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Die Steine weinten - Über Leben und Tod des Janusz Korczak
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Inhalt Der Film berichtet vom Schicksal des Janusz Korczak und seiner jüdischen Waisenkinder von Warschau. Neben der Gegenüberstellung der von Janusz Korczak geschaffenen Welt im Waisenhaus – durch Schauspielszenen in s/w-Technik veranschaulicht – und der durch die deutsche Besatzungsmacht in Polen bestimmten Wirklichkeit – durch Originalaufnahmen dokumentiert – wird der Film geprägt durch zahlreiche Zitate aus den Veröffentlichungen des Pädagogen, untermalt von leiser Klaviermusik. Eine Schauspielszene zeigt im Vorspann den Pädagogen an seinem Schreibtisch. Einige seiner Waisenkinder suchen ihn auf und zeigen ihm ihre selbstgemalten Bilder. Liebevoll, ja zärtlich geht Janusz Korczak auf sie ein. Untermalt wird diese Szene mit einem Zitat aus einem seiner vielen Bücher: An meine erwachsenen Leser. Ihr sagt, der Umgang mit Kindern ermüdet uns. Ihr habt recht. Ihr sagt, wir müssen in ihre Gedankenwelt hinabsteigen, uns neigen und bücken und kleiner machen. Ihr irrt euch. Nicht das ermüdet uns, sondern daß wir zu ihren Gefühlen hinaufsteigen müssen, uns auf die Zehenspitzen stellen, hinlangen, um nicht zu verletzen. Die nächste nachgestellte Szene führt in den Röntgenraum eines Warschauer Kinderkrankenhauses, in dem Janusz Korczak den Studenten der Erziehungswissenschaften das schlagende Herz eines Kindes auf dem Röntgenschirm vorstellt: Wer Kinder verstehen will, muß sich zunächst selbst verstehen, muß sich erinnern an die eigene Kindheit. Seht es euch an und haltet es euch immer vor Augen. Wenn ihr erschöpft oder erzürnt seid, wenn die Kinder unausstehlich sind und euch aus der Ruhe bringen, wenn ihr schreit, wenn ihr im Zorn strafen wollt, haltet euch dann vor Augen, daß das Herz eines Kindes so aussieht und so reagiert. Zu bunten Bildern fröhlich spielender Kinder aus unserer Zeit wird weiter zitiert: Von frühester Kindheit an wachsen wir mit dem Gefühl auf, daß das Große mehr Bedeutung hat als das Kleine. Alles spielt sich irgendwie hoch über uns ab. Die Seele des Kindes ist ein Wald, in dem die Baumwipfel sich sanft wiegen, die Äste vermischen und die zitternden Blätter sich berühren. Manchmal streift ein Baum seinen Nachbarn oder spürt die Gegenwart von hundert oder tausend Bäumen, vom ganzen Wald. Wer in die fernliegende Zukunft zielt und die Kinder dabei überspringen will, wird sein Ziel verfehlen.” Zwei kleine Schauspielszenen illustrieren den folgenden Text, in dem Janusz Korczak den Eltern Ratschläge für den Werdegang ihrer Kinder gibt: “Eltern, wenn Euer Jan nicht schon in den Kinderjahren Goldfische oder Katzen heilt, wenn er nicht Bücher, Hosen oder Kakerlaken zerschneidet, wenn er nicht ein einziges Mal seine Geschwister mit giftigen Pilzen, wilden Beeren oder anderen Spezialitäten versorgt, dann drängt ihn nicht zum Medizinstudium […] Wenn Euer Jacek seinen Pudel, das Dienstmädchen oder sein Schwesterchen, das etwas angestellt hat, nicht vor Strafe schützt, wenn er es nicht zuwege bringt, sie zu trösten und aufzumuntern, dann erlaubt ihm nicht, Anwalt zu werden, um so weniger, wenn er ein Wahrheitsfanatiker ist. Wenn er anders handelt, beschwört Ihr auf Euch und Eure Nachkommen nur Unglück herauf.” Abrupt wechseln die Bilder im Film, denn zur selben Zeit, in der Janusz Korczak diese Gedanken zur Erziehung der Kinder aufschrieb, verfolgte die Erziehung der Jugend in Deutschland völlig andere Ziele. Originalaufnahmen von HJ und BDM mit strahlenden Augen, von Massenveranstaltungen und Aufmärschen, dazu die Stimme Adolf Hitlers, führen in eine andere Wirklichkeit. Hitler: “Was wir benötigen, sind Knaben und Mädchen, die später einmal starke Männer und tapfere Frauen sein können.” In Aufnahmen aus dem Warschauer Ghetto sieht man Hitlers “starke Männer” bei der Arbeit. Sie verhaften und kontrollieren Kinder , die Lebensmittel in das Ghetto schmuggeln wollten. Eine Spielszene führt nochmals in Korczaks Arbeitszimmer im Waisenhaus. Sie wird kommentiert von einem Bericht über die Verhältnisse, die im Jahr 1942 im Waisenhaus herrschten. So erfährt der Zuschauer vom Kinderparlament und dem Kameradschaftsgericht, die weiterhin tagen. Noch herrschen Ruhe und Frieden im Haus, noch werden die Kinder annähernd ausreichend ernährt. Doch außerhalb des Waisenhauses verändert sich die Welt und geht dem Grauen entgegen. Originalaufnahmen zeigen zerlumpte und hungernde Kinder in den Straßen des Ghettos. Korczak schreibt: “Während das Schiff untergeht, ordnet der Kapitän an, daß das Orchester Jazz spielt, weil er die Passagiere bei Laune halten möchte. Ich habe mich entschlossen, diesem Kapitän nachzueifern. Ich möchte gerne bei Bewußtsein und bei voller Besinnung sterben. Was ich den Kindern zum Abschied sagen werde, weiß ich nicht. Wenn es so weit ist und die Deutschen uns rufen, sollen die Kinder ihre besten Kleider anziehen. ,Seid ruhig, Kinder‘, werde ich dann sagen, ,habt keine Angst. Wir fahren auf‘s Land. Wir werden dort lernen und arbeiten, mitten im Grünen in der frischen Luft.‘ Die Tage sind so düster, daß ich nicht einmal mehr träumen kann. Ich sah einen Jungen auf dem Gehsteig liegen, vielleicht lebend, vielleicht tot. Es kümmerte keinen.” Dann beginnt die Zeit der Deportationen, der Räumung des Warschauer Ghettos, der planmäßigen Vernichtung der Warschauer Juden. Originalaufnahmen, von deutschen Soldaten gefilmt, dokumentieren, wie Menschen zusammengetrieben , mißhandelt , in Waggons verladen und abtransportiert werden. Korczak: “Wir nehmen Abschied von Euch für eine lange, weite Reise. Diese Reise hat einen Namen, das Leben. Viele Male haben wir darüber nachgedacht, was wir Euch auf den Weg geben sollten. Leider sind Worte arm und schwach. Wir geben Euch nichts. Wir geben Euch keinen Gott, denn Ihr müßt ihn selber suchen in der eigenen Seele. Wir geben Euch kein Vaterland, denn Ihr müßt es durch eigene Anstrengung des Herzens und durch Nächstenliebe finden. Wir geben Euch keine Menschenliebe, denn es gibt keine Liebe ohne Vergebung, und vergeben ist schwer, mühselig, eine Last, die jeder selbst auf sich nehmen muß. Wir geben Euch eines, die Sehnsucht nach einem besseren Leben, das es nicht gibt, aber das es doch einmal geben wird, ein Leben in Gerechtigkeit und Wahrheit – vielleicht wird diese Sehnsucht Euch zu Gott, zum Vaterland, zur Liebe führen. Lebt wohl und vergeßt es nicht.” Am 5. August 1942 mußte Janusz Korczak mit 200 Kindern das Waisenhaus räumen. In Reih und Glied marschierten sie zum Bahnhof. Der Bahnhofskommandant bot dem großen Pädagogen die Rettung an, doch dieser antwortete: “Sie irren sich, nicht jeder ist ein Schuft.” Im Konzentrationslager Treblinka verlieren sich seine Spuren und die seiner Kinder. Korczak: “Ich wünsche niemandem etwas Böses, ich kann das nicht, ich weiß nicht, wie man das macht.” Gesamte Folge als ZIP-Datei. Mit -d entpacken (/folge.htm/...)! Gemeinsame Bilder als ZIP-Datei. 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