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Einigkeit und Recht und Freiheit - Das Deutschlandlied


Fakten I

Der Schriftsteller August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

August Heinrich Hoffmann wurde am 2.4.1798 in Fallersleben bei Braunschweig geboren. Er nannte sich später nach seinem Geburtsort, um nicht mit anderen Hoffmanns verwechselt zu werden. Er war Dichter und Schriftsteller, schrieb heitere, sanglich-gesellige Lieder sowie Kinder- und Liebeslieder.

1830 nahm er in Breslau eine Professur für deutsche Sprache und Literatur an. In den Jahren 1840/41 verfasste er die “Unpolitschen Lieder” (in deren Zyklus auch das “Lied der Deutschen” gehört), in denen er seine freiheitlich-patriotische Gesinnung zum Ausdruck brachte. Die “Unpolitischen Lieder” (hier das Gedicht (Audio offline, Hilfe zum Real-Player) “Die Bauern in der Schänke”) trugen zum Erwachen der Opposition gegen den feudalen Absolutismus und den Polizeistaat bei. Binnen eines Jahres verkaufte der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe 12.000 Exemplare der “Unpolitischen Lieder”, dagegen nur 40 Exemplare von Heinrich Heines Buch “Ludwig Börne”.

Hoffmann von Fallersleben fiel bei der Obrigkeit in Ungnade, was zu seiner Amtsenthebung und Verweisung aus dem Land Preußen führte. Schutz vor politischer Verfolgung fand Hoffmann auf der Insel Helgoland, die damals zu England gehörte. Hier traf er Gesinnungsfreunde, die wie er Asyl suchten. Bei der Überfahrt spielte die Bordkapelle die Hymnen Frankreichs und Englands. Hoffmann wurde bewusst, dass den Deutschen eine solche Hymne fehlte:

“Den ersten Augenblick schien mir Helgoland wie ausgestorben, ich fühlte mich verwaist... Wenn ich dann so wandelte einsam auf der Klippe, nichts als Meer und Himmel um mich sah, da ward mir so eigen zu Mute, ich musste dichten und wenn ich es auch nicht gewollt hätte.”

Am 26. August 1841 schrieb Hoffmann von Fallersleben das “Lied der Deutschen” . Darin brachte er ein politisches Anliegen zum Ausdruck, das in dieser Zeit viele liberal denkende Publizisten bewegte: aus den vielen absolutistisch regierten deutschen Kleinstaaten sollte ein geeintes Land mit einer freiheitlichen Verfassung entstehen.

Der Verleger Campe hatte die Melodie der Kaiserhymne von Joseph Haydn mit nach Helgoland gebracht. Schon wenige Tage nach seiner Entstehung wurde das “Lied der Deutschen” gedruckt und am 5. Oktober 1841 erstmals öffentlich in Hamburg bei einem Protest-Fackelzug gesungen. Das Bürger und Kleinbürger waren von dem Lied begeistert, nicht so die Obrigkeit. Preußen und Österreich verboten das Deutschlandlied.

Bis zu seiner Rehabilitierung im Jahr 1848 führte Hoffmann von Fallersleben ein unstetes Wanderleben. 1860 trat er als Bibliothekar in den Dienst des Herzogs von Ratibor auf Schloss Corvey an der Weser, wo er am 19.1.1874 starb.


Zeittafel
(nach Borchert, Jürgen. Hoffmann von Fallersleben. Berlin: Verlag der Nation 1991)

1798
2. April: August Heinrich Hoffmann als Sohn des Bürgermeisters in Fallersleben geboren

1807
Frieden zu Tilsit. Napoleons Bruder Jerome König von Westfalen

1812
Hoffmann bezieht das Pädagogium zu Helmstedt
Napoleon beginnt den russischen Feldzug

1813/14
Die nationalen Befreiungskriege

1814
Hoffmann wechselt auf das Katharineum zu Braunschweig

1814/15
Der Wiener Kongress tagt

1815
In Jena werden die deutschen Burschenschaften gegründet. Der Deutsche Bund entsteht. Österreich, Russland und Preußen schließen die “Heilige Allianz”

1816
28. April: Hoffmann schreibt sich zum Studium der Philosophie an der Universität Göttingen ein

1818
23. April Tod des Vaters in Fallersleben
5. September: Jacob Grimm in Kassel rät Hoffmann, sich der deutschen Sprache und Literatur zuzuwenden

1819
Karl Sand ermordet August von Kotzebue. Die Karlsbader Beschlüsse lösen die Demagogenverfolgungen aus
8. Mai: Hoffmann immatrikuliert sich in Bonn
Erste niederländische Reise

1821
Hoffmann entdeckt und publiziert “Bonner Bruchstücke vom Otfried”
Zweite niederländische Reise.
Er wendet sich nach Berlin; Bekanntschaft mit Gregor von Meusebach und Bettina von Arnim

1823
4. März: Preußen stellt Hoffmann als Ersatzkustos auf Probe für ein Jahr an der Universitätsbibliothek in Breslau an
14. Juni: Die Universität Leiden verleiht die Doktorwürde an Hoffmann in Anerkennung seiner niederländischen Forschungen

1825
Hoffmann wird Korrespondierendes Mitglied des königlich-niederländischen Instituts in Amsterdam

1826
Gründung dar “Zwecklosen Gesellschaft” zu Breslau
Heines “Harzreise” erscheint

1830
18. März: Hoffmann wird zum Außerordentlichen Professor für Deutsche Sprache und Literatur ernannt
Julirevolution in Paris
Die “Horae Belgicae” beginnen zu erscheinen (Abschluss 1862 mit Band XII)

1832
Goethe stirbt
Hambacher Fest

1834
Gründung des Deutschen Zollvereins

1835
Todesurteil gegen Fritz Reuter wegen “demagogischer Umtriebe”, Begnadigung zu dreißigjähriger Festungshaft
15. November: Ernennung Hoffmanns zum Ordentlichen Professor

1836
Hoffmanns dritte niederländische Reise, Bekanntschaft mit Jan Frans Willems
4. November: Ernennung zum “Ersten Kustos” der Universitätsbibliothek in Breslau

1837
Die “Göttinger Sieben” unter ihnen die Brüder Grimm, protestieren gegen die Aufhebung der Verfassung Hannovers durch den König und werden gemassregelt

1837
Hoffmanns vierte niederländische Reise. Er entdeckt in der Bibliothek von Valenciennes das “Ludwigslied” und publiziert es mit Hilfe von Jan Frans Willems in Gent. Leopold I., König der Belgier, verleiht einen Ehrenring an Hoffmann

1839
Hoffmanns fünfte niederländische Reise

1840
Teil I der “Unpolitischen Lieder” erscheint bei Hoffmann und Campe in Hamburg

1841
Teil II der “Unpolitischen Lieder”
26. August: Hoffmann schreibt auf Helgoland das “Lied der Deutschen”

1842
Mitte April erfolgt Hoffmanns Suspendierung von seiner Professur in Breslau ohne Pension
3. Dezember: Hoffmanns Mutter stirbt in Fallersleben
Im Dezember endgültige Entlassung Hoffmanns

1843
25. Februar: Hoffmann verlässt Breslau

1844
Aufstand der schlesischen Weber
Hoffmann findet Aufnahme in Mecklenburg
Kurze Reise nach Italien

1845
10. Juli: Dr. Samuel Schnelle, Gutsbesitzer auf Buchholz in Mecklenburg, erteilt Hoffmann das Heimatrecht

1848
18. März: Revolution in Berlin
Die Deutsche Nationalversammlung tritt in der Frankfurter Paulskirche
zusammen. Karl Marx und Friedrich Engels veröffentlichen das “Kommunistische Manifest”

1849
28. Oktober: Hoffmann heiratet seine Nichte Ida Zum Berge, Trauung
in der Braunschweiger Katharinenkirche
Übersiedlung nach Bingerbrück

1851
Übersiedlung nach Neuwied

1854
Hoffmanns sechste niederländische Reise
Heines “Lutetia” erscheint
14. Mai: Übersiedlung nach Weimar. Beginn der Freundschaft mit Franz Liszt. Hoffmann und Oskar Schade beginnen mit der Herausgabe des “Weimarischen Jahrbuches für deutsche Sprache, Literatur und Kunst” (bis 1856)

1855
19. Mai: Hoffmanns Sohn Franz geboren
Hoffmann wird Ehrenmitglied des Comité flamand de France
Hoffmanns siebente niederländische Reise

1856
Hoffmanns achte niederländische Reise
Er wird Mitglied der Het Vlaemsch gezelschap in Gent

1859
Gründung des Deutschen Nationalvereins

1860
25. April: Hoffmann verlässt Weimar und nimmt die Bibliothekarsstelle
in Corvey an
28. Oktober: Hoffmanns Frau Ida stirbt

1864
Deutsch-Dänischer Krieg

1865
Ehrenmitgliedschaft der Maatschappej der Nederlandsche Letterkunde
in Leiden

1866
Krieg gegen Osterreich, Auflösung des Deutschen Bundes
Hoffmann wird Auswärtiges Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften zu Amsterdam

1868
Hoffmanns Autobiographie “Mein Leben” erscheint (Band I-VI)

1870/71
Krieg gegen Frankreich. Bismarck proklamiert das Deutsche Reich

1874
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben stirbt am 19. Januar in Corvey und wird neben der Stiftskirche beigesetzt





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