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Ländliche Feste - Brauchtum in Bayern


Spiel-Räume des Kirchenjahres


Dieses Abschiedslied kennt fast jeder in unseren Breiten:

"Nehmt Abschied, Brüder, schließt den Kreis,
Das Leben ist ein Spiel,
Und wer es recht zu spielen weiß, Gelangt ans große Ziel."

Spiel-Räume des Lebens, Platz zur kreativen und sinnlich-sinnvollen Ausgestaltung möchte das Kirchenjahr mit seinen Festen und geprägten Zeiten eröffnen. Die schematische Darstellung des kirchlichen Jahreskreises nimmt sich (mit etwas Phantasie natürlich!) aus wie das Spielfeld für ein Würfel- oder anderes Gemeinschaftsspiel.

Mitten hinein verwebt in das bürgerliche Kalenderjahr, beginnt das Kirchenjahr mit den 1. Adventssonntag und endet - aus Sicht der katholischen Kirche - mit dem Samstag nach dem Christkönigssonntag,
Aus evangelischem Blickwinkel am Samstag nach dem Ewigkeitssonntag (oder "Sonntag vom Jüngsten Tag"). Einmal wird der Blick auf Christus, den König, den Herrn aller Zeiten gelenkt, das andere Mal der Gedanke an seine Wiederkehr als Richter und an die Ewigkeit in den Mittelpunkt gerückt.

Das sich dahinter verbergende Lebenswissen klingt aber noch nach, wenn manchmal alte Menschen ihre Erzählungen mit der Wendung beginnen: "Es war anno domini..." - "Es war im Jahr des Herrn..." In dieser Floskel schwingt eine verhaltene Ehrfurcht und die eher unbewußte Ahnung mit, daß der Mensch letztlich nicht uneingeschrankter Herr über seine Zeit und seine Jahre ist.

Die Begrenzungen des Kirchenjahres stimmen bei beiden Kirchen überein. Die Benennungen unterscheiden sich. Die unterschiedlichen Traditionen haben trotz gemeinsamer Wurzel im Judentum und in Jesus von Nazareth oft zu erheblichen Akzentverschiebungen geführt. Diese wiederum schlugen sich in verschieden lautenden Benennungen, Datierungen oder sogar in besonderen Festen nieder wie z.B. Fronleichnam und Reformationstag.

Grundsätzlich ist das Kirchenjahr im Christentum so angeordnet, daß überzeugte Christen im Laufe dieses Jahres alle wichtigen Stationen des Lebensweges Jesu feiernd nachgehen können von seiner Erwartung, Geburt, Taufe bis hin zu Leiden, Tod, Auferstehung und zur Sendung des Heiligen Geistes an Pfingsten. Die jährliche Wiederkehr des ganzen Festzyklus läßt die Gestalt Jesu in verschiedenen Lebensaltern - sowie im Kontext neuer Lebens- und Welterfahrungen - in immer neuem Licht betrachten und begreifen. Offensichtlich ein notwendig-lebenslanger Versuch der Annäherung! Rein menschlich weckt diese jährliche Wiederkehr die Vorfreude auf das jeweilige Fest.

Manchmal ist es sehr interessant, welche Verbindung die Abläufe in der Natur und das Kirchenjahr miteinander eingehen - natürlich nicht zufällig. Ein sprechendes Beispiel dafür stellt das Weihnachtsfest, die Heilige Nacht, am 24. Dezember dar, am Tag der Wintersonnwende. Lange bevor das Christentum sich bis in unsere Kultur hinein ausbreitete, begingen unsere Vorfahren diese Nacht mit kultischen Feiern zur Verehrung ihrer Gottheiten. Im Christentum wurden offensichtlich nicht nur Menschen, sondern auch Feste "getauft". Hinter diesen "Taufen", die ja oft Verdrängung oder Überlagerung sind, verbergen sich vielfach harte Auseinandersetzungen. Nicht zu vergessen sind die Segnungen und Weihungen wie die Speisenweihe in der Osternacht oder die Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt.

Alle Feste im Kirchenjahr, die an verschiedene Begebenheiten im Leben Jesu erinnern, haben absoluten Vorrang. Ereignisse aus der Geschichte der Kirchen und ihrer herausragenden Persönlichkeiten (z.B. den Heiligen) treten demgegenüber in den Hintergrund. Die Volksfrömmigkeit hält sich allerdings oft nicht an diese Regel.



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