtürken nach ihrem Putsch im Jahre 1908 versucht, das Land zu modernisieren, andererseits hatten sie es in den Ersten Weltkrieg geführt und durch ihre chauvinistische Nationalitätenpolitik den Niedergang beschleunigt. Vor allem dem Araberhasser Cemal war es zu verdanken, dass sich die Araber - angestachelt von britischen Versprechungen auf einen eigenen Staat - vom Osmanischen Reich lossagten. Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns und Deutschlands musste sich das Osmanische Reich den Alliierten im Waffenstillstand von Mudros (30.10.1918) auf Gedeih und Verderb ergeben. Einige Führer der jungtürkischen Bewegung flohen ins Ausland, andere wurden verhaftet und im Juli 1919 in Istanbul zum Tode verurteilt. Die Jungtürkische Partei wurde aufgelöst.

Nach den Waffenstillstandsbestimmungen musste die Armee demobilisiert werden, alle strategisch wichtigen Punkte im Reich besetzten alliierte Truppen. Ein alliiertes Flottengeschwader lief in den Bosporus ein, britische Soldaten erschienen in Istanbul. Sultan Mehmet VI. Vahideddin (1918-1922), der den Thron nach dem Tode seines Bruders im Juli 1918 bestiegen hatte, versuchte die Gunst der Stunde zu nutzen und seine unter den Jungtürken stark begrenzte Macht zu erweitern. Er löste das Parlament auf und versuchte mit diktatorischen Maßnahmen zu regieren. Sein Einfluss reichte jedoch kaum über die Grenzen der Stadt Istanbul hinaus. In Anatolien entstand ein Machtvakuum, in dem sich die Armee auflöste, Deserteure plünderten und raubten, in dem Islamisten, kurdische Separatisten, überlebende Armenier, eine „Anglophilen-Organisation” (sie strebte den Anschluss des osmanischen Reststaates an Großbritannien an) und eine „Wilson-Liga” (sie berief sich auf die „Vierzehn Punkte” des US-Präsidenten Wilson) ihre eigenen Süppchen kochten. „Angesichts solcher politischer Zersplitterung kann man ohne Übertreibung feststellen, dass das Reich der Osmanen zum ersten Mal seit Timur, diesmal aber um vieles nachhaltiger, wieder am Tiefpunkt seiner Macht angekommen war” (Matuz, Josef. Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte. Darmstadt: Primus-Verlag, 1996, S. 270).

Mit Erlaubnis der Ententemächte besetzten griechische Truppen im Mai 1919 das mehrheitlich von Griechen bewohnte Izmir . Osmanische Kommandeure bildeten daraufhin Freikorps und nahmen in Eigeninitiative den Kampf gegen die griechischen Besatzungstruppen auf. Bauern und Bürger schlossen sich ihnen an. Um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen und die Einhaltung der Waffenstillstandsbestimmungen zu gewährleisten, ernannte der Sultan den bewährten General Mustafa Kemal Pascha (1881-1938) zum Heeresinspekteur mit weit reichenden Vollmachten im militärischen und zivilen Bereich. Doch Kemal dachte nicht daran, den sich formierenden nationalen Widerstand zu stoppen. Er übernahm dessen Führung und wurde zum Begründer der neuen Türkei. Kemal erließ Aufrufe an die Soldaten und die Bevölkerung und mobilisierte neue Kräfte für die Widerstandsbewegung.

Die Siegermächte forderten die Absetzung Kemals, der vom Sultan nach Istanbul zurückbeordert wurde. Der General verweigerte den Befehl, erklärte seinen Austritt aus der Armee des Sultans und arbeitete ohne Auftrag der Obrigkeit weiter.



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