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Jung. Sorglos. HIV-positiv


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Aktuell tragen in der Bundesrepublik 63.500 Menschen das Aidsvirus in sich, bei rund 10.500 Menschen ist die Krankheit ausgebrochen, 615 Infizierte sind allein 2008 an einer direkten oder indirekten Folge der Immunschwäche gestorben. Das sind zwei Tote täglich in Deutschland und zwei Tote pro Woche in Berlin.

In den Medien, in der Öffentlichkeit und selbst in der „Szene“ bleiben diese Zahlen ohne Resonanz. Die seit 1996 eingeführten Aids-Therapien haben der unheilbaren Immunschwäche-Krankheit viel von ihrem Schrecken genommen. Sie sorgen dafür, dass die Infizierten ein halbwegs normales Leben führen können. Doch sie sorgen auch dafür, dass die Gesellschaft das wahre Gesicht der Krankheit verdrängt. „Das Risiko wird beschönigt, verleugnet, bagatellisiert“, warnt der Berliner Aidsworker Robert Kliem . „Trotz aller medizinischen und pharmakologischen Erfolge ist Aids noch immer nicht heilbar und noch immer nicht ausgelöscht.“

Wie aktuell die Ansteckungsgefahr tatsächlich ist und was ein Leben mit Aids bedeutet, zeigt der dokumentarisch angelegte Film an drei sensibel und ohne Effekthascherei präsentierten Beispielen.

Manuela war 17, als sie sich bei ihrem langjährigen Freund angesteckt hat. Der Hergang ist erschreckend banal: Manuela wollte, dass ihr Partner beim Sex auf Kondome verzichtet. Obwohl er damals schon wusste, dass er positiv war, gab er dem Drängen nach und steckte Manuela an. Dabei hat sie bislang noch Glück im Unglück. Sie ist zwar HIV-infinziert, aber noch ist die Krankheit nicht ausgebrochen. Nachdem sie sich von ihrem Ex getrennt hat, versucht Manuela jetzt mit Hilfe des Aidsworkers Roland Kliem, ihr Leben neu zu ordnen. Sie will die Realschule abschließen und später einmal selbst Sozialarbeiterin werden.

Sascha kann nicht mehr so unbekümmert in die Zukunft blicken. Der Mittdreißiger ist schon länger infiziert. Auch ihm ging es lange gut. Doch jetzt leidet er unter einem HIV-bedingten Lymphdrüsenkrebs. Dennoch muss auch Sascha nicht ganz ohne Hoffnung leben. Denn seit den 90er Jahren halten die neuen Medikamente das Virus besser denn je in Schach. Der Preis für die lebensverlängernde Therapie ist trotzdem hoch. Sascha braucht täglich ein genau dosiertes Medikament, damit sein Körper die benötige Leukozytenmenge bilden kann. Obwohl die Therapie wirkt, kann schon ein kleiner Schnupfen sein geschwächtes Immunsystem überfordern. Dann hilft nur der „Hausarrest“ oder, wenn die Werte zu stark fallen, das Krankenhaus. Ein „normales“ Leben wird Sascha wohl nie mehr führen können.

Robert Kliem ist nicht nur beruflich, sondern auch privat täglich mit der Aidsproblematik konfrontiert. Er lebt mit Martin , einem HIV-positiven Maler und Lackierer. Die beiden sind seit sechs Jahren ein Paar und seit zwei Jahren verheiratet. Martin hat einen HIV-bedingten Lymphdrüsenkrebs, ist herzkrank, treibt aber viel Sport und fühlt sich fit. Mittlerweile kann Robert mit dem Ansteckungsrisiko gut umgehen. Durch den alltäglichen Umgang mit Menschen, die mit dem Virus leben, kann er sich vorurteilsfrei und angstfrei auf seinen Partner einlassen. Dennoch geht Robert alle zwei Jahre zum HIV-Test. Aus Vorsicht. Weil es auch mit Kondom keinen hundertprozentigen Schutz gibt, und weil die Medikamente nur dann optimal wirken können, wenn das Virus frühzeitig erkannt wird.






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