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Orte des Erinnerns - 2. Der Obersalzberg
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Inhalt Der Obersalzberg bei Berchtesgaden bietet einen grandiosen Ausblick auf die bayerischen und österreichischen Alpen. Er ist das Ausflugziel der Region mit seinem Alpenpanorama, von dem schon Alexander von Humboldt schrieb, dies sei eine der schönsten Gegenden der Welt. Heute aber verbindet sich nicht nur die Schönheit der Landschaft mit dem Begriff „Obersalzberg“, sondern auch die Erinnerung an Adolf Hitler und die Zeit des Nationalsozialismus. Der Film behandelt beide Aspekte dieser Gegend. Das Kehlsteinhaus auf dem Gipfel, einst ein Geschenk der NSDAP an Hitler zu dessen 50. Geburtstag, war bereits in der Nachkriegszeit wieder ein beliebtes Ausflugsziel. Allerdings wurde die unmittelbare Vergangenheit nach dem Zweiten Weltkrieg für viele Jahre möglichst ausgeblendet. Man wollte keinen Hitlertourismus und keine Nostalgie zulassen. Erst seit 1999 informiert eine offizielle Dokumentation an der Stelle des früheren Gästehauses die Urlauber über die Geschichte des Obersalzbergs, der NS-Diktatur und die Gräuel des Zweiten Weltkriegs. Im 19. Jahrhundert suchten viele Berühmtheiten, Herrscher und Vertreter des Hochadels wie Kaiserin Sissi und Fürst Bismarck in Berchtesgaden Erholung, ihnen folgten Künstler und wohlhabende Bürger, auch reiche jüdische Familien. Aus dieser Zeit stammt auch das Berchtesgadener Grandhotel Geiger , dessen Besitzer zu den im Film berichtenden Zeitzeugen zählt. 1878 eröffnete die erste Pension auf dem Obersalzberg. 1923 kam Adolf Hitler zum ersten Mal, noch inkognito als „Herr Wolf”, nach Berchtesgaden. Bald hielt er im Wirtshaus „Zum Türken“ seine ersten Reden voller Hasstiraden gegen Demokratie und Weltjudentum und gewann damit auch hier seine Anhänger. Immer wieder kam Hitler zur Erholung auf den Obersalzberg. Als er 1933 Reichskanzler wurde, ernannte ihn Berchtesgaden stolz zu seinem Ehrenbürger . Hitler kaufte Haus Wachenfeld , wodurch sich manches änderte und es bald mit der Ruhe vorbei war, da von da an viele Leute aus reiner Neugier kamen, um den „Führer“ zu sehen. Während Berchtesgaden bis zu diesem Zeitpunkt nur einer ausgewählten Klientel bekannt gewesen war, nahm der Fremdenverkehr nun einen großen Aufschwung, so auch die Pension von Johanna Stangassinger, die im Film von ihren Erinnerungen an alle Phasen des Bergs im 20. Jahrhundert erzählt. Belegt von Filmdokumenten, schildert sie, wie begeistert die Bevölkerung und auch die Jugend an Hitler vorbeimarschierte. Schon 1936 wurden Hitler die Besuchermassen zu viel. Er erklärte den Obersalzberg zum „Führer-Sperrgebiet“. Die einheimische Bevölkerung , die bisher vom Hitler-Tourismus profitiert hatte, musste den neuen Herren weichen. Anfangs verkauften einige freiwillig, und es heißt, sie wurden gut abgefunden. Aber viele, auch Frau Stangassingers Eltern, wollten nicht verkaufen, und wurden schließlich mit der Drohung zwangsenteignet, sie und ihre Familie kämen ins Konzentrationslager Dachau, wenn sie nicht weichen würden. Ihr Haus wurde gesprengt und abgebrannt. Ab 1937 wurde der Berg völlig umgebaut , Hitlers Wohnsitz mehrfach vergrößert. Hitlers engste Vertraute wie Bormann, Speer und Göring ließen sich prächtige Residenzen errichten. Mehrere Tausend Arbeiter bauten auch die komplette Infrastruktur eines Repräsentations- und zweiten Regierungssitzes. Von der Adolf-Hitler-Spende der deutschen Industrie finanziert, entstanden Siedlungen für das Personal, das Hotel Platterhof , Wirtschaftsgebäude, Gästehäuser und Kasernen. Aus Haus Wachenfeld wurde in mehrfachen Umbauten der „Berghof“ , mit großen Repräsentationsräumen und einem riesigen, versenkbaren Fenster mit Blick auf den Untersberg. Hitler machte auf dem Obersalzberg nicht mehr nur Ferien, sondern auch Politik und empfing in- und ausländische Gäste und Militärs . Hier zeigte er sich gern als Privatmann , als hunde- und kinderliebe Vaterfigur, als naturverbundener Übervater der Volksgemeinschaft. Zur Inszenierung des Führerkultes bildete die NS-Propaganda ihn ab, wie er, umgeben vom beeindruckenden Alpenpanorama , vom Berg herab die Geschicke seines Volkes bestimmt. Mit dem Bau einer zweiten Reichskanzlei wurde der Ort endgültig zum wichtigsten Machtzentrum neben Berlin. Auf dem Hintergrund einer inszenierten Idylle fielen hier Entscheidungen, die schreckliche Folgen hatten: der Überfall auf Polen 1939 sowie der Krieg gegen die Sowjetunion im Sommer 1941. Wie bedeutend dieser Ort in Wirklichkeit geworden war und was hier stattfand - davon wollte der größte Teil der Berchtesgadener Bevölkerung lange Jahre nicht viel wissen, was auch in den erbitterten Auseinandersetzungen um das Dokumentationszentrum deutlich wurde. Ein Nachkomme von Hitlers Baumeister auf dem Obersalzberg schildert die Stimmung im Ort; er hat sich in einer Bürgerinitiative für die bewusste Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und für die Einrichtung eines Dokumentationszentrums eingesetzt. Seit dem Beginn der alliierten Luftangriffe 1943 wurde der Obersalzberg unterirdisch zu einem riesigen Bunker ausgebaut. Während man den Endsieg propagierte, entstand eine ganze Unterwelt von 5 km Stollen und 4.000 Quadratmetern Wohn- und Nutzfläche. Die Alliierten vermuteten hier einen Teil der „Alpenfestung”, den letzten Rückzugsort der Nazis. Daher bombardierten Engländer und Amerikaner am 25.4.1945 den gesamten Obersalzberg . Danach legten die SS-Wachmannschaften Feuer am „Berghof“ und flohen vor den anrückenden Alliierten . Die Einwohner plünderten die auf Jahre angelegten Vorräte an Lebensmitteln auf dem Obersalzberg. Nach 1945 hatte der Berg als Schauplatz der Weltgeschichte ausgedient. Vom Wohnsitz Hitlers sind nur einige Mauerreste erhalten. Das „Kehlsteinhaus” allerdings, Hitlers ehemaliges Teehaus, blieb weitgehend unbeschädigt. Wenige Jahre nach Kriegsende benutzten die Amerikaner das Hotel „Platterhof” als Erholungszentrum für ihre in Europa stationierten Soldaten. Aus der einstigen SS-Kaserne wurde ein Hotel, das ehemalige Teehaus Hitlers zum Ausflugslokal. Der Tourismus profitierte weiterhin vom Interesse an den Überresten aus der Hitlerzeit. 1950 kamen schon 130 000 Besucher zum Obersalzberg. Nachdem die Amerikaner große Teile des Geländes 1949 zurückgegeben hatten, war es für die Gemeinde Berchtesgaden und das Land Bayern eine schwierige Aufgabe zu entscheiden, was mit den Gebäuderesten aus der Hitlerzeit geschehen sollte. 1952 wurde auf Anordnung der bayerischen Staatsregierung der Berghof gesprengt . Übrig blieb das „Kehlsteinhaus”, zu dem bis heute ein Fahrstuhl der damaligen Zeit hinaufführt. Nachdem die Amerikaner 1995 das Hotel „Platterhof” an Deutschland zurückgegeben hatten, wurde es abgerissen. An seiner Stelle entstand ein modernes neues Hotel. Viele Jahre galt die Devise, den Touristen eine heile Bergwelt vorzuführen, die Geschichte wurde in den Nachkriegsjahrzehnten möglichst ausgeblendet. Das aber konnte den „Hitlertourismus“ gerade nicht verhindern. Erst Anfang der 90er Jahre forderte eine Bürgerinitiative eine seriöse Dokumentation über die NS-Zeit ein. Gemeinderäte und Landtagsabgeordnete konnten sich dazu nur schwer entscheiden, in der Befürchtung, dem Ansehen Berchtesgadens zu schaden. Nach jahrelanger Auseinandersetzung wurde schließlich das Dokumentationszentrum gebaut. Seit seiner Eröffnung 1999 haben sich mehr als eine Million Besucher über die Geschichte des Ortes und insbesondere die Zeit des Nationalsozialismus und die Gräuel des Zweiten Weltkriegs informiert. Gesamte Folge als ZIP-Datei. Mit -d entpacken (/folge.htm/...)! Gemeinsame Bilder als ZIP-Datei. Mit -d entpacken (/img/...)! |
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