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Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik - Die Impfung


Inhalt

Impfungen gibt es in westlichen Ländern meist nur noch in der Kindheit. Nur fernreisende Erwachsene werden durch die empfohlenen oder vorgeschriebenen Schutzimpfungen vor Reiseantritt daran erinnert, dass es lebensgefährliche Infektionskrankheiten gibt, vor denen die körpereigene Abwehr nicht ausreichend schützt.
Schon in alten Kulturvölkern war das Prinzip der vorbeugenden Impfung bekannt, z. B. gegen die Pocken: so wurde in Zentralasien frischer Eiter durch Nadelstiche auf Gesunde übertragen. Die Sklavinnen im Harem des türkischen Sultans wurden geimpft, damit sie nicht durch Pockennarben entstellt würden. Die Frau des britischen Botschafters in Istanbul lernte das Verfahren kennen und brachte es nach England, wo es sich nach anfänglichem Misstrauen der Verantwortlichen rasch verbreitete. Leider wurden mit dem Eiter auch andere Krankheitserreger übertragen, was nicht selten zu tödlichen Infektionskrankheiten führte.
Der englische Landarzt Edward Jenner entdeckte bei seiner praktischen Arbeit, dass die Infektion mit den für Menschen relativ ungefährlichen Kuhpocken vor einer späteren Infektion schützt. 1796 machte er das entscheidende Experiment: er impfte einen Jungen erst mit dem Sekret aus den Pusteln einer erkrankten Magd, später dann mit dem Eiter eines an den schwarzen Blattern erkrankten. Tatsächlich erkrankte der infizierte Junge nicht. Nach dem die Royal Society seinen Berichten keinen Glauben geschenkt hatte, veröffentlichte Jenner seine Forschungsergebnisse 1798 auf eigene Kosten. Das englische Parlament belohnte seine Verdienste um die Volksgesundheit 1808 mit großzügigen Geldgeschenken. Im Lauf des 19. Jahrhunderts schließlich wurde die Pockenschutzimpfung in fast allen europäischen Ländern zur Pflicht.
Die Wirkungsweise der Impfung blieb über 100 Jahre unbekannt, erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie von Paul Ehrlich und Emil von Behring aufgeklärt. Emil von Behring war Militärarzt bei der preußischen Armee. 1889 wurde er an das Hygieneinstitut in Berlin abkommandiert, als Assistent von Robert Koch . Dort beschäftigte sich Behring mit der Immunisierung von Tieren. Aus dem Blut von mit Diphterie infizierten Schafen gewann er ein Serum zur Behandlung der mit dieser lebensgefährlichen Infektion erkrankten Menschen. Robert Koch stellte zur theoretischen Begründung der Immunisierung einen weiteren Mitarbeiter ein, Paul Ehrlich . Dieser hatte schon vor Jahren eine Theorie der Immunisierung (Video online, Video offline, Hilfe zum Real-Player) veröffentlicht. Demnach bildet der erkrankte Körper Antikörper gegen die infektiösen Mikroben, die sich an die Oberfläche der Eindringlinge heften. Fresszellen erkennen dann die Krankheitserreger und vernichten sie. Bei einer erneuten Infektion erinnert sich das Immunsystem an die gebildeten Antikörper, produziert sie in großer Menge und wehrt so den feindlichen Angriff ab – der Erfolg einer aktiven Immunisierung. Die Antikörper können aber auch aus einem infizierten Tier gewonnen werden und bereits Erkrankten eingespritzt werden, wie es Behring versucht hatte. Es handelt sich dann um eine passive Immunisierung. Behring und Ehrlich verbündeten sich, um das Diphterieserum in großen Mengen herzustellen. 1892 suchten sie die Zusammenarbeit mit den Farbwerken Hoechst und 1894 gelang erstmals die Massenproduktion des Heilmittels. 1896 erhielt Paul Ehrlich ein eigenes Institut für Serumforschung und -prüfung. Dort entwickelte er das erste Heilmittel gegen die bisher unheilbare Syphilis, das Salvarsan .
Behring wurde 1895 Professor in Marburg und gründete dort die Behringwerke . 1801 erhielt Emil von Behring den ersten Nobelpreis für Medizin , Paul Ehrlich erhielt den Preis 7 Jahre später.
In der Folgezeit stellten immer mehr der früheren Farbenwerke auch Impfstoffe und andere Heilmittel her, die Pharmaindustrie entstand. Massenimpfungen drängten die gefürchteten Seuchen stark zurück, nach dem 2. Weltkrieg wurde im Westen die letzte lebensgefährliche Kinderkrankheit besiegt, die Kinderlähmung.
Heute steht im Zentrum der Forschung die Entwicklung von Impfstoffen gegen sich rasch verändernde Viren wie die Grippeerreger und gegen AIDS. Die Aufgabe der Sozialmedizin wird es nun sein, diese Impfstoffe auch den Ärmsten in der 3. Welt zugänglich zu machen.




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