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Frauen des Barockzeitalters - 4. Die Unternehmerin - Glückel Hameln (1648 - 1724)


Inhalt

Gedreht wurden für diesen Film in Hamburg: Häuser des 17. Jhdt., der Hamburger Hafen; historische Abbildungen Hamburgs und die Szene auf dem ältesten Hamburger Jüdischen Friedhof mit der Glückel-Darstellerin. Die häuslichen Szenen mit Glückel wurden in einem authentischen Wohnraum des 17. Jahrhunderts im Rheinland aufgenommen. Glückel war die Tochter des Gemeindevorstehers der deutschen Juden in Hamburg, stammte also aus einer relativ wohlsituierten und angesehenen Familie. Aber selbst diese Herkunft konnte ihrer Kindheit keine Sicherheit bieten, denn die rechtliche Lage der Juden in Hamburg war unsicher, wie fast überall in den protestantischen und katholischen Territorien Deutschlands. Die lutherisch-orthodoxen Hamburger Pastoren forderten immer wieder, gegen den Hamburger Senat, die Ausweisung oder Bekehrung der Juden, die in Hamburg erst seit Ende des 16. Jahrhunderts lebten. Im Alter von drei Jahren wurde Glückels Familie aus Hamburg ausgewiesen. Sie zog nach Dänemark, in die aufstrebende Hafenstadt Altona, glücklicherweise war dies gleich hinter der Reeperbahn. Hamburg blieb aber der bevorzugte Handelsplatz von Glückels Vater.
Die Diamanten und Perlen, mit denen schon Glückels Vater, später auch sie und ihr Ehemann handelten, symbolisieren diese Form der mobilen, auf kleinstem Platz möglichen Existenzsicherung sehr sinnfällig. Juwelengeschäfte mussten mit höchster Professionalität im Umgang mit Kunden und Verkäufern, in weitreichenden Handelsbeziehungen und mit hoher Bereitschaft zur Mobilität betrieben werden. Anders wäre eine Familie wie die von Glückel , mit 12 Kindern, die alle gut verheiratet werden mussten (bei den Juden wurden auch die Söhne mit einer Mitgift versorgt), nicht durchzubringen gewesen. Ein starker Familiensinn, die ständige Sorge um das eigene Fortkommen, Fleiß und Einsatzbereitschaft sind in den Aufzeichnungen der Glückel Hameln auf jeder Seite zu spüren.
Ein Bankrott wie ihn Glückel bei ihrem zweiten Ehemann in Metz erlebt hat, bedeutete den völligen Zusammenbruch einer sozialen Existenz, die sofort auch aufenthaltsrechtliche Konsequenzen hatte. Glückel ist durch diese Erfahrungen notgedrungen auch stark geworden im Umgang mit ihren Problemen. Ein starker Familienzusammenhalt und enge Bindung an das religiöse rituelle Leben, an die jüdische Gemeinschaft, waren zugleich Folge und Bedingung ihrer Lebensweise. All dies wird in Glückels Ausführungen, die sie wohl in bescheidener Absicht erklärtermaßen "für ihre Kinder" geschrieben hat, wie ein geistiges Testament festgehalten, ausführlich beschrieben, diskutiert und bedacht. Ihr Text ist ein hervorragendes Zeugnis für die Bildung und Belesenheit einer jüdischen Frau ihrer Zeit. Ihre mit hebräischen Weisheitssprüchen aus der Thora durchzogene jüdisch-deutsche Erzählung ist angereichert mit zahlreichen Abschweifungen in jüdische Legenden, christliche Märchen oder Zitaten aus der zeitgenössischen jüdischen Erbauungsliteratur.
Glückels Aufzeichnungen sind ein einzigartiges Selbstzeugnis einer starken und vorbildlichen Frau.




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