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Die Gärten des Max Emanuels


Fakten I

Kurfürst Max Emanue l von Bayern (1662-1726)

Im 17. Jahrhundert vollzog sich in Deutschland der Wandel von der Ständegesellschaft zum Absolutismus. Die Verträge des Westfälischen Friedens (1648) brachten eine Aufsplitterung Deutschlands in eine Vielzahl von Partikularstaaten. Die einzelnen Landesherren strebten nach persönlichem Machtgewinn und versuchten ihre Hausmacht zu sichern und zu vergrößern.

Das bayerische Territorium umfaßte nach dem 30jährigen Krieg in etwa die heutigen Regierungsbezirke von Ober-, Niederbayern und der Oberpfalz. Kurbayern erstreckte sich über eine Fläche von 45.450 km 2 . Zum Vergleich: Der Freistaat Bayern hat seit 1945 eine Ausdehnung von 70.555 km 2 . Hier lebten im ausgehenden 17. Jahrhundert 1,1 Millionen Menschen in 34 Städten, 93 Märkten, 4.700 Dörfern und 4.130 Einzelhöfen.

Unter Maximilian I. (reg. 1597-1651) hatte Bayern die Kurwürde erlangt und an politischer Bedeutung gewonnen. Die Position Bayerns verbesserte sich erneut, als Maximilian I. eine Heirat mit dem Haus Savoyen zustande brachte. Sein Sohn Ferdinand Maria (reg. 1651-1679) heiratete die Prinzessin Henriette Adelheid . Henriette Adelheid förderte Kunst und Kultur und holte Sänger, Dichter, Musiker und Techniker in die Bayerische Residenz.

Am 22.6.1662 wurde der Kronprinz Max Emanuel (reg. 1679-1726) geboren. Er genoß eine nach französischen und italienischen Idealen ausgerichtete Erziehung. Er wurde für den Kriegsdienst ausgebildet (körperliche Ertüchtigung, Waffenkunde, Heeresverordnung) und lernte Italienisch, Deutsch und Französisch (viele seiner späteren Dekrete verfaßte er in französischer Sprache, um sich seinem Vorbild Ludwig XIV. gleichzustellen). Die Mutter förderte seinen politischen Ehrgeiz in hohem Maße und ließ in ihm den Wunsch aufkeimen, das Hause Wittelsbach solle die Kaiserwürde erreichen. 1677 starb Henriette Adelheid. Drei Jahre später verlor Max Emanuel auch seinen Vater.

Als regierender Fürst versuchte Max Emanuel seine Machtstellung zu erweitern und am Spiel der Großmächte teilzunehmen. 1683 schloß er eine Verteidigungsallianz mit dem Haus Habsburg gegen die Türken. Nach dem Bündnis mit dem Kaiser strebte Max Emanuel sogleich eine Heirat mit der Habsburgerin Maria Antonia, dem einzigen Kind Kaiser Leopolds (reg. 1658-1705) mit Margarete von Spanien, an. 1684 wurde die Vermählung verkündet, allerdings mußte sich der junge Kurfürst in einer Geheimklausel zum Heiratsvertrag mit dem Verzicht auf das spanische Erbe einverstanden erklären. Am 28.10.1692 wurde der Thronfolger Joseph Ferdinand geboren, Maria Antonia starb bei der Geburt.

Von 1683-1688 nahm Max Emanuel an den Türkenkriegen teil und zeichnete sich durch Tapferkeit und Feldherrntalent aus. Von seinen Gegnern wurde der stets in eine blaue Uniform gekleidete Max Emanuel “Mavi Kral”, der blaue Kurfürst, genannt. Trotz seiner militärischen Erfolge profitierte Max Emanuel kaum vom Sieg über die Türken. Die Machtposition Bayerns konnte er nicht steigern, zudem hatte das Land die Lasten des Krieges zu tragen. 30.000 Tote waren zu beklagen und 15 Mio. Gulden, das bayerische Steueraufkommen von 12 Jahren, mußte für die Versorgung der Truppen aufgebracht werden.

Am 12.12.1692 wurde Max Emanuel zum Generalstatthalter der Niederlande ernannt. Als der spanische König Karl II. (reg. 1665-1700) am 14.11.1698 seinen Großneffen, den bayerischen Kurprinzen Joseph Ferdinand, zum alleinigen Erben Spaniens und aller spanischen Besitzungen ernannte, stand das Haus Wittelsbach vor dem größten Machtzuwachs seiner Geschichte. Die Hoffnungen Max Emanuels zerplatzten jedoch, als sein Sohn am 6.2.1699 verstarb. In der Hoffnung, Frankreich werde den Wittelsbacher Anspruch auf die spanische Krone fördern, verbündete sich der bayerische Kurfürst mit Ludwig XIV. Während des Spanischen Erbfolgekrieges mußte der einst so erfolgreiche Feldherr zahlreiche Niederlagen hinnehmen. 1704 besetzten kaiserliche Truppen Bayern. Wirtschaftliche Ausbeutung, Zwangsrekrutierungen und Exzesse österreichischer Truppen brachten Bayern an den Rand des Ruins. Aufstände wurde blutig niedergeschlagen. Am 29.6.1706 verhängte Kaiser Joseph I. (reg. 1705-1711) die Reichsacht über Max Emanuel.

Erst als Ludwig XIV. am 6.3.1714 den Frieden mit Kaiser und Reich und am 7.9.1714 den Frieden zu Baden schloß, erhielt Bayern die Souveränität wieder zurück. Am 10.4.1715 kehrte Kurfürst Max Emanuel nach mehr als 10jähriger Abwesenheit in aller Stille nach München zurück. In den folgenden Jahren versuchte er zwar den Staatshaushalt zu sanieren, entfaltete aber gleichzeitig eine rege, finanziell aufwendige Bautätigkeit. Sein besonderes Interesse galt den Schlössern Schleißheim und Nymphenburg mit ihren barocken Gartenanlagen.

Als er am 26.2.1726 starb, hinterließ er eine Schuldenlast von 26 Millionen Gulden.





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