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Ländliche Feste - Brauchtum in Bayern


Fakten zum Thema 3

Die Schellenrührer

Bei Fastnachtsbräuchen und -umzügen spielen Glocken und Schellen eine wichtige Rolle: Sie sind Symbole der menschlichen Narrheit. In der Tradition der katholischen Kirche ist der Narr die Gegenfigur zum wahren Christen. Der Narr verkörpert alle Eigenschaften, die den Weg ins Himmelreich versperren: Lasterhaftigkeit, Unglaube, Eitelkeit, Verblendung, Lieblosig keit. Den Vergleich der Lieblosigkei mit der Schelle zieht der Apostel Pau lus:

»Wenn ich mit Menschen-, gar mit Engelszungen rede, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.«

Nicht von ungefähr sind diese Zeilen aus dem ersten Korintherbrief Bestandteil der Epistel im Gottesdienst am Fastnachtssonntag.

Das "Schellenrühren" in Mittenwald findet am "Unsinnigen Donnerstag" statt, also am ersten der sechs eigentlichen Fastnachtstage. Nach dem Zwölfuhrläuten setzen sich die Schellenrührer in Bewegung, in einem feierlichen Springrhythmus, den ein Vortänzer bestimmt. Zur ortsüblichen Tracht tragen sie an einem breiten Gürtel große eiserne Schellen. Der Vortänzer schwingt einen weißblauen Reifen. Allgemein wird der Lärm des Schellenrührens mit dem Vertreiben des Winters in Verbindung gebracht, doch der Ernst, mit dem der Brauch ausgeübt wird, läßt ebenso die Deutung aus dem Korintherbrief zu.



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