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Musik im Mittelalter


Inhalt

Der Film beginnt mit einem Blick auf eine Burg aus der Vogelperspektive. Ein Zug von fahrenden Musikanten und Sängern in bunten Kostümen singt und spielt fröhlich und ausgelassen. Im Wagen, den sie teils ziehen, teils umtanzen, sitzen eine junge Frau mit Blütenkranz und ein Kind. Der Zug betritt die Burg und singt und spielt auf der Empore weiter. Aus dem Schlussteil des Films lässt sich schließen, dass es sich um die Gruppe Elster Silberflug handelt, die sich um die Adaption mittelalterlicher Musik bemüht.
Kirchen und Klöster spielten im Mittelalter eine große Rolle. Gregorianische Choräle waren damals die offizielle Musik bei Gottesdiensten und Stundengesängen. Zwischen dem 7. und 15. Jahrhundert entwickelte sich auch eine weltliche Musik. Jeder Landstrich hatte dabei eine eigene Prägung. Die Tradition der Antike, so z.B. Griechenlands und des Orients, mit ihren Instrumenten und Melodien vermischte sich mit der bereits vorhandenen Musik. Der Film belegt dies mit verschiedenen Bildern, u.a. mit einem Mosaik, das Apollo mit einer Lyra darstellt.
Spielleute zogen durchs Land, unterhielten die Menschen und brachten Neuigkeiten. Sie traten bei Festlichkeiten, Hochzeiten, Turnieren und in Wirtshäusern auf und setzten sich aus Musikern, Schauspielern und Gauklern zusammen. Ihre Lieder handelten von der Liebe, vom Frühling und vom Essen und ‚Trinken. Sie kritisierten aber auch den Adel und die Kirche. In den Burgen der Ritter und Fürsten traten Minnesänger auf, fahrende Berufsdichter und Sänger. Sie waren angesehener als die Spielleute. Oft stammten sie aus einer adeligen Familie. Sie priesen die adeligen Damen und erzählten von den Taten der Ritter. Der Film blendet dazu einige Bilder aus Liederhandschriften , vorwiegend der Manessischen Liederhandschrift , ein . Als musikalisches Beispiel wird das Minnelied „ Unter der Linden (Audio offline, Hilfe zum Real-Player) “ von Walther von der Vogelweide (ca. 1168 – 1228) gebracht, das ein Sänger vorträgt, begleitet von einem Harfenspieler. In diesem Lied geht es um die Liebe zwischen einem Ritter und einem einfachen Mädchen.
Im Anschluss daran stellt der Film folgende Instrumente vor:
die Fiedel , einer Violine ähnlich; sie wurde an der linken Schulter, vor der Brust, auf dem Schoß oder auf dem Knie gehalten, die Schalmei , eine Vorläuferin der heutigen Oboe, die Einhandflöte und die Einhandtrommel mit einem Holzschlegel, als Ein-Mann-Ensemble sehr beliebt, die Harfe , ein Instrument, das auch die Kirche billigte; sie wurde in allen Gesellschaftsschichten gespielt und war das typische Begleitinstrument der Minnesänger.
Über den wirklichen Klang mittelalterlicher Musik ist man auf Vermutungen angewiesen. Viele kirchliche Melodien, über die es mehr schriftliche Unterlagen gibt als über weltliche, wurden auch von Spielleuten übernommen, die sie dann auf ihre Weise uminterpretierten. In den Kirchen und Klöstern des Mittelalters wurde zur Messe und den Stundengebeten gesungen.
Die geistliche Musik des frühen Mittelalters war die Gregorianik. Der gregorianische Choral ist der einstimmige unbegleitete lateinische Gesang der katholischen Kirche. Er erhielt seinen Namen nach Papst Gregor I., der um 600 n. Chr. in Rom regierte. Während seiner Zeit wurden etwa 3000 Gesänge gesammelt und bearbeitet. Aufgezeichnet wurde nur der Text, eine Notenschrift gab es damals noch nicht . Die Melodien wurden mündlich weitergegeben. Ehemalige Schüler der Gesangsschule in Rom verbreiteten die gregorianischen Melodien in den Klöstern Europas. Da noch keine Notenschrift existierte, mussten die Sänger die Melodien auswendig lernen. Aus den Handzeichen des Kantors beim Singen entwickelte sich die erste Notenschrift, die sogenannten Neumen . Sie dienten als Hilfe für die Melodie, die man allerdings schon vorher kennen musste.
Um das Jahr 1000 n. Chr. hatte der Mönch Guido von Arezzo eine weitreichende Idee zur Notenwiedergabe. Sie wird im Film anhand eines nachgespielten Gesprächs (Audio offline, Hilfe zum Real-Player) zwischen Guido und einem Mönch erläutert. Vier Linien, von links nach rechts gezogen und übereinander geschichtet, zeigen den Raum der Töne an. Auf den Linien 7und in den Zwischenräumen bewegen sich die Töne der Melodie, deren Noten durch quadratische Zeichen wiedergegeben werden. Dadurch kann man die Melodie genau ablesen. Der Film zeigt dieses System u. a. auch durch ein Handschriftenbeispiel . Es verbreitete sich in kurzer Zeit in ganz Europa. Die Klöster tauschten Noten und damit auch die Musik untereinander aus. In Sizilien wurde z.B. dieselbe Musik gesungen wie in Irland. Der Choral Salve regina wird auch heute noch genauso gesungen wie zur Zeit seines Komponisten Hermannus Contractus (Hermann der Lahme). Die Notenschrift trug also zur Verbreitung einstimmiger, aber auch mehrstimmiger Melodien bei.
Die einfachste Form der zweistimmigen Melodie ist das „ schwebende Organum “. Eine Stimme singt dabei die Melodie, darunter legt die zweite Stimme einen gleich bleibenden Grundton. Im „ Parallel-Organum “ werden beide Stimmen parallel gesungen. Schwieriger ist der „ Diskantus (Audio offline, Hilfe zum Real-Player) “. Hier singen beide Stimmen eigene Melodien. Im Film werden diese Stimmführungen jeweils auch graphisch erläutert.
Die Kathedralschule von Notre Dame in Paris war das musikalische Zentrum des Mittelalters. Um 1200 n.Chr. entstand hier eine kunstvoll komponierte mehrstimmige Kirchenmusik. Einer der ersten großen spätmittelalterlichen Komponisten soll hier auch gelebt haben (Magister Perutinus). Er entwickelte die Zweistimmigkeit weiter zur Drei- und Vielstimmigkeit. Ein solcher Gesang konnte nicht mehr frei improvisiert werden wie im gregorianischen Choral. Die Stimmen mussten genau koordiniert und festgelegt werden. Diese Musik ist gewaltig und filigran; sie entspricht den feinen Strukturen der gotischen Kathedralen in Paris und anderen Städten.
Mehrstimmige Notenschriften ermöglichten auch große musikalische Aufführungen, z.B. von Mysterienspielen, Theaterstücken mit Musik nach christlichen Motiven. Als Beispiel wird das Stück „Ludus Danielis“ vorgestellt, das von jungen Klerikern von Beauvois gegen Ende des 12. Jahrhunderts komponiert und zum Neujahrsfest aufgeführt wurde. Dieses Mysterienspiel beruht auf dem Alten Testament und erzählt die Geschichte des Babylonierkönigs Belsazar , der jedes Jahr seinen Sieg über die Juden feiert, und des Propheten Daniel. Bei solchen Aufführungen gab es keine kirchlichen Verbote. Während des Fests erscheint eine geisterhafte Schrift an der Wand des Palasts (Mene, Techel, Phares). Belsazar lässt Schriftgelehrte herbeirufen, die den Text jedoch nicht entziffern können. Der Prophet Daniel deutet die Schrift als Zeichen für den Untergang des Reiches. Noch in der gleichen Nacht wird Belsazar erschlagen. Sein Nachfolger, König Darius, beruft Daniel zu seinem Berater. Doch einflussreiche Berater missgönnen Daniel seine Stellung und erreichen, dass der Prophet in die Löwengrube geworfen wird. Daniel betet zu Gott und wird von Engeln gerettet.
Ursprünglich waren Mysterienspiele nur in der Kirchensprache Latein abgefasst, später verbreiteten sich auch volkssprachliche Spiele, die dann sogar auf Marktplätzen aufgeführt wurde.
Im 21. Jahrhundert ist mittelalterliche Musik nach wie vor beliebt. Gruppen wie Elster Silberflug unterhalten ihr Publikum in der Tradition der Minnesänger und Spielleute. Der Film endet mit einem Fest in einer Burg, bei dem gegessen, getrunken, gespielt und getanzt wird. Ein Bild der Burg aus der Vogelperspektive beendet den Film so ähnlich, wie er eingeleitet wurde.





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