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Ländliche Feste - Brauchtum in Bayern


Fakten zum Thema 4

Fronleichnam

"Fron" wird vom irischen Begriff "baro", Herr (Baron!), abgeleitet; "Leichnam" behielt hier den alten Wortsinn "Leib", gleich ob lebend oder tot. "Fronleichnam" bedeutet "Leib des Herrn", das heißt nach dem katholischen Glauben die bei der Wandlung konsekrierte Hostie. Bei der Prozession trägt sie der Priester in der Monstranz, wobei er unter einem Baldachin, bayerisch "Himmel", schreitet.

In den Orten Laufen (bayerisch) und Oberndorf (österreichisch) diesseits und jenseits der Salzach wird Fronleichnam gemeinsam gefeiert. Die Prozession überschreitet die Salzach; sobald der Priester mit der Monstranz die Brückenmitte erreicht hat, folgt das "Himmelbrotschutzen": Unten auf dem Fluß wird von Schifferschützen in ihrer rotweißen Uniform ein Boot zur Brücke gelenkt. Vier Buben sitzen im Boot und übergeben einem der Schifferschützen ein Blumengebinde mit vier Hostien. Wenn der Priester den Segen erteilt hat, gleitet das Gebinde mit den geweihten (nicht konsekrierten) Hostien vom Ruder ins Wasser. Das Wort "schutzen" bedeutet eigentlich soviel wie schleudern oder werfen. Früher wurden nämlich die Hostien auf einem Tuch in den Fluß geschleudert. Sinn dieser Opfergabe ist die Fürbitte um Schutz vor den Gefahren des Wassers. Denn entlang der bayerischen Flüsse lebten viele Menschen direkt oder indirekt von der Schiffahrt und Flößerei. Das Himmelbrotschutzen in der heidnischen Tradition eines Flußopfers zu sehen, erscheint deshalb nicht abwegig. "Drei Münzen im Brunnen" - mancher Romtourist wirft seinen Obolus in den Trevibrunnen, ohne zu wissen, daß dieser Brauch ebenfalls mit der Besänftigung von Wassergeistern zu tun hat. Bei einer Generalreinigung der Brunnenanlage im 19. Jahrhundert förderten Ausgrabungen Münzen aus allen Jahrhunderten zutage und sogar Opfergaben aus einer Zeit. als man noch kein gemünztes Geld kannte.



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