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31.07.2010


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Null-Euro-Jobs Nur für Trinkgeld Einkaufstüten packen

Es gibt nicht nur Ein-Euro-Jobs, sondern auch Null-Euro-Jobs. Das Ingolstädter Unternehmen "Friendly Service" vermittelt Schüler und Studenten, die an Ladenkassen Einkaufstüten packen. Ihr einziger Lohn ist das Trinkgeld. "Friendly Service" hingegen kassiert drei bis fünf Euro pro Arbeitsstunde. Die Gewerkschaften sind empört und die Edeka-Gruppe überlegt, die Zusammenarbeit zu lösen.

Stand: 14.12.2009

Illustration zu "Packservice" | colourbox.com; Montage: BR

Das Geschäftsmodell von Martin Lettenmeier, dem Geschäftsführer von "Friendly Service", funktioniert so: Schüler und Studenten schließen mit dem Unternehmen einen Vertrag, arbeiten aber selbständig. "Wir nutzen hier die Möglichkeit, dass Schüler und Studenten als Selbständige bis 340 Euro verdienen können und in diesem Bereich sozialversicherungsfrei arbeiten können", erklärt Lettenmeier gegenüber dem Bayerischen Rundunk.

Kritik vom Gewerkschaftsbund

Für die Gewerkschaft ist der Null-Euro-Job ein rotes Tuch: "Wir halten das für eine neue Qualität der Ausbeutung im Einzelhandel", betont Wilfried Maxim vom DGB in Ingolstadt. "Wir vom deutschen Gewerkschaftsbund gehen davon aus, dass Menschen, die morgens zur Arbeit gehen, einen Lohn, ein Gehalt erhalten und keine Almosen."

Unternehmer verteidigt "Mikrokosmos"

Der "Friendly Service"-Geschäftsführer, übrigens ein studierter Theologe, stimmt dem Gewerkschafter bis zu einem gewissen Grad zu: "Es geht nicht, dass Leute, die sich selbst davon ernähren müssen, ausschließlich über Trinkgeld finanziert werden können". Er nehme das nur für einen "Mikrokosmos" in Anspruch: "Es ist ausschließlich für Schüler und Studenten und zwar nur im Alter zwischen 18 und 24 Jahren, also keine Hartz-IV-Empfänger, keine Rentner, auch keine Auszubildenenden." Außerdem wendet Lettenmeier ein, dass die jungen Leute allein durch Trinkgeld "sehr viel verdienen".

Gutes Trinkgeld

Franziska, eine Abiturientin, die seit einem Jahr an einer Ingolstädter Supermarktkasse Tüten packt, ist tatsächlich zufrieden. "Ich muss sagen, dass ich wahrscheinlich bei keinem anderen Schülerjob so viel verdienen würde." Sie kommt auf mindestens zehn Euro in der Stunde.

Edeka überlegt Ausstieg

Lettenmeier hat vor allem Edeka-Läden in Bayern als Kunden. Der Null-Euro-Lohn für die nach amerikanischem Modell gedachten Servicehilfen hat mittlerweile so viel Kritik hervorgerufen, dass Edeka überlegt, die Zusammenarbeit aufzugeben. Eine Hamburger Drogeriekette hat sich bereits wieder von "Friendly Service" getrennt.

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