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Der Tag, an dem die D-Mark kam - Die Währungereforn von 1948


Fakten I

Der Weg zur Währungsreform

Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik hatte schon vor dem Krieg der Reichsmark sämtliche Gold- und Devisenreserven entzogen und durch eine Milliardensumme von Reichsbankwechseln, die irgendwann einmal eingelöst werden mußten, die Kaufkraft des Geldes zugrunde gerichtet. Die Kriegsfinanzierung, der übermäßige Notendruck und die Zerstörung deutscher Produktionsstätten taten ein Übriges. 1945 besaß die Reichsmark nurmehr eine künstliche, über Bezugsscheine und strenge Wirtschaftskontrollen erzwungene Kaufkraft.

Ohne einen geordneten Markt, ohne neues, vertrauenerweckendes Geld war ein Wiederaufbau Deutschlands unmöglich. Je länger eine Währungsreform auf sich warten ließ, desto schneller schritt die Zerrüttung voran, desto ungehemmter konnten der Schwarzmarkt und der “graue” Markt Wirtschaftsmoral und innere Ordnung zersetzen. Vor allem amerikanische Wirtschaftsexperten erkannte diese Zusammenhänge schon früh. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Nach Kriegsende hatten die Vereinigten Staaten die Hauptlast des gesamteuropäischen Wiederaufbaus zu tragen. Das Gebiet der USA war zwar nicht, wie das der übrigen kriegführenden Parteien, umfangreichen Zerstörungen ausgesetzt gewesen, dennoch drohte ohne langfristige Lösungskonzepte die Gefahr einer Überforderung der Wirtschaft und damit eine existentielle Krise des ökonomisch-politischen Systems. So verwundert es nicht, daß führende Kräfte ab 1946 für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des besiegten Deutschlands - einschließlich der Sowjetzone - eintraten. Den Vorstellungen der US-Wirtschaftsexperten standen jedoch Forderungen der vom Krieg stark betroffenen Sowjetunion und Frankreichs nach weitreichenden Demontagen und Reparationsleistungen entgegen. Ein gemeinsames Vorgehen rückte in weite Ferne, die Alliierten wollten zunächst keine Konflikte mit der Sowjetunion herausbeschwören.


Die folgende Chronik soll die ökonomisch-politische Entwicklung Deutschlands bis zur Währungsreform skizzieren:

Juli 1946
Erstmals erfolgt ein Vorstoß der USA im Alliierten Kontrollrat, die Besatzungszonen in Deutschland zumindest wirtschaftlich zu vereinigen, eine Einigung kommt jedoch nicht zustande:
· Frankreich besteht auf einer Isolation der eigenen Zone und fordert die Internationalisierung des Ruhrgebietes sowie die Abtretung linksrheinischer Gebiete an Frankreich.
· Die Sowjetunion beharrt auf der in der SBZ bereits realisierten Bodenreform und der Schaffung kommunistischer Zentralverwaltungen. Eine Verstaatlichung aller Betriebe von "Kriegsinteressenten" soll in Verbindung mit einer Entnazifizierung in weitestem Umfang zum Tragen kommen. Auf ökonomischer Ebene erwartet die sowjetische Führung einen Zugriff auch auf die westlichen Zonen.
· Großbritannien , durch den Regierungswechsel des Jahres 1945 gelähmt, stimmt dem amerikanischen Vorschlag zu.

1.1.1947
Vereinbarungen zwischen Großbritannien und den USA führen zum Fusionsabkommen zur Bizone . Es wird die Gründung von Verwaltungsämtern beschlossen, welche, zusammengesetzt aus Mitgliedern deutscher Ländervertretungen, unter anglo-amerikanischer Kontrolle den deutschen Wiederaufbau koordinieren sollen.

29.5.1947
Schaffung einer Zentralbehörde, um der wachsenden Dynamik des Föderalismus innerhalb der Verwaltungsämter begegnen zu können. Das Vereinigte Wirtschaftsgebiet mit dem Wirtschaftsrat als Zentralorgan entsteht. Er soll als eine Art Gesetzgebungsorgan wirken und erhält Weisungsbefugnis gegenüber den Verwaltungsämtern.

25.6.1947
Erste Vollversammlung des Wirtschaftsrates.

25.11.-15.12.1947
Die Londoner Außenministerkonferenz, auf der letztmalig die Schaffung einer deutschen Zentralinstanz zur Debatte steht, scheitert am Einspruch Frankreichs und der Sowjetunion. Der amerikanisch-britische Vorschlag der stufenweisen Bildung einer einheitlichen Regierung sowie die Schaffung einer parlamentarischen Vertretung wird von Frankreich verworfen, die Sowjetunion macht ihre Zustimmung von Vorbedingungen abhängig:
· Beteiligung an einer Kontrolle des Ruhrgebietes, sowie
· Erhalt von Reparationsleistungen aus der laufenden Produktion in Gesamtdeutschland.
Forderungen dieser Art verlaufen diametral entgegengesetzt zu den amerikanisch-britischen Vorstellungen, das Scheitern der Konferenz ist somit vorprogrammiert, der eigenständige Weg der westlichen Besatzungszonen ist vorgezeichnet .

7./8.1.1948
Auf einer deutsch westallierten Konferenz werden die Befugnisse des Wirtschaftsrates erweitert.

Februar 1948
Die Londoner Konferenz der Westmächte und Beneluxstaaten führt zu einer Einigung zwischen den westlichen Besatzungsmächten. Frankreich gibt den Widerstand gegen eine Angleichung der Wirtschaftspolitik von Bizone und eigener Zone nach anfänglichem Zögern auf. Nach Bekanntwerden dieses Beschlusses verläßt die Sowjetunion den Kontrollrat (20. März), wodurch eine wirtschaftliche Sonderentwicklung der Westzonen und der SBZ endgültig geworden ist. Diese Entwicklung kann als erster Schritt zur Währungsreform gewertet werden.
Ab März 1948 gehört auch die französische Besatzungszone zum Vereinigten Wirtschaftsgebiet ( Trizone ).

März 1948
Ludwig Erhard wird zum Wirtschaftsdirektor gewählt.

April 1948
Die internationalen Verhandlungen über die Ingangsetzung des Europäischen Wiederaufbauprogramms (siehe dazu auch den DATABROADCAST-Beitrag “Der Marshall-Plan”) kommen zum Abschluß. Erstmals wird ernsthaft über eine Währungsreform innerhalb der westlichen Besatzungszonen diskutiert, da für die USA eine deutsche Beteiligung am Wiederaufbauprogramm eine Normalisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse, insbesondere die Beseitigung des Geldüberhangs, von ausschlaggebender Bedeutung ist.

9.4.1948
Beginn der Währungsberatungen in Rothwesten mit deutscher Beteiligung.

24.4.1948
Eine programmatische Rede von Wirtschaftsdirektor Ludwig Erhard zur marktwirtschaftlichen Neuorientierung der westdeutschen Wirtschaftspolitik legt den Grundstein für die Konzeption der "sozialen Marktwirtschaft" der späteren Bundesrepublik Deutschland.

18.6.1948
Der Wirtschaftsrat verabschiedet das Gesetz über Leitsätze für die Bewirtschaftung und Preispolitik nach der Währungsreform.

20.6.1948
Die drei Oberbefehlshaber der Besatzungszonen verkünden ein Währungsgesetz, das anstelle der Reichsmark die D-Mark einführt.







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