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10.02.2010


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Schnitzeljagd durch Rom Illuminati

Von Walli Müller
Stand: 13.05.2009

Filmszene aus "Illuminati"

Während die Katholiken weltweit um den eben verstorbenen Papst trauern, herrscht im Inneren des Vatikans der Ausnahmezustand: Die vier "Preferiti", die aussichtsreichsten Kandidaten auf das Papstamt, wurden entführt, und irgendwo in der Vatikanstadt eine Zeitbombe deponiert, die um Mitternacht hochgehen soll. Eine Explosion würde halb Rom zerstören, denn die Bombe beinhaltet hochgefährliche "Antimaterie", die aus dem nuklearen Forschungszentrum CERN bei Genf gestohlen wurde.

Nur einer kann Rom und die katholischen Kirchen-Oberhäupter nun noch vor dem Untergang retten: Harvard-Professor Robert Langdon (Tom Hanks). Eigentlich ist der Vatikan nicht gut zu sprechen auf den berühmten Symbologen, der gern kirchliches Geheimwissen öffentlich macht. Doch er ist der Einzige, der sich auskennt mit einem Geheimbund namens "Illuminati", der hinter dem geplanten Attentat stecken soll. Die Mitglieder sind Wissenschaftler, die späte Rache üben wollen für das, was die Kirche im Mittelalter ihren gelehrten Vorfahren angetan hat. Männer, die wie Galileo Galilei verteufelt wurden, nur weil sie behaupteten, die Erde sei keine Scheibe ...

Kritik:

Bewertung
Drei von fünf Sternen

Schwer konspirativ!

Das mystisch bombastische Ambiente des Vatikans - samt seiner rot gewandeten Kardinäle und des mit fast göttlicher Allmacht ausgestatteten Papstes - ist in Literatur und Kino immer wieder für Verschwörungs-Thriller gut. Meister aller Klassen ist darin derzeit der amerikanische Schriftsteller Dan Brown. Über seinen als "Da Vinci Code" verfilmten Roman "Sakrileg" regten sich die Oberhäupter der katholischen Kirche so auf, dass sie dem Film-Team von "Illuminati" jeden Zugang zu den Kirchen Roms und zur Vatikan-Stadt verweigerten. Gedreht wurde also nicht im Petersdom und der sixtinischen Kapelle, sondern in Studio-Nachbauten und Ersatz-Locations. Vielleicht spielt sich auch deshalb der Großteil des Films in dunklen Gängen, unterirdischen Verließen und sonstigen Katakomben Roms ab …

Die Story funktioniert nach bekanntem Strickmuster: Myteriöses geschieht; Gefahr droht; Professor Langdon wird eingeflogen, geht kurz in die Bibliothek, zieht auf Anhieb den richtigen Band von Galileo Galileis Schriften – und natürlich findet sich dort, versteckt als Wasserzeichen, das Symbol, das ihm dem Weg zum nächsten Tatort weist, den er dann zwei Minuten vor dem ablaufenden Ultimatum erreicht. Der Mann liest "Zeichen" so flüssig wie unsereiner Buchstaben! Einen ganzen Abend geht das in "Illuminati" so (ohne dass der Prof übrigens Schlimmeres verhindern könnte …) – bis um Mitternacht dann die ganz große Bombe hochgehen soll.

Dan Brown lässt seinen archaischen Konflikt zwischen Männern der Kirche und der verteufelten Wissenschaft mit hochmodernen Waffen und Technologien austragen. Er bezieht sich auf real existierende Versuche des Genfer Forschungszentrums CERN, sogenannte Antimaterie herzustellen. Was die Umsetzung betrifft, so sind Roman und Film der Wirklichkeit allerdings Lichtjahre voraus.

Im Übrigen ist der Film gar nicht so ketzerisch, wie die ablehnende Haltung des Vatikans vermuten lässt. Neuerliche Enthüllungen über Jesus und Maria Magdalena (die in "The Da Vinci Code – Sakrileg" als dessen Ehefrau und Mutter seiner Kinder geoutet wurde) gibt es nicht. Die Mehrheit der Gottesmänner wird als durchaus besonnen und ehrenhaft dargestellt, der im Film jüngst verstorbene Papst sogar als aufgeschlossener Wissenschafts-Befürworter. Die Einblicke, die man in die Hierarchien des Kirchenstaats und das Prozedere einer Papst-Wahl ("Konklave") bekommt, sind durchaus interessant. Und die rituellen Morde, mit denen das Publikum hier zum Teil recht drastisch konfrontiert wird, kennt man aus zahlreichen anderen Serien-Killer-Thrillern – nur dass sie hier eben in sakralen Gebäuden stattfinden.

Dass die Kirche ihre Gotteshäuser nicht unbedingt einem 200-köpfigen Hollywood-Film-Tross öffnen will, der gruslig geschminkte Leichen wirkungsvoll vor Tabernakeln und Altären platziert, um möglichst viele 100 Millionen Dollars zu machen, ist sooo unverständlich nun auch wieder nicht …

Fazit: Tom Hanks als Fährtensucher im Vatikan – eine kurzweilige Schnitzeljagd, die jedoch nach bekanntem Muster abläuft und letztlich doch sehr überkonstruiert ist.

Infos:

  • Originaltitel: Angels & Demons
  • Genre: Thriller
  • Regie: Ron Howard
  • Drehbuch: David Koepp, Akiva Goldsman nach dem Roman von Dan Brown
  • Darsteller: Tom Hanks, Ayelet Zurer, Ewan McGregor, Stellan Skaarsgard, Pierfrancesco Favino, Armin Müller-Stahl
  • Kamera: Salvatore Totino
  • Musik: Hans Zimmer
  • Kinostart: 13.05.2009
  • FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
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