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Namenstage im November
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Fakten VIII Zur Bedeutung des Namens und des Namensstages. Aufschwung des Heiligenkultes im Mittelalter. Zur reformatorischen Kritik an den Auswüchsen spätmittelalterlicher Heiligenverehrung. Eine der abergläubischen Wurzeln der Namensbedeutung ist die Anschauung, daß der Name eine magische Identität zwischen dem Benannten und dem Namensgeber stiftet. Besondere Kräfte und Eigenschaften gehen mit dem Namen auf seinen Träger über. Reflexe dieser universal verbreiteten Anschauung zeigt die Praxis christlicher Namensgebung. Überdies nimmt sie kalendarische Funtionen wahr. Zeitangaben wurden im Mittelalter nach christlichen Festtagen und Gedenktagen der Heiligen datiert. Wichtige Ereignisse wurden auf bestimmte Heiligentage verlegt. Mit dem anwachsenden Heiligenkult wurden Kinder seit dem Mittelalter immer häufiger nach dem Tagesheiligen ihres Geburtstages, nach besonders mächtigen Orts- und Landesheiligen benannt und damit der Fürsorge ihres Namenspatrons anempfohlen. Mit dem Patronat erhält der Getaufte die unsichtbare Obhut des Patrons als Namensgeschenk (vgl: Taufgeschenk von Feen im Märchen des Dornröschentyps). Damit verbunden ist die ausdrückliche Bitte an den Namenspaten, das auf seinen Namen getaufte Kind mit besonderen Tugenden auszustatten. Seit Namen nach dem Kalenderheiligen vergeben werden, hält man in katholischen Ländern den Geburtstag des Namenspatrons für wichtiger als den realen der getauften Person. Daher wird der Namenstag dort mehr gefeiert als der Geburtstag. Zum Gedankengut mittelalterlicher Religiosität gehörte auch der Glaube, daß jeder Märtyrer durch sein Blutzeugnis unmittelbar zum Thron Gottes emporsteigt. Daher wurden sie zu mächtigen Fürsprechern ( intercessores ) der Menschen. Sie gelten als Vermittler kleiner und großer Anliegen und mächtige Helfer in seelischer oder körperlicher Bedrängnis. In welchen Notlagen die jeweiligen Heiligen besonders erfolgreich angerufen werden, erklärt sich in den meisten Fällen aus der Art des erlittenen Martyriums. Daraus entwickeln sich im Laufe der Zeit spezielle Zuständigkeiten des Heiligen. St. Blasius etwa, der einen vom Erstickungstod bedrohten Knaben rettete und enthauptet wurde, gilt als Schutzheiliger gegen Halskrankheiten. Aus der Verehrung ( veneratio ) entstand ein blühender, kaum mehr überschaubarer Heiligenkult. Kirchen wurden unter das Patronat eines Heiligen gestellt, dessen Patrozinium die Gemeinde feierlich beging. Gedachte Gebetsgemeinschaften zwischen Menschen und Heiligen ( communio sactorum) knüpten ein verläßliches spirituelles Band zwischen Himmel und Erde. Klöster und Kirchen rivalisierten gegeneinander im Streben nach immer mehr und immer mächtigeren Verbündeten im Himmel. Das Bedürfnis nach wunderkräftigem Beistand gegen alle Gefahren zeitigte eine regelrechte "Heiligeninflation": jede Stadt, jedes Dorf und jeder Flecken versuchte, sich unter den Schutz eines eigenen Patrons, möglichst aus der näheren Umgebung stammend, zu stellen. Dabei konnten sogar eben Verstorbene als Volksheilige ausgerufen und verehrt werden. Obwohl sich das Papsttum seit 1170 die Kanonisation eines Heiligen vorbehalten und an strenge prozessuale Auflagen geknüpft hatte, uferte die Heiligenverehrung besonders im Spätmittelalter zusehends aus und nahm Züge abergläubischer Praktiken an. Fromme Fabuliersucht, naive Gläubigkeit und schlichtes Profitdenken brachten immer mehr Wunderberichte, Mirakelbücher und Heiligenleben im Sinne wertsteigernder Expertisen hervor. Die reformatorische Kritik an der Nähe von Heiligenverehrung und Ablaßhandel entlud sich vielerorten im Bildersturm. |
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