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Ländliche Feste - Brauchtum in Bayern


Fakten zum Thema 8

St.Martin, 11. November

Martin, der Sohn eines heidnisch-römischen Tribuns, wurde um 316 in Ungarn geboren. Als Reitersoldat kam er mit dem römischen Heer nach Gallien und wandte sich dort dem Christentum zu. Viele Jahre lebte er als Einsiedler, dann kehrte er zu den Menschen zurück und wurde 371 zum Bischof von Tours gewählt. Bald war er wegen seines demütigen Lebens und seines Bekehrungseifers berühmt. Nach der Legende erschien ihm Christus in Gestalt eines frierenden Bettlers vor den Toren von Amiens. Da er außer seinem Mantel kein wärmendes Kleidungsstück bei sich hatte, zerteilte er den Mantel mit dem Schwert und gab die Hälfte dem Bettler. Seit dem 10. Jahrhundert sind bildliche Darstellungen dieser Szene bekannt. Im alpenländischen Raum hat der Heilige seit Ende des 15. Jahrhunderts auch eine Gans als Attribut bei sich: Eine andere Legende berichtet nämlich, er habe sich aus Bescheidenheit in einem Gänsestall verborgen, als er fur die Wahl zum Bischof vorgeschlagen war. Die Ganse aber hätten sein Versteck durch Geschnatter verraten.

Mit der Ausdehnung des Fränkischen Reiches breitete sich der Martinskult nach Osten aus, zunächst besonders im Harz und in Thüringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten die Flüchtlinge aus Schlesien den Brauch der Martinsumzüge nach Bayern. An der Spitze des Zuges reitet "der Heilige", oft vom Bettler begleitet; ihnen folgen singende Kinder mit Lampions in den Händen (Abb.)

Die Verbindung des Heiligen mit diesem Lichterbrauch wird auf die Bedeutung Martin Luthers für das Land Thüringen zurückgeführt. Am 10. November, dem Geburtstag Luthers und dem Vorabend des Fests seines Namenspatrons, versammelten sich auf dem Erfurter Domplatz abends die Kinder mit Papierlaternen, um des großen Reformators zu gedenken.

Im bäuerlichen Jahreslauf war der Martinstag ein wichtiger Termin: In manchen Gegenden erhielt das Gesinde seinen Lohn: Knechte und Mägde konnten, wie an Lichtmeß, den Dienstherrn wechseln. Steuern und Abgaben waren zu entrichten, auch in Naturalien. Zu Martini wurde das Vieh geschlachtet, das aus Kostengründen nicht den ganzen Winter hindurch gefüttert werden konnte. Dazu gehörten auch die Gänse. So ergab sich der Brauch. am Martinstag, vor dem großen Adventsfasten, Gänsebraten zu essen. und vielleicht ist die Gans deshalb in die Martinslegende geraten.



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