09.02.2010
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Viele Kommentatoren sehen Barack Obamas offensive Nutzung des "Web 2.0" als entscheidend für die Mobilisierung junger Wähler und damit auch für seinen Wahlsieg. Aber jetzt ist der Ex-Wahlkämpfer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten - wird es im Staate Obama genau so kommunikativ weitergehen wie vor der Wahl? Wahrscheinlich nicht.
Von Hardy Röde
Stand: 20.11.2008
Der letzte "Twitter"-Eintrag von Barack Obamas Account stammt vom 5. November: “Wir haben gerade Geschichte geschrieben. Alles das habt ihr möglich gemacht. Danke.” Seitdem hört man dort aber nichts mehr vom gewählten Präsidenten – vor der Wahl hat er oft mehrmals am Tag kurze Botschaften auf seine Twitter-Seite geschickt.
Bildunterschrift:
Danke, das war's? Der Twitter-Account von Barack Obama ist seit dem Wahlabend verwaist.
Sein Myspace-Profil hat Obama noch mit riesigen „Thank You“-Postern schmücken lassen – aber auch da wurde am Tag nach der Wahl alles eingefroren. Wundert mich nicht, sagt David D. Perlmutter, Journalistikprofessor an der Universität von Kansas und Autor des Buchs „Blogwars“. Es wäre eher seltsam, wenn es nach der Wahl im selben rasanten Tempo weitergegangen wäre.
David D. Perlmutter, Universität von Kansas: Jeder weiß, dass dieser Wahlkampf sehr anstrengend war und die Kommunikation fast schon zu intensiv. Deswegen finde ich es richtig, jetzt auf die Bremse zu treten, auch um die Öffentlichkeit nicht zu überfordern.
Aber: Es wird bald wieder losgehen. Obama hat eine unglaubliche Liste von Kontakten, die er über SMS, E-Mails oder Communitys wie Facebook, Myspace und Youtube erreichen kann. Die wird er nicht alt werden lassen. Während der Präsidentschaft wird er sie nutzen, zum Beispiel, wenn er um Zustimmung zu einem Gesetz werben will. Vielleicht weniger intensiv als bisher – aber spätestens bei der nächsten Wahl 2012 wird es natürlich wieder mehr werden!
Bildunterschrift: Barack Obama, Meister der Fernkommunikation
Bevor er schon wieder an den nächsten Wahlkampf denkt, muss Obama erstmal umschalten: von Wahlkämpfer auf Präsident. An seinem Wohnort Chicago trifft er Personalentscheidungen für die künftige Regierung, in der digitalen Kommunikation wird die neue Tonlage verkörpert durch change.gov: die offizielle Obama-Website bis zur Amtseinführung am 20. Januar 2009. Eine Mischung aus Pressemitteilungen, Videos aus den künftigen Fachabteilungen der Regierung und Beschreibung des Programms.
David D. Perlmutter, Journalistikprofessor: Obama muss jetzt auf sein Erscheinungsbild als Präsident und auf die Würde des Amtes aufpassen, was ja durch die zwei letzten Amtsinhaber durchaus zum Thema geworden ist. Einige der Plattformen, die er benutzt, sind bekannt für sehr aufgeregte, laute und grelle Kommunikation. Eine Information von Barack Obama aus dem Weißen Haus darf sich jetzt aber nicht mehr nach einer politischen Kampagne anhören, sondern nach einem Präsidenten, der wichtige Entscheidungen für sein Land trifft. An diesem Wandel hat sich bisher noch niemand versucht, das wird ein faszinierendes Experiment werden.
Wie auch immer das Experiment ausgeht: Jedes Detail von Obamas Web 2.0-Kommunikation wird genau beobachtet und kommentiert. Ganze Websites wie techpresident.com haben sich nur dieser Aufgabe verschrieben: Die Zuschauer von Obamas erster offizieller Youtube Ansprache zu zählen - zur Zeit 860.000 -, jedes neue Video über den Aufbau des Regierungsteams zu vermelden und die Reaktionen in der Blogosphäre auf all das zu beobachten. Durchaus nicht alle Blogger und Schlauköpfe im Netz sind Obamas beste Freunde: Es gibt ständig Kritik an seinen Personalentscheidungen, und generell den Vorwurf, dass der künftige Präsident mit all dem digitalen Zauber keine wirkliche Transparenz, sondern nur den Anschein davon schafft.
Die politische Öffentlichkeit wäre allerdings auch ziemlich bescheuert, wenn sie sich von präsidentiellen Videos beeindrucken ließe, bloß weil sie auf Youtube veröffentlicht werden. Die Web 2.0-Kommunikation ist auch nur ein Mittel zum Zweck, gute Politik machen muss der künftige US-Präsident immer noch selber.
David D. Perlmutter, Blog-Forscher: Wir leben in einer Zeit, in der die Leute jeden Tag die Folgen einer falschen Politik zu spüren bekommen. Wenn du arbeitslos bist und deine Kinder Hunger haben, kann man dir nicht endlos lang erzählen, dass eine Ansprache auf Youtube was Tolles ist. Irgendwann wirst du fragen: Wer macht unsere Wirtschaft wieder flott? Irgendwann hilft Schönreden nicht mehr weiter. Und ich glaube, dass genau das gerade passiert: Wir wollen jemanden, der ein Problem tatsächlich angeht und versucht, es zu lösen. Und der nicht nur drüber redet – selbst wenn das auf einem schicken neuen Kanal passiert.
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