10.02.2010
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Rund 7,9 Millionen Samtpföter warten in Deutschland jeden Morgen vor ihren Futternäpfchen auf Schleckerhäppchen, Knuspermix & Co. Das Geschäft mit dem Katzenfutter boomt: 1,12 Milliarden Euro haben Katzenbesitzer allein im vergangenen Jahr für Katzennahrung ausgegeben. Die Stiftung Warentest hat 39 verschiedene Sorten von Trocken- und Feuchtfutter untersucht.
Stand: 27.08.2008
Die gute Nachricht vorweg: Der Großteil der getesteten Produkte, die allesamt als Alleinfutter deklariert sind, würde eine gesunde Katze auf Dauer gesehen optimal mit allem versorgen, was sie eben so braucht: Eiweiß, Aminosäuren, Fett, Mineralstoffe, Vitamine und (wenig) Kohlenhydrate. Alle elf getesteten Trockenfutter - darunter Coshida (Lidl), Minou Delikatess-Mix (Aldi) und Hill's Science Plan adult1-6chicken - schafften ein "sehr gut" oder "befriedigend".
Alleinfutter darf sich ein Produkt nennen, wenn es das Tier mit allem versorgt, was es für ein gesundes Leben braucht - ohne dass Mangelerscheinungen auftreten.
Fast so gut die Bilanz bei den 28 Feuchtfutter-Kandidaten: Im Spitzenfeld platzierte sich neben den eher teuren Produkten IAMS Adult 1+, Animonda Vom Feinsten Classic und Gourmet Gold die vergleichsweise preiswerte Yarrah Bio Pâté. "Gut" gab's für Winston von Rossmann und die Gut&Günstig Katzennahrung von Edeka. Das Gros der Testkandidaten erhielt immerhin "befriedigend", darunter viele Discounter-Produkte wie Coshida (Lidl), Dein Bestes (dm), Cachet (Aldi), aber auch Marken wie Whiskas und Sheba.
Die einzigen Ausreißer im Test stellten Rewe mit "ja! mit Geflügel", Fressnapf mit "fit und fun" und Almo nature mit ihrer Thunfisch-Huhn-Kombination - letzteres immerhin das teuerste Futter im Test. Ausschlaggebend für die Bewertung waren in allen drei Fällen fehlerhafte Vitamin- und Mineralstoffzugaben, die bei Almo nature sehr weitreichend ausfielen: Kalzium war kaum nachweisbar, Eisen und Zink zu gering dosiert ebenso wie die wichtige Linolsäure. Als Alleinfutter nicht zu empfehlen.
Beim Gedanken an Zusatzstoffe im Futter mögen sich so manchem Katzenbesitzer das Nackenfell sträuben - zu Unrecht allerdings. Im Gegensatz zum Allesfresser Mensch ist die Katze als reiner Fleischfresser auf eine bestimmte Ernährung ausgelegt, Abweichungen davon werden ihrer Gesundheit auf Dauer schaden. Katzenfutter muss unter anderem Vitamine und Mineralstoffe in richtiger Dosierung enthalten: Vitamin C kann eine Katze beispielsweise selbst herstellen; Vitamin A muss dagegen zugesetzt werden - zu wenig schadet ebenso wie zu viel davon. Fehlt dem Futter etwa Taurin, ein Eiweißbaustein tierischer Herkunft, führt das zu Blindheit, Gehirnschäden und Herzkrankheiten.
Die Liste ließe sich noch fortsetzen, die Folgerung ist klar: Zusatzstoffe sind lebenswichtig für Katzen - gerade wenn diese nur im Haus leben und ihren Speiseplan nicht selbst gestalten können. In hochwertigem, industriell hergestellten Futter sind in der Regel alle notwendigen Zutaten im richtigen Verhältnis enthalten.
Auch wenn Katzen gerne mal an Grashalmen nagen oder an Karottenscheiben herumpföteln: Katzen sind keine Vegetarier, eine rein pflanzliche Ernährung ohne Zusätze macht sie krank! Es gibt zwar diverse Produkte als Allein- oder Ergänzungsfuttermittel, wie etwa das ebenfalls getestete Schlecki Schlemmer-Schmaus, aber: als unausgewogen nicht zu empfehlen.
Ein häufiges Problem bei vielen Produkten ist allerdings die Futtermenge: Viele Hersteller machen nur ungenaue oder sehr grobe Angaben, andere empfehlen zu große Portionen. Diese machen Katzen dick und fördern wie bei Menschen unter anderem Herz-Kreislauferkrankungen.
Ein Anhaltspunkt: Eine gesunde Katze mit etwa vier Kilogramm Gewicht braucht täglich rund 230 Kilokalorien. Wieviel Kalorien in welcher Futtermenge stecken, können Sie über den Hersteller erfahren.
Hier sind vor allem Herrchen und Frauchen gefordert: Kann man die Taille bei der Katze kaum mehr erkennen und beim Kraulen kaum noch ihre Rippen fühlen, ist Diät angesagt. Langsam über Wochen hinweg die Futtermenge um ein paar Gramm reduzieren und beobachten, wie sich die Figur verändert. Falls Sie sich unsicher sind, wenden Sie sich an einen Tierarzt. Wichtig: Keinesfalls eine Nulldiät einlegen - gerade bei fettleibigen Katzen kann schon ein Tag ohne Futter ernsthaft die Leber schädigen.
Ob Sie Ihre Katze optimal füttern, können Sie auf lange Sicht am Aussehen und der Vitalität Ihres Tieres erkennen: Glänzt das Fell? Ist das Tier gesund, munter, spielt und bewegt es sich gerne? Dann können Sie nicht viel falsch gemacht haben. Mangelernährung wie auch Überfütterung machen sich erst nach Wochen oder Monaten bemerkbar, daher sollten Sie bei Fütterungsumstellungen langsam vorgehen und dabei Ihr Tier über einen langen Zeitraum hinweg genau im Auge behalten.
Stehen Sie vor dem langen Supermarktregal mit Katzenfutter, haben Sie praktisch keine Chance, allein anhand der Angaben auf der Verpackung das optimale Produkt auszuwählen. Das Futtermittelgesetz schreibt zwar genau vor, was der Hersteller auf der Verpackung deklarieren muss - doch das ist meist zu ungenau: Rohprotein etwa kann physiologisch hochwertiges Muskelfleisch sein - aber auch minderwertiges Tiermehl. Ohne genauere Angaben vom Hersteller kommt man hier nicht weiter.
Die Tiermedizinische Fakultät der Uni München bietet ein Ernährungsberatung für Katzen (und andere Haustiere) an. Zudem können auch Gutachten über die Qualität von einzelnen Futtersorten angefordert werden. Aber: Billig ist das nicht - je nach Ausführlichkeit fallen dafür zwischen 45 und 100 Euro an.
Mehr Infos beim Lehrstuhl für Tierernährung