|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Brot und Spiele - Gewalt und Unterhaltung im antiken Rom
|
|||
|
Inhalt Der Film stellt in seinem ersten Teil das Kolosseum vor, das „achte Weltwunder, das Zentrum der Unterhaltung und der Gewalt in der Antike“. Bei den Kämpfen auf Leben und Tod kamen insgesamt etwa 3oo.ooo Menschen um. Spannung, Nervenkitzel und Todesfurcht „jagten den Menschen wohlige Schauer über den Rücken“. Die römischen Kaiser befriedigten die Sensationsgier der Massen. „Brot und Spiele“ dienten als Mittel der Propaganda und der Politik. Im Kolosseum fanden aber auch Großereignisse statt, an die heute kaum jemand mehr denkt, so z. B. Seeschlachten , Spiele zwischen Tieren und Menschen und Wasserballett. Wie konnten solche aufwändigen Schauspiele inszeniert werden? Aus einer Leitung strömte Wasser in das Kolosseum, das wegen seiner wasserdichten Wände auch als See genutzt werden konnte. Kaiser Titus nutzte diese Möglichkeit. Tiere bewegten sich in diesem See wie auf dem Lande. Besonders kostspielig waren die Seeschlachten (Naumachien). Ein Vertreter des Deutschen Archäologischen Instituts erläutert im Film die Technik, die dies ermöglichte. Der Innenboden konnte abgebaut und die freie Fläche geflutet werden. Am folgenden Tag konnte das Wasser wieder abgelassen werden. Der Name des Bauwerks leitet sich von einer ca. 35 m hohen Kolossalstatue Kaiser Neros ab, die durch den Koloss von Rhodos inspiriert war und neben dem Gebäude stand.. Die Flavierkaiser bauten kontinuierlich weiter; unter Titus kamen die Bauarbeiten schließlich zum Abschluss. Die Architekten stellten dieses Wunderwerk der Baukunst auf 12 m tiefe Fundamente. Es entstand die größte Arena der Antike. In einer Höhe von über 50 m waren an Aussparungen am Gesims Holzpfähle eingelassen, über die ein Sonnensegel zum Schutz vor glühender Hitze gespannt war. Matrosen, die eigens neben dem Kolosseum untergebracht waren, bedienten es. Den obersten Rang schmückten einst 80 Säulen aus Marmor. Der größere Durchmesser des Ovals betrug 188 m, der kleinere 156 m. Mindestens 50.000 Zuschauer vertrieben sich hier ihre Zeit und wurden zugleich auch verköstigt. Diener eilten durch die Gänge und verteilten Leckerbissen in Körben: Die Eröffnung des Kolosseums im Jahre 80 n. Chr. wurde mit einem hunderttägigen Fest gefeiert, bei dem an einem einzigen Tag etwa 5000 Tiere niedergemetzelt wurden. Zur Volksbelustigung gab es eine Lotterie mit zum Teil erheblichen Gewinnen. Die Zuschauer wurden durch Wohlgerüche und einen Blumenregen erfrischt . Der zweite Abschnitt des Films widmet sich den Gladiatorenspielen , die die Hauptattraktion für die Zuschauer bildeten. Markus Junkelmann , der bekannte Historiker, erläutert dabei wichtige Einzelheiten. Der bekannte Gruß vor dem Kaiser (Ave, Caesar, morituri te salutant ) ist von den Gladiatoren selbst nicht überliefert, sondern von den Teilnehmern einer Seeschlacht, die sich zum Tode Verurteilte liefern mussten. .Die Gladiatoren hatten ein hartes Training, wurden gesund ernährt und von erfahrenen Ärzten behandelt. Sie wurden in einer eigenen Übungsstätte, der Gladiatorenschule , ausgebildet und waren durch einen Vertrag an einen Unternehmer gebunden. Sie verpflichteten sich, „sich brennen, sich in Fesseln legen, auspeitschen, sich durch das Schwert töten zu lassen“. Die Gladiatoren wohnten in eigenen Häusern ; Verwundete wurden in einem Krankenhaus gepflegt. In einem eigenen Gebäude wurden die Toten entkleidet. Zusätzlich gab es ein Waffenlager. Die Gladiatoren kämpften meist mit nacktem Oberkörper. An einem „ provocator “ erläutert Marcus Junkelmann eine typische Gladiatorenausrüstung. Er trug einen kleinen Schild, ein Brustblech, an den Beinen Ledergamaschen und am linken Bein eine Schiene, die über das Knie reichte. Die Gesichtsklappen des Helms wurden mit der Zeit immer enger gemacht. An einem in der Glyptothek befindlichen Grabstein wird die Szenerie eines Gladiatorenkampfes dargestellt. Der Unterlegene fleht um Gnade, der Sieger holt zum Todesstoß aus, Musiker blasen auf der Trompete. Eine Hand gibt ein rätselhaftes Zeichen. Wahrscheinlich war ein gedrückter Daumen (von: pollicem premere) ein Begnadigungszeichen (also nicht ein nach oben gestreckter Daumen, wie man meist glaubt), ein nach unten gedrehter Daumen (von: pollicem vertere) das Zeichen für den Todesstoß (iugula: Stich ihn ab!) Das Kolosseum hatte 80 Eingänge, die man mit einer Eintrittsmarke betreten konnte. Ein Netz schützte die Zuschauer vor den Angriffen wilder Tiere. Auf den Tribünen standen für den Ernstfall Bogenschützen bereit. Die Privilegierten wie die Senatoren hatten ihre Sitze unmittelbar am Arenarand und erlebten das Geschehen hautnah mit. Unter einer Säulenreihe im 4. Rang durften Frauen und Sklaven das Spektakel verfolgen. Ein raffiniertes System von Durchgängen und Galerien wies den Zuschauern ihre Plätze zu. Die Vorführungen waren genauen Regeln unterworfen und wurden von Schiedsrichtern überwacht. Wenigstens jeder 5. besiegte Gladiator fand den Tod. Bestimmte Kämpferpaare waren immer beliebt, so der Netzkämpfer mit einem Dreizack, der an Neptun erinnerte (retiarius), und ein Kämpfer mit Schwert, Helm und Schild (secutor). Im Untergeschosswurden die Tiere auf ihren Auftritt vorbereitet. Große Tiere wie z. B. Elefanten betraten die Arena ebenerdig, die anderen wurden von unten über Aufzüge in die Arena gehoben, wobei ein Überraschungseffekt eingeplant war, von wo die Tiere die Arena betreten würden. Dies alles wurde durch raffinierte technische Konstruktionen ermöglicht. Im Untergeschoß wurden die Tiere über einen engen Gang, der das Umdrehen unmöglich machte, in die Käfige getrieben. Mit einer Winde (28 an der Zahl) wurden diese dann nach oben gedreht. Über eine schiefe Ebene erreichten sie die Arena. Je exotischer die Tiere waren, desto mehr erregten sie die Aufmerksamkeit des Publikums. Die benötigten Tiere wurden in allen Ländern gejagt , sei es in Germanien, wo in einem halben Jahr von der Legion in Köln 50 Bären gefangen wurden, in Britannien, Afrika oder Asien. Jäger legten Gruben mit Fleischködern an. Auch Honig oder Schinken dienten als Lockmittel. Transport und Futter waren teuer. Kaiser Caligula soll seinen Bestien sogar Menschen zum Fraß vorgeworfen haben. Die Gladiatoren wühlten mit ihrer erotischen Ausstrahlung und Kraft die Gefühle der Massen auf und bedienten ihren Voyeurismus. Sie konnten es auch zu Ruhm und Reichtum bringen und besaßen eine eingeschworene Fan-Gemeinde. Sie waren die erklärten Lieblinge der Römerinnen. Angeblich gab sich Faustina , die Gattin des Kaisers Marc Aurel, einem Gladiator hin; ihr Sohn Commodus könnte also von einem Gladiator abstammen. In seinem dritten Teil geht der Film auf andere Arten von Spielen ein. Die Römer trieben Sport auf dem Marsfeld (Ballspielen, Diskuswerfen, Schwimmen im Tiber). Augustus stiftete ein Sportfest, bei dem athletische Vorführungen, Reiterkämpfe und Regatten auf dem Programm standen. Andererseits wurde über die Athleten gespottet, da sie trotz ihrer körperlichen Schönheit „blödsinnig im Geiste“ seien. Nero führte Wettkämpfe unter Athleten und Musikern ein. Domitian ließ auf dem Platz der heutigen Piazza Navona ein Sportstadion errichten und Athleten zum Wettlauf, Boxen, Ringen und Speerwerfen antreten. Auch gab es Dichterwettkämpfe, bei denen Poeten in lateinischer und griechischer Poesie konkurrierten. Sehr beliebt waren die Pferderennen wie die im Circus des Kaisers Maxentius an der Via Appia oder im Circus Maximus. Die Begeisterung für schnelle Pferde hatte Tradition. Die Rennstätte besaßen eine treue Fangemeinde. Wagenlenker waren Spitzenverdiener. Die Wendemarke am Ende der Rennbahn ohne Berührung zu umfahren erforderte große Geschicklichkeit. Der feierliche Einzug der Teilnehmer zu Beginn der Rennen hatte einen religiösen Charakter. Vormittags fanden in der Arena oft Tierhetzen statt. Verschiedene Tiere kämpften miteinander und zerfleischten sich gegenseitig. Nachmittags folgten die Gladiatorenkämpfe. Der Kirchenvater Augustinus dokumentiert ihre Faszination und Gefährlichkeit. Sobald ein Christ bei den Kämpfen die Augen öffnete und Blut sah, sog er die Leidenschaft ein und war nicht mehr der gleiche Mann. Kaiser Commodus fühlte sich als Gladiator berufen und tötete, wie Herkules mit einem Löwenfell bekleidet, viele Tiere. 438 n. Chr. Wurden die Gladiatorenkämpfe im Kolosseum eingestellt; es folgten Seiltänzer und Akrobaten. 538 n. Chr. fanden alle Vergnügungsveranstaltungen im Kolosseum ein Ende. Es blieb jedoch ein Symbol für die ewige Stadt. Gesamte Folge als ZIP-Datei. Mit -d entpacken (/folge.htm/...)! Gemeinsame Bilder als ZIP-Datei. Mit -d entpacken (/img/...)! |
| © BR '2010 | ![]() |