BR-online (zur Startseite)
Bayerischer Rundfunk

BR-Navigation

SFo
SFo
SFo SFo
SFoSFo
Magdalenenaltar
SFo SFo SFoSFo
SFo SFo SFo
SFo SFo SFo
BR-ONLINE
 

vorbemerkung
inhalt
fakten
lernziele
didaktik
materialien
anregungen
arbeitsblaetter
literatur

Der Magdalenenaltar des Lucas Moser zu Tiefenbronn (2)


Inhalt

Lucas Moser wurde vermutlich 1390 in Ulm geboren und ist 1434 gestorben. Er war für die Entwicklung der deutschen Malerei von großer Bedeutung, nachdem er mit seinem Magdalenenaltar von Tiefenbronn einen Wendepunkt zwischen den Idealvorstellungen des Hochmittelalters und der neuen Realitätsauffassung des 15. Jahrhunderts geschaffen hatte.
Der Magdalenenaltar ist das einzige erhaltene und datierte Werk des Künstlers.

Abschluß des Tryptichons ist von Mosers eigener Hand auf das Jahr 1431 datiert. Die spitzbögige Form der Retabel erklärt sich daraus, daß der Altar vermutlich in den Schildbogen des Kirchengewölbes eingefügt war. In geschlossenem Zustand zeigt er auf einer Fläche von 300 x 240 cm insgesamt 5 Bilder mit Szenen aus dem Leben der hl. Maria Magdalena . Sie wurden mit Temperafarben auf Pergament, das auf Eichenholz aufgezogen wurde, gemalt.

Die Wappen an der Predella nennen als Stifter des Altars den Ortsherrn Wolf VI. von Stein zu Steinegg (gestorben 1458) und den Hirsauer Abt Wolfram Meiser (gestorben 1460). Sind die verhältnismäßig kleinen Flügel geöffnet, dann umschließen den Schrein – mit einer um 1525 hinzugefügten Schnitzfigur der hl. Maria Magdalena im härenen Gewand – die Bilder der hl. Martha und des hl. Lazarus. Im Giebelfeld ist das Gastmahl im Hause Simons geschildert. Die Geschichte der Maria Magdalena wird auf dem Mittelfeld in mehreren Szenen erzählt.

Raum und Zeit umfassen die Szenen der Legende völlig einheitlich. Sie stehen so nebeneinander, als ob sie sich gleichzeitig ereignet hätten, und werden durch Landschaft und Architektur, die Illusion von Tiefe und Weite bewirken, miteinander verbunden. Neu sind die zahllosen Einzelheiten und der Blick in die Kirche durch das große Portal sowie in das fürstliche Schlafzimmer. Ebenfalls neu ist die perspektivische Tiefenstaffelung des Strebewerkes, die Gruppierung der Häuser dahinter, die See mit den Schiffen und der belebten Küste.

Die Tafelbilder zeigen reiche, scharf beobachtete und Details des spätmittelalterlichen Alltags.

Moser war ein scharfsichtiger Beobachter: Eines der Schiffe fährt mit vollem Segel im Wind, auf einem anderen Schiff spielt ein Mann die Laute, auf einem dritten Schiff ruft der Steuermann durch ein Sprachrohr einen Matrosen an.

An der Küste zeigt Moser eine Stadt an einem Fluß, Berge, eine Burg, Felder, Weinberge und Wälder, Reiter und Wanderer, Gewappnete und Neugierige um eine Hinrichtung versammelt. Mit einer derartigen Genauigkeit waren Natur und Leben, Stofflichkeit und Körperlichkeit der Dinge, die Individualität der Menschen noch nie in der deutschen Kunst erfaßt worden. Moser besaß darüber hinaus ein sicheres Gespür für das Spiel von Licht und Schatten und den Zusammenklang der Farben. Die Farbe wird in einer neuen Funktion verwendet, um illusionistische Wirkungen und malerische Stimmungen zu erzeugen.

Der Tiefenbronner Magdalenenaltar ist nicht nur als Kunstwerk von Bedeutung, er gibt auch Aufschluß über Mosers Leben und sein Selbstverständnis als Künstler: “schri kunst schri und klag dich sehr din begert iecz niemen mer so o we 1431 / lucas moser maler von wil maister dez werx bit got vir in” (“Schrei Kunst schrei und beklag dich sehr dein begehrt jetzt niemand mehr so o weh 1431/Lucas Moser Maler von Weil [der Stadt bei Stuttgart] Meister des Werks bitte Gott für ihn”).







Gesamte Folge als ZIP-Datei. Mit -d entpacken (/folge.htm/...)!
Gemeinsame Bilder als ZIP-Datei. Mit -d entpacken (/img/...)!
  © BR '2010 SFo